guten Abend, mein Name ist Anna, ich habe einen 7
jährigen,eigentlich wunderbaren sohn.
Mein Problem ist, (nicht seins) daß er oft so interessen- und lustlos
ist. Auch tägliche Sachen, wie z.B. ausziehen werden zum Drama,
dauern ewig, ohne lust und laune.
Ja, eigentlich geht bei meinem Sohn alles ohne Lust. Meistens
muß ich ihn 5 mal auffordern was zu tun.Körperliche Betätigung ist
ihm ein Greuel. Zum Spielen im Sandkasten hat er keine Lust,
Schaukeln ist anstrengend, mit dem Fahrrad um den Block
saußen, das schon mal gar nicht. Mit Lego bauen oder  Malen ist
ihm zu viel.
Mein Sohn bevorzugt auf dem Bett zu liegen, Kasette zu hören,
oder in die Luft zu gucken.
Fernsehschauen, Gameboy oder Computer, das ist seine Welt.
Was ich aber sehr stark einschränke, eigentlich schon immer, das
kommt aber davon, daß er bereits mit 2 1/2 Jahren in den
Ganztagskindergarten ging, jetzt in den Hort und somit abends
nicht viel Zeit ist, diese auch noch zu vergeuden.
Seit 1/2 Jahre besucht er modopädische Turnstunden, die ihm  sehr
gefallen. Aber mehr ist nicht drin.
Wochenende,  machen wir nicht viel, z.B Samstagfrüh wird gespielt
(zusammen gehts einigermaßer), es wird Nachschrift geübt,  dann
mache ich den Haushalt und mein Sohn liegt auf dem Bett und hört
Kasetten.
Sonntags vielleicht machen wir Besuch oder jemand kommt.
Haben uns einen Kreis von Familien mit Kindern (meist
Alleinerziehenden) gebaut. Also es gibt keine
Aktivitätenüberschwemmung.

Wenn er vielleicht mal was angestellt hat, z.B. gelogen, kann ich
ihn nicht bestrafen mit Hausarrest, wegschließen von Spielsachen
oder sogar Gameboyverbot, weil: das ist ihm egal, da legt er sich
halt aufs bett und hört zum 100 tausendstenmal Kasetten
Was mir noch an meinem Kind auffällt ist, daß er sich sehr zu
Erwachsenen hingezogen fühlt, und schwierig Kontakt zu anderen
Kinder bekommt.
Kurz und gut, wie kann ich die Lebensfreude, die Lust, die
Entdeckung aufs Leben ein bisschen aus ihm herauskitzeln?
Bin sehr gespannt auf einen kleinen Ratschlag

Liebe Anna, vielen Dank für Ihre liebevolle Schilderung. Ihr kleiner Sohn hat ja alltags sozusagen einen Ganztagsjob, wenn er in den Hort geht. Ich weiss von vielen Kindern, die schon sehr früh in den Ganztagskindergarten und in der Schulzeit in den Hort gehen müssen, dass sie dies ziemlich anstrengend finden und zu Hause danach viel ausruhen müssen. Ich entnehme Ihrem Brief, dass Sie schon lange mit ihm alleine leben. Ich weiss von vielen alleinerziehenden Müttern, dass sie ihr Kind in einer Mischung aus Schuldgefühl, Partnerersatz und übermaßiger Beobachtung erziehen. Spielt dies bei Ihnen auch eine Rolle? Haben Sie einen Partner? Wenn nein, vermissen Sie einen? Es wäre jedenfalls sinnvoll, den Sohn mehr in Ruhe seine ganz individuelle Art leben zu lassen. Kommt er auf seinen Vater? Wenn ja, mögen Sie die Erinnerung an ihn, die Ihr Sohn dann vielleicht immer wieder weckt? Was ist mit dem Vater Ihres Sohnes? Vielleicht fühlt sich Ihr Sohn doch manchmal auch einsam, gerade als Sohn ohne Vater (zusätzlich zum oben erwähnten Ausruhe-Bedürfnis)? Ich bin nicht sicher. Über diese Hintergründe schreiben Sie nichts, deshalb denke ich mir etwas aus. Übrigens müssen Sie Ihren Sohn nicht unbedingt bestrafen, wenn er was angestellt hat. Es genügt meistens, wenn Sie ihn tadeln und bitten, es nicht wieder zu tun. Ich glaube nicht, dass Sie Lebensfreude oder die Lust auf Entdeckung des Lebens aus Ihrem Sohn herauskitzeln sollten oder können. Das macht Ihr Sohn besser auf seine ganz eigene Weise ohne Sie. Sie müssen ihn nur lassen, auch wenn er es dann nicht auf eine Weise macht, die die Ihrige wäre. Er ist seine eigene Persönlichkeit, lieben Sie ihn so, wie er ist, nicht, wie Sie ihn haben oder formen möchten. Hat er einen guten Freund oder eine gute Freundin in seinem Alter? Wenn nein, vermitteln Sie Kontakte, laden Sie gemeinsam mit ihm einen Freund ein, oder vereinbaren Sie mit einer anderen Mutter, dass Ihr Sohn eingeladen wird. Ansonsten müssen Sie sich wohl keine besonderen Sorgen machen.
Alles Gute wünscht Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt

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