Hallo ,ich bin eine Mutter von 2 Jungs .Ich gehe davon aus das mein Mann und ich unsere Kinder gut erziehen .( Viel Liebe und Verständnis,auch bei Proplemen).Die Jungs sind 13 und 10 Jahre alt.Der jüngere hat schon immer Propleme.Als kleiner Junge wurde er schon von der Großmutter abgelehnt,weil er so "Schwierig"ist.
Zu seinem Verhalten :Mit 2-3 Jahren war er ein Draufgänger .Stürzte oft aber zeigte keine Schmerzen .Dann wurde er sehr Respektlos ,was bis heute anhält .Oft gibt er nicht gerechtfertigte Antworten.Dann frag ich ihn warum er das macht .Es kommt keine Antwort .In der Schule kommt er kaum mit .Meistens hat er schlechte Noten .Seine Lehrerin ist auch überfordert .Mindestens alle 2 Wochen ruft sie an ,weil er mal wieder denn Unterricht masiv gestört hat .Er konzentriert sich nicht und hat überhaupt keine Lust am Unterricht teilzunehmem .
Nun habe ich gestern eine Sendung über ADS gesehen .Ich war sehr gefesselt und glaube nun zu wissen,was mit ihm los ist .Ich habe schon immer gemerkt das er eigendlich ein größeres Proplem hat .Ich habe aber schon an mir gezweifelt ob ich was falsch mache .Auch wollte ich mit ihm zu einem Kinderpsychologen aber leider keinen Termin bekommen .
( Auf Monate alle Termine vergeben )
Ich möchte meine Sohn helfen ,bevor es eskaliert .In letzter Zeit ist es nämlich schlimmer geworden .

Ich freue mich sehr auf eine Antwort und bedanke mich recht herzlich .

Mit freundlichen Grüßen D.

Liebe Frau D.,
vielen Dank für Ihren Brief. Ich glaube, ich weiss, welche Fernsehsendung Sie gesehen haben: 37 Grad! Stimmt´s? Ich habe sie auch gesehen und kann Ihnen sagen, dass es keine gute Sendung zum Thema "ADS" war. Die gezeigten Beispiele treffen für sehr viele Kinder zu und sagen nichts aus über die sogenannte Krankheit "ADS" (die eigentlich Hyperkinetische Störung -HKS- bei uns heissen muss, aber das nur nebenbei). Bei keinem der gezeigten Kinder erfuhr man etwas über die familiären Hintergründe, so, als spielen die Erziehung und die besonderen Familienkonstellationen rein gar keine Rolle für unsere Kinder und Jugendlichen. Ein starkes Stück, finde ich! Und dann noch die Experten im Nachspann, wo der eine dem anderen an der Mimik anzusehen glaubte, dass dieser auch an "ADS" leide!
Ich vertrete (wie übrigens die meisten Psychotherapeuten) die Fachposition, dass heute unter der oft vorschnell und oberflächlich gefundenen Mode-Diagnose "ADS" sehr viele Verhaltensschwierigkeiten zu finden sind, die rein seelisch und nicht medizinisch im Sinne einer Krankheit zu verstehen sind. Ich empfehle Ihnen deshalb zunächst als ersten Schritt den Besuch Ihrer Erziehungsberatungsstelle. Dort können sich beraten lassen, was Sie in der Erziehung tun können, um Ihrem Sohn zu helfen. Dort wird man Ihnen auch weiterhelfen, falls es nicht allein an der Erziehung liegen sollte (viele Kinder haben auch bisher unerkannte körperlich-neurologische Entwicklungs- bzw. Integrationsschwierigkeiten oder Teilleistungsschwächen, die dann in der Folge zu Verhaltensschwierigkeiten führen können).
Erkundigen Sie sich in Ihrem Jugendamt, wo in Ihrer Umgebung Erziehungsberatungsstellen sind. Sie können in jede beliebige Stelle gehen, es finden sich dort qualifizierte Fachkräfte, auch Ärzte, der psychotherapeutische Service dort ist für Sie kostenlos. Rufen Sie an und suchen Sie sich die Stelle mit der kürzesten Wartezeit aus.
Alles Gute wünscht Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt