Guten Abend!
Nach einigen Anläufen versuche möchte ich heute versuchen,
Ihnen heute
mein
Problem zu schildern. Ich stecke allerdings ein wenig in der
Zwickmühle,
ist
mir doch nicht klar, ob ich wirklich ein Problem habe oder ob ich
einfach
zu
ungeduldig bin.
Mein Problem betrifft meinen Sohn Yannick. Er ist jetzt 3 1/2 Jahre
alt
und
hat einen Bruder 1 1/2 Jahre alt. Schon von Geburt an hatte
Yannick
Probleme
damit, wenn ich ihn "abgegeben" habe. Ich konnte ihn nur unter
Protest
abgeben und er hat meist solange geschrien, bis ich zurück war.
Mit der
Zeit
wurde es etwas besser und heute bleibt er mal mehr oder weniger
gern bei
seiner Oma und zu besten Zeiten sogar freiwillig über Nacht.
Ansonsten
kann
ich ihn nur unter größten Schwierigkeiten irgendwo anders
abgeben. In der
Regel tue ich dies nur bei einer sehr guten Freundin, deren Tochter
mit
Yannick gut befreundet ist (sie sind gleich alt) und die Yannick seid
seiner
Geburt kennt. Doch selbst dort hockt er solange vor der Tür oder
am
Fenster
und wartet dort auf mich. Im schlimmsten Fall schreit er und tritt
nach
einer
Weile richtig weg, er "pullert" in die Hose und ist nicht mehr
zugänglich.
Ich habe es erst mit viel Verständnis versucht, aber es wurde nicht
besser.
Wir haben es dann auf die "harte Tour" versucht und ihn regelmäßig
abgegeben,
aber das hatte den gleichen Mißerfolg.
Es graut mir vor September, denn da kommt er in den
Kindergarten. Ich weiß
nicht, wie ich meinem Kind helfen kann und er tut mir so leid. Es
steht
sich
sosehr selbst im Wege. Er würde sogern zum Kindertanzen gehen,
 aber da
müßte
er allein hin. Auch die Aussicht, das ich vor der Türe warte ( und ich
habe
meine Versprechen noch NIIIIEEE gebrochen) helfen da nicht. Er
möchte
gerne
auf Kindergeburtstage, aber die sind mittlerweile ohne Mama und
dann will
er
nicht bleiben.
Ich hoffe, sie können mir helfen und mir vielleicht Tipps geben, wie
ich
meinem Sohn ein wenig auf die Sprünge helfen kann. Außerdem
schaut sich
der
Kleine in der Zwischenzeit alles von dem Bruder ab und ich fürchte,
er
wird
es ihm nachahmen, im guten Glauben, das es so richtig ist.
In der Hoffnung auf baldige Antwort
Ihre Silke

Liebe Silke,
ich bedanke mich für Ihren Brief! Ich musste eine Weile grübeln, was Sie mit
"abgeben" eigentlich meinen. Ich habe es dann so verstanden, dass Sie Ihren
kleinen Sohn alleine lassen bei anderen Leuten. Na, und da wundern Sie sich
über seine Reaktionen? Sie haben ihn wahrscheinlich zu oft, zu früh und dann
noch bei ihm nicht immer sehr gut bekannten Leuten "abgegeben" und ihn damit
nachhaltig geschockt. Sein Protest dagegen ist völlig verständlich. Er steht
sich keineswegs selbst im Wege. Er ist dadurch einfach sehr
misstrauisch-ängstlich geworden. Und dann haben Sie es auch noch auf die
"harte Tour" versucht (das hat mir beim Lesen richtig weh getan), anstatt zu
fühlen, dass Sie ihn eben nicht mehr alleine lassen dürfen. Wenn er im
September in den Kindergarten soll, müssen Sie ihre emotionale Bindung an
ihn bis dahin noch einmal so richtig intensivieren, damit er dann beruhigt
in den Kindergarten kann. Wenn die Zeit bis dahin aber zu knapp ist, sollten
Sie ihn erst ein halbes Jahr später in den Kindergarten geben. Dann hätte er
noch ein bisschen mehr Zeit, Bindung an Sie "aufzutanken". Kinder gehen nur
dann beruhigt in den Kindergarten oder die Schule oder sonstwie weg von zu
Hause, wenn sie vorher genügend liebevolle Bindung, Sicherheit und Vertrauen
an die Eltern in sich aufgespeichert haben. Wenn nicht, missverstehen sie
solche Trennungssituationen immer wieder als "Weggeben" im lieblosen Sinne,
und dann protestieren sie weiter heftig.
Also, liebe Silke, wenn Ihr Sohn so gern zum Kindertanzen gehen möchte, dann
gehen Sie eben mit und setzen sich hinten rein. In seinem Alter müssen
Kindergeburtstage auch noch nicht ohne Mama oder Papa stattfinden. Gehen Sie
brav immer mit und trinken Sie mit der anderen Mutter einige Tässchen
Kaffee, während Ihr Sohn fröhlich Geburtstag feiert. Erst später, wenn Ihr
Sohn es sich langsam zutraut, können Sie dies alles wieder langsam und
schrittweise zurückfahren und ihn alleine lassen im positiven Sinne von
Verselbständigung.
Das wünscht Ihnen und vor allem Ihrem Yannick Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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