| Guten Tag
Herr Schmidt Ich habe eine Frage an Sie und hoffe, dass Sie mir weiterhelfen können! Ich hoffe, ich habe mich verständlich ausgedrückt. Im März 2001 habe ich (31-jährig) einen Mann (32 Jahre alt) kennengelernt, den ich nun sehr liebe. Irgendwann im Mai 2001 hat er mir erzählt, dass er, bevor wir uns kennengelernt haben für ca. einen Monat mit einer anderen Frau zusammen war, die ein Alkoholproblem hat und alleinerziehende Mutter von einem 1-1/2-jährigen Kind ist. Er hat mir erzählt, dass diese Frau nicht das richtige für ihn gewesen sei und dass er deshalb sie verlassen hat und mit mir eine Beziehung angefangen hat. Seit dem 1. April waren wir fest zusammen. Wir verbrachten eine schöne Zeit. Anfangs Juni 2001 habe ich ihn um eine Beziehungspause gebeten, bzw. ich habe ihm gesagt, dass ich voraussichtlich Schluss machen möchte, da ich mir nicht sicher war und ich gefühlsmässig herausfinden wollte, was ich wirklich für ihn empfinde. Ich wusste damals einfach, dass ich auf Distanz gehen musste, um mir klar zu werden, was ich für ihn empfinde. Ich habe ihm gesagt, dass ich mit ihm reden werde, sobald ich mich definitiv entschieden habe. Er war natürlich dann verletzt. Ich habe mir dann drei Wochen Zeit genommen und er hat mir immer wieder SMS geschickt und ich habe darauf geantwortet. In dieser Zeit sind meine Gefühle für ihn sehr gewachsen. Ich habe ihn dann nach 23 Tagen angerufen. Dann habe ich erfahren, dass er wieder mit der Frau vom März 2001etwas angefangen hat. Er hat gesagt, dass er gemeint hat, ich käme nicht mehr zu ihm zurück. Ich habe ihm dann gesagt, dass mich das sehr verletzt und habe ihm mitgeteilt, dass ich mich zurückziehe. Dann hat er mir ein Mail geschrieben und mir darin mitgeteilt, dass er mich sehr liebt und dass er noch nie solche intensiven Gefühle für jemanden gehabt hat, wie für mich und dass er mit mir durchs Leben gehen will. Er hat gesagt, dass ich ihm die andere Frau nichts bedeute. Er hat mich gebeten, ihm einen Weg aufzuzeigen, damit wir wieder zusammenfinden. Wir haben uns dann getroffen und ich habe ihm gesagt, dass ich möchte, dass er mit ihr aufhört. Er hat dann gesagt, er könne sie nicht einfach so schnell wieder wegen mir verlassen - er brauche Zeit um das zu regeln. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht will, dass er nochmals bei ihr übernachtet. Ich habe auch zum Ausdruck gegeben, dass ich mich deswegen verletzt fühle und dass ich nicht weiss, ob ich ihm wieder vertrauen könnte. Wir hatten danach beide gefühlmässige aufs und abs. Er hat mir geschrieben, dass er nicht weiss, wie er mit dieser Situation umgehen sollte. Das darauf folgende Wochenende ist er dann zu ihr gegangen und hat mir dann am Montag danach ein Mail geschrieben und mir gesagt, dass er ein Gefühlschaos hat und nicht mehr weiter weiss und dass er nicht damit klar kommt, dass er mich so verletzt hat. Er hat geschrieben, dass er Zeit braucht und dass er mit sich ins Reine kommen muss. Er hat sich dann mit dem Brief (so halber) verabschiedet und mir alles Gute gewunschen, aber er hat es so geschrieben, als wolle er gar nicht wirklich Schluss machen (dies haben andere auch so empfunden, die den Brief gelesen haben). Es klang so, als wüsse er sich nicht mehr zu helfen! Ich habe ihm am gleichen Tag angerufen und er hat gesagt, dass er sicher 2 Wochen Zeit braucht, auch um das mit der anderen Frau zu regeln und hat beteuert, dass er mit ihr so oder so Schluss machen möchte, da sie nicht die Richtige sei. Die nächsten 3 Wochenenden hat er dann mit ihr verbracht. Nach 4 Wochen hat er mir dann (nach langem zögern) gesagt, dass er nun mit ihr zusammen ist und dass er frisch verliebt ist. Ich habe ihn gefragt, warum er sich für sie entschieden hat und er hat nur geantwortet, dass er sich nicht entschieden hätte, sondern dass es sich so entwickelt hat. Ich habe ihm zwischenzeitlich einen Brief geschrieben und ihn gebeten uns nochmals eine Chance zu geben. Er hat (bei einem Treffen, dass ich wollte) gesagt, er überlegt es sich nochmals wegen uns (ich habe damals geweint). Seit 3 Wochen hat er keine Stellungnahme wegen dem Brief abgegeben. Er hat ferner gesagt, dass er möchte, dass wir gute Kollegen bleiben und seither schreiben wir uns immer wieder SMS. Ich zeige ihm in den SMS immer wieder, dass ich ihn immer noch liebe, er bleibt jedoch eher kollegial. Auch haben wir ausgemacht, dass wir uns bald wiedersehen (er möchte mit mir nett plaudern). Ich glaube, dass er immer noch Gefühle für mich hat, aber ich verstehe nicht, warum er nicht mehr zu mir zurück kommt sondern bei ihr bleibt. Ich weiss nicht, ob er auf der Flucht ist, da er sich überfordert fühlte und einfach zu ihr geflüchtet ist und nicht mehr so richtig weiss, was er will. Ich habe ihn vor 2-1/2 Wochen das letzt Mal gesehen (ich wollte von ihm wissen, warum er mich verlassen hat -> siehe oben). Er sah nicht so glücklich aus (seit er mit ihr zusammen ist) und er raucht sehr viel, mehr als vorher (ca. eine Packung pro Tag). Als er noch mit mir zusammen war, hat er nur ca. 3 Zigaretten pro Tag geraucht! Und er sagt, er sei innerlich sehr nervös und rastlos. Meine Frage nun: Gibt es nochmals eine Chance für uns bzw. gibt es eine Möglichkeit, dass ich ihn wieder zurückgewinnen kann? Wenn ja, wie? Wie lange soll ich auf eine Antwort (betreffend Brief) warten, bzw. überlegt er sich es wirklich nochmals? Was soll ich tun - alles aufgeben oder weiterkämpfen? Ich wäre froh, wenn Sie mir weiterhelfen könnten, da ich oft verzweifelt bin und nicht mehr weiter weiss. Vielen Dank für Ihre Bemühungen. Mit freundlichen Grüssen |
Liebe S.,
vielen Dank für Ihren Brief mit der "unendlichen
Geschichte", wie ich beim Lesen dachte. Es ist ja ein
dauerndes Auf und Ab mit Ihnen und diesem Partner. Psychologisch
verstehe ich das so, dass es immer dann, wenn es ein
"Auf" gegeben hat und wenn es wirklich ernst zu werden
droht, rasch wieder ein "Ab" geben muss. Sie beide
scheuen sich tief innerlich, sich wirklich fest aneinander zu
binden und sich wirklich ernsthaft aufeinander einzulassen. Bevor
Sie sich zu nahe kommen können, gehen Sie wieder etwas (aber nie
endgültig) auseinander. Das kommt vielleicht daher, dass Sie
beide schon Beziehungsenttäuschungen hinter sich haben und von
daher misstrauisch-ängstlich vor neuen tiefen Bindungen sind,
aus Angst, erneut enttäuscht zu werden. So halten Sie beide Ihre
Beziehung in einem dauernden, quälenden (aber auch nicht völlig
enttäuschenden) Schwebezustand zwischen Vereinigung und
Trennung. Wie gesagt, ich glaube, dass dies für Sie BEIDE
zutrifft.
Und was können Sie nun tun, falls das so ist? Einfacher wäre
es, wenn diese Bindungsangst nur einer von Ihnen beiden hätte.
Der andere könnte sie dann durch seine Geduld, Liebe und Treue
langsam überwinden. Aber wenn beide beziehungsmisstrauisch sind?
Ich glaube, dann sind die Aussichten gering. Es gibt dann eine
oft jahrelange Quälerei aus Hoffnung und Enttäuschung. Bitte
denken Sie in Ruhe über das nach, was ich vermute. Wenn ich
richtig liege, werden Sie wissen, was Sie tun sollten.
Mit freundlichem Gruß, Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt