Guten Morgen,
gestern bin ich durch Zufall auf Ihrer Seite gelandet. Habe mich durchgeklickt und diese Möglichkeit entdeckt mir einen professionellen Rat für mein Problem zu holen. Ende Januar / Anfang Februar lernte ich einen Mann kennen- und lieben, der sich nach 11 Jahren von seiner Frau getrennt hat. Er hat zwei Kinder im Alter von 6 und 3 Jahren. Die Noch-Ehefrau hat ihn während der Ehe mehrmals mit anderen Männern betrogen, was auch in den meisten Fällen durch ihn herausgefunden worden ist. Wir hatten eine wunderschöne Zeit miteinander, wobei ich eher zurückhaltend war in Richtung Zukunft und versucht habe den Augenblick zu genießen. Ein gemeinsamer Urlaub war trotz aller Skepsis (von meiner Seite) sehr harmonisch. Wenn seine Kinder da waren, haben wir gemeinsam etwas unternommen, die Kinder und auch wir hatten sehr viel Spaß und haben uns auch in kritschen Situationen den Kopf bewahrt. Es wurden Pläne für eine gemeinsame Zukunft geschmiedet (gemeinsame Wohnung usw.) Sätze wie "Wir gehören zusammen", dass wir uns getroffen haben ist Schicksal, wir werden den vor uns liegenden Weg zusammengehen, waren zwischenzeitlich an der Tagesordnung. Das alles wurde durch das Verhalten der Ehefrau leider kaputt gemacht. Sie versucht ihm den Umgang mit den Kindern zu verweigern. Durch Lügen (er habe sie geschlagen), durch Beschimpfungen (was willst Du mit den Kindern, Du hängst doch sowieso nur mit der Neuen zusammen; Du kommst mit den Kindern doch gar nicht alleine zurecht, usw). Sie terrorisierte seine Mutter und Cousine mit Telefonanrufen und sprach beim ersten, etwas schärfer formulierten Schreiben des Anwaltes Morddrohungen gegen die Familie aus. Zuletzt missbrauchte sie das Mobil-Telefon (das der Vater den Kindern für regelmäßige Kontaktaufnahme zu ihm geschenkt hatte für ihre e igenen Zwecke, indem Sie die Mailbox besprochen hat und den Festnetzanschluss ebenfalls auf das Kinder-Mobil-Telefon umgeleitet hat. So, das ist ein kleiner Auszug aus dem, was bis jetzt passiert ist. Mein Problem ist nun, dass mein Freund mich nicht mehr sehen möchte. Er will alleine sein (ist aber eigentlich immer und ständig unterwegs). Ich versuche den Kontakt über das Telefon aufrecht zu erhalten, damit das letzte Band nicht auch noch reißt. Dies gestaltet sich aber auch als schwierig, weil ich einfach nicht verstehe, warum ich so ausgeschlossen werde. Am Dienstag haben wir uns getroffen und jeder hat seinen Gedanken freien Lauf gelassen. Er kann und will keine Entscheidung treffen, wenn ich die Beziehung beenden möchte, dann sollte ich das machen. Er ist zwar im Moment nicht in der Lage eine Beziehung zu führen, glaubt aber, dass das wieder möglich ist, wenn die ganze Geschichte mit seiner Frau beendet ist. Dazu sollte ich noch sagen, dass er sehr, sehr lange versucht hat mit der Frau zu reden und das ganze im Guten und zum Wohle der Kinder zu regeln. Endlich hat er eingesehen, dass das nicht möglich ist und geht jetzt in die vollen, mit seiner ganzen Kraft und Hass gegen diese Frau. Leider ist für mich in diesem Spiel kein Platz mehr. Von 0 auf 100 und wieder zurück auf 0. Er sagt, dass ihm das alles leid tut, dass ich nicht verdient habe so behandelt zu werden und das er alles tut was er im Moment kann, damit ich nicht so sehr leiden muss . Das ist nicht wirklich viel. Leider bin ich viel zu verunsichert, um reagieren zu können, oder zu wissen, was ich tun soll. Er bittet mich um Geduld. Das gehört nicht zu meinen Stärken. Aber ich will ihn auch nicht verlieren. Eigentlich sind wir in der gleichen Situation, auf anderen Ebenen. Er will seine Kinder nicht verlieren und ich will ihn nicht verlieren. {Können Sie mir einen Rat geben, wie ich mich verhalten soll?? Ich wäre Ihnen sehr dankbar. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für mich genommen haben.
Carola

Liebe Carola,
vielen Dank für Ihre Schilderung. Bitte entschuldigen Sie meine Verspätung. Wir hatten aber auf dieser website diverse Virusangriffe und E-Mail-Bomben eines armen Verirrten, so dass ich leider etwas im Verzug bin.
Nun zu Ihnen: Ich glaube, Sie und Ihr Partner haben den Kardinalfehler begangen, den in solchen Familienkrisen viele Betroffene machen: Sie gehen viel zu rasch eine neue Beziehung ein, anstatt erst dann eine neue Beziehung zu suchen, wenn die Probleme mit der alten Beziehung einigermaßen beigelegt sind. Ihr Partner hat offensichtlich nun gemerkt, dass er mit seiner allzu raschen Beziehung zu Ihnen sich selbst, Sie, aber auch seine erste Ehefrau und nicht zuletzt seine Kinder völlig überfordert.
In vergleichbaren Fällen sollte ein Mann wie Ihr Partner etwa ein Jahr lang keine feste neue Beziehung ins Spiel bringen. Das ist ein grober Erfahrungswert, manchmal dauert es noch länger, bis einigermaßen Gras über die zerbrochene Ehe gewachsen ist. Erst dann ist seelischer Raum frei für eine neue Lebenspartnerschaft. Damit will ich nicht sagen, dass Sie und Ihr Partner während dieser Zeit keinerlei Beziehung haben dürfen. Nur sollte diese Beziehung ganz im Verborgenen sozusagen auf Sparflamme blühen, Sie selber sollten gar nicht groß in Erscheinung treten und sich stattdessen sehr im Hintergrund halten. Sie können während dieser Zeit nichts anderes tun, als abzuwarten, dass Ihr Partner die Probleme seiner zerbrochenen Familie ganz alleine vernünftig regelt. Wenn er das getan haben wird, dann erst können Sie auf der Bühne erscheinen, aber bis dahin ist in Ihrem Fall wohl noch einige Zeit abzuwarten. So, wie Sie die Verhältnisse beschreiben, will Ihr Partner nun ja wohl im Hass und mit Kampfeswillen gegen seine Ehefrau zu Felde ziehen. Es sieht also gar nicht gut aus im Sinne einer gütlichen, vernünftigen und einvernehmlichen Regelung. Ich kann nur davor warnen, sich so zu verhalten, wie Ihr Partner es vorhat. Jahrelanger Streit und zerrüttender Familienkrieg mit hohen Anwaltskosten und starker emotionaler Dauerbelastung stehen sonst ins Haus, Krieg, in dem für Sie weiterhin kein Platz sein wird, in dem Sie höchstens benutzt werden können.
Mein Rat: Empfehlen Sie Ihrem Partner, diese meine Beratung zu lesen. Nehmen Sie sich bis auf Weiteres aus der Beziehung zurück und geben Sie ihm genügend Zeit, die Trennung von seiner Frau vernünftig und möglichst einvernehmlich zu regeln. Dabei könen Sie ihm kaum helfen. Erst, wenn er dies einigermaßen geschafft hat, ist er innerlich für Sie frei (und Sie haben dann einen Partner, der Sie und Ihre Beziehung zu ihm nicht mehr mit seinen ungelösten Problemen aus 1. Ehe belastet).
Das wünscht Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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