Hallo Dr. Schmidt,
mein Name ist Marion, ich bin 35 Jahre und alleinerziehend (mein Sohn ist
10). Und da geht mein Problem eigentlich schon los. Ich mein alleinerziehend
zu sein ist schon schwer genug, aber bei mir gibt es eigentlich noch eine
Reihe anderer Probleme. Mein Sohn ist sehr krank. Er hat einen Gehirntumor
der nicht zu behandeln ist. Die Tatsache das er unheilbar krank ist, ist sehr
schwer für mich zu akzeptieren. Ich würde ihm so gerne helfen. Er leidet sehr
unter seiner Krankheit, ich spüre das er Angst hat, aber ich weiß nicht wie
ich ihm die Angst nehmen kann. Er selber weiß zwar das nicht alles in Ordnung
ist, aber er weiß nicht was er genau hat.
Er ist zur Zeit sehr sehr anhänglich, er spürt das seine Krankheit weiter
voranschreitet. Und da wären wir schon bei meinem zweiten Problem. Ich kann
diese körperliche Nähe auch von meinem Sohn im Moment nur schwer ertragen.
Zwar versuche ich schon das er nichts mitbekommt, aber er ist sehr sensibel.
Ich weiß das es langsam an der Zeit ist eine Therapie zu machen, aber das
kommt für mich nicht in Frage. Ich kann über das was schon lange zurück liegt
nicht reden. Und wenn ich es auch nur für meinen Sohn machen würde - es geht
nicht. Die Angst ist noch zu groß - glaub ich.
Ich fühl mich mittlerweile so leer und ausgepowert. Mein Beruf hat mir früher
sehr viel Spaß gemacht. Jetzt ist es für mich megaanstrengend regelmäßig
hinzugehen (kann mir meine Zeit ein bißchen selber einteilen). Manchmal
möchte ich weg, alles zurücklassen, aber für meinen Sohn versuche ich stark
zu sein, aber das kostet verdammt viel Kraft. Ich bin gesundheitlich sehr
stark angeschlagen und ich habe manchmal das Gefühl wenn ich bsp. beim
Einkaufen bin, das ich jeden Moment zusammenklappe so schwach bin ich
mittlerweile. Ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Ich versuche Vergangenheitsbewältigung via Internet zu machen. Kann das
helfen?
Marion

Liebe Marion,

vielen Dank für Ihre Schilderung! Dass alles sehr viel Kraft kostet, glaube ich Ihnen sehr! Besonders, dass Sie so allein wirken mit der Bewältigung Ihres (und Ihres Sohnes) Schicksal, macht einem Sorgen. Das müssten Sie aus meiner Sicht unbedingt ändern. Sie schreiben leider nichts darüber, was "alleinerziehend" bei Ihnen und Ihrem Sohn konkret heisst. Kümmert sich sein Vater denn gar nicht um seinen bedürftigen Sohn? Was können Sie tun, um den Vater mit in die Verantwortung für Ihr gemeinsames Kind zu bringen? Zusätzlich sollten Sie nicht unbedingt in eine "Therapie", um Vergangenheitsbewältigung zu betreiben (was immer Sie damit meinen mögen?!), sondern sich besser z.B. einer Selbsthilfegruppe anschließen oder sich in einer Familienberatungsstelle begleiten zu lassen. Ich habe Ihnen anschließend einige Internet-Adressen angeführt, auf denen Sie (falls Sie sie nicht ohnedies schon kennen) sich weiter orientieren können. Fragen Sie auch Ihre Ärzte nach Selbsthilfegruppen in Ihrer Gegend. Auf jeden Fall müssen Sie Ihrem Sohn in nächster Zukunft die Wahrheit über seine Krankheit schonend und positiv erzählen. Aber dazu müssten Sie natürlich erst selbst wieder zu seelischen Kräften finden. Das bedeutet aus meiner Sicht, wie gesagt, dass Sie Ihre Isolation überwinden, Mithelfer und Unterstützer finden. Geteiltes Leid ist halbes Leid! Vergangenheitsbewältugung via Internet (im Sinne einer psychotherapeutischen Beratung) ist im Übrigen durchaus möglich. Wenn Sie dies im Sinne einer weiterführenden Beratung und Begleitung bei mir buchen möchten, können Sie dies mit Hilfe des Auftrags-Formulars natürlich gerne tun.Viel Erfolg wünscht Ihnen und Ihrem Sohn Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

http://www.lifeline.de/cda/ci/text/show_print/1,1922,793,00.html

http://www.krebs-bei-kindern.de/info/faq/faqeltrn.htm

http://www.onko-kids.de/onkokids/infos.htm