| seit fast 5 Wochen habe
ich kein Kontakt zu meinen beiden Kindern Sehr geehrter Herr Schmidt, ich beschreibe Ihnen kurz meine heutige Situation. Meine Ehe ist seit längerer Zeit sehr belastet. Wir also mein Mann und ich lebten bereits seit einiger Zeit in der ehelischen Wohnung getrennt. Ich nächtigte auf dem Sofa im Wohnzimmer und mein Mann im Schlafzimmer. Wir hatten uns auf Grund zahlreicher Streitigkeiten in der Vergangenheit sehr auseinandergelebt. Mein Mann hatte zu mir in letzter Zeit zu mir gesagt, dass ich wechselnde Lebensgefährten gehabt habe (das hat er als Grund im späteren Antrag beim Anwalt angegeben) und momentan auch zu einem gezogen bin, weil seit 31.10 dieses Jahres befinde ich mich nicht mehr zu Hause. Tatsächlich war es zum Verlassen der Wohnung durch mich wie folgt gekommen: Kurz vor Beginn der Herbstferien eröffnete mein Mann mir, es werde nun in den Herbstferien nach Polen fahren und sich eine neue Mutter für seine Kinder suchen (7 und 2,5 Jahre alt). Tatsächlich reiste er auch zu Beginn der Herbstferien nach Polen ab ohne mir auch nur einen Cent dazulassen. Da ich selbst kein Geld hatte, musste ich mich und die Kinder mit fremder Hilfe über Wasser halten. Nach etwa einer Woche kehrte mein Mann zurück. Er hatte es sich offensichtlich anders überlegt und bat mich um Verzeihung. Für mich war die Aktion meines Mannes allerdings nicht mehr als eine Bestätigung, dass unsere Ehe unheilbar zerrütet sei. Das habe ich auch zu meinen Mann gesagt und schlug ihm vor, sich zu trenne. Seitdem war das Verhältnis zwischen uns unerträglich gespannt. Am Abend des 30.10.02 hielt ich mich allein im Wohnzimmer auf und schaute mich das Fernseherprogramm an. Mein Mann befand sich im Schlafzimmer. Plötzlich und ohne Wort zu verlieren kam er ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher aus. Danach verließ er wortlos das Zimmer und kehrte ins Schlafzimmer zurück. Einige Zeit später kam er wieder und verlangte von mir die Familiendokumente in barschem Ton. Ich habe ihm entgegnet, dass ich nicht weiß, wo diese Dokumente sich befinden. Daraus entwickelte sich ein heftiges Streitgespräch zwischen mir und meinem Mann. Ich versuchte meinen Mann zu einem vernünftigen Gespräch darüber zu bewegen, wie es mit der Ehe weitergehen sollte. Mein Mann war aber einem vernünftigen Gespräch nicht zugänglich. Er steigerte sich in eine heftige Erregung hinein und wollte mich dazu bewegen, die Ehe mit ihm fortzusetzen. Dabei wurde er laut und heftig. Da ich ihm keine Zusage machte, begann er , mich heftig zu beschimpfen an. Im Verlaufe dieser Auseinandersetzung lätete das Telefon und ich nahm den Anruf entgegen. Es meldete sich mein Bekannter. Als mein Mann dies bemerkte, riss er mir den Hörer aus der Hand und begann den Anrufer wüst zu beschimpfen. Dann legte er auf. Ich machte ihm heftige Vorhaltungen, dass er seine maßlose Wut nun auch auf Dritte ausdehne. Er müsse sich doch nicht wundern, wenn sich diese seine Beschimpfungen nicht gefallen lassen würden. Mit seinem maßlosen Verhalten werde er nur Ärger einhandeln.Diese Bemerkung nahm er nun zum Anlass,völlig irrational mir unterstellen, ich will Dritte dazu veranlassen, ihm nachzustellen. Er rief seine Mutter an und beklagte sich über meine Person. Er bekamm von ihr den Tip, die Polizei zu informieren.Mein Mann rief tatsächlich auch bei der Polizeian, welche aber offensichtlich nicht bereit war, sich in die Angelegenheit einzumischen. Danach begann er weiterhin mit mir herumzustreiten. Inzwischen war es schon lange nach Mitternacht und es sah nicht so aus, als würde er sich wieder beruhigen. Deshalb entschloss ich mich, meinem Mann aus dem Weg zugehen, bis er sich wieder beruhigt habe. Das habe ich zu ihm gesagtund rief ich einen vertrauten Bekannten an, schilderte ich ihm die Situation und fragte ihn, ob er mich evtl. auch für einige Tage bei ihm unterkommen könnte. Dazu erklärte er sich bereit. Er sei auch bereit mich abzuholen. Ich packte einige Sachen zusammen und wartete auf die Ankunft des Bekannten. Mein Mann versuchte, mir die Wohnungsschlüssel abzunehmen.Das konnte ich allerdings verhindern, und erklärte ich ihm auch eindeutig, dass ich überhauptnicht daran denke, aus der Wohnung auszuziehen. Ich war nur nicht bereit, noch länger seine Ausfälligkeiten zu ertragen und werde , sobald er sich beruhigen wird , zurückkehren. Kurz darauf erschien mein Bekannte und holte mich ab. Bei dieser Bekannte handelt es sich keineswegs um einen neuen Lebensgefährten von mir. Der ist nicht mehr als ein guter und verlässlicher Freund von mir.Ein Liebesverhältnis unterhält ich nicht zu ihm. Wenn es anders wäre, hätte ich gewiss keine Probleme, dies meinem Mann auch zu erklären. In den folgenden Tagen versuchte ich zahlreiche Male meinen Mann anzurufen,in der Hoffnung, dass er sich soweit beruhigt hat, dass ein sachliches Gespräch wieder möglich wird. Mein Mann nahm aber keinerlei Anrufe engegen und reagierte niht auf die Nachrichten, die ich auf den Anrufbeantworter sprach. Auch meine Bitten, mich doch wenigstens mit den Kindern sprechen zu lassen, ignorierte er. Daraufhin fuhr ich nach Hause zurück, um in die eheliche Wohnung zurückzukehren, hab ich aber festgestellt, dass mein Mann zwischenzeitlich das Schloss ausgewechselt hatte, sodass ich nicht mehr in die Wohnung hereinkamm. Keineswegs habe ich die Wohnung auf Dauer verlassen.Selbstverständlich will ich mit den gemeinschaftlichen Kindern zusammenleben und deren Betreung und Versorgung weiterhin wahrnehmen. Die Behauptung von meinem Mann, dass ich mich in Vergangenheit nur unregelmäßig um die Versorgung der Kinder bemüht habe, ist vollkommen falsch. Bis zum März 2002, als mein Mann arbeitslos war, habe ich in erster Linie infolge der klassischen Aufgabenteilung um die Versorgung und Erziehung der Kinder gekümmert. Inzwischen befinde ich mich momentan seit 31.10.2002 immer noch bei meinem Bekannten, der über 160 km von meiner Wohnung enfernt wohnt. Ich bin vollkommen mittelos, da mir mein Mann auch den Zugang zu unserem Girokonto gesperrt hat. Jetzt momentan spreche ich nur mit meinem Mann über Briefe von meinem Anwalt zu seinem. Also läuft jetzt alles über Familiengericht: Alleinbenutzung der Wohnung und auch Erziehung- und Sorgerecht. Ich wende mich an Sie mit der Bitte, dass Sie mir wenigstens psychisch unterstützen oder auch einige wichtige Informationen dazu geben, wie ich mich verhalten sollte und folmell Schritte mache. Mit freundlichem Gruß |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Ich entnehme ihm, dass es heftige
Auseinandersetzungen zwischen Ihnen und Ihrem Mann gibt, dass Ihr
Mann offenbar sehr wütend auf Sie ist und dass Sie beide schon
längere Zeit zerstritten sind. Aber was wirklich das Problem
zwischen Ihnen beiden sein mag, erfahre ich leider nicht. Hatten
Sie denn wirklich schon "wechselnde Lebensgefährten",
wie Ihr Mann behauptet? Oder ist er unbegründet eifersüchtig?
Das weiss ich leider nicht, obwohl es natürlich ganz wichtig
wäre. Dass Sie in Ihrem Ehestreit zu einem männlichen Bekannten
flüchten, mag zwar aus Ihrer Sicht harmlos sein. Aber Ihr Mann
regt sich darüber aus seiner Sicht natürlich mit Recht auf.
Warum machen Sie so etwas, was den Streit zwischen Ihnen und
Ihrem Mann nur noch schüren muss? Ich glaube überhaupt, dass
Sie zu sich selbst nicht ganz ehrlich sind bei der Frage, was Sie
selber alles tun, um die Eheprobleme zu verschärfen. Überlegen
Sie doch mal, was Sie tun können, um die Spannungen zwischen
Ihnen und Ihrem Mann abzubauen. Sagen Sie ihm doch zum Beispiel,
dass Sie es albern finden, sich nur noch über Anwälte zu
unterhalten. Erstens koste das viel Geld, und zweitens sei es
eine unreife Streitkultur, die man damit an den Tag legt. Sagen
Sie ihm, dass Sie freundlich und vernünftig mit ihm sprechen
wollen, um alles ohne Streit zu klären. Treffen Sie sich mit ihm
z.B. in einem gemütlichen Weinlokal, und versuchen Sie dort eine
Aussprache. Ein solches Lokal wäre deshalb gut, weil zu viele
andere Leute mithören, wenn Sie beide ausfallend würden.
Deshalb unterhalten Sie sich beide dann vielleicht zivilisiert.
Und wenn das derzeit doch zu schwierig ist, bitten Sie ihn, mit
Ihnen gemeinsam in eine Eheberatung zu gehen, um die Aussprache
dort zu versuchen.
Sie beide sind ein Fall für
eine Ehetherapie. Warum machen Sie so etwas nicht? Ich glaube,
Sie und Ihr Mann haben nie gelernt, Eheprobleme, wie sie in jeder
Ehe vorkommen, partnerschaftlich im fairen Gespräch miteinander
auszutragen und zu lösen. Deshalb greifen Sie beide immer zu
solch drastischen Aktionen, wie Ausziehen, nach Polen abhauen,
mit einer anderen Frau drohen, zu einem anderen Mann flüchten,
Anwälte dazwischen schieben... Wenn Eheleute zu solch
drastischen Handlungen greifen wie Sie, bedeutet das aus meiner
Sicht, dass sie noch nicht gelernt haben, ihre Probleme
vernünftig und auf fairer Gesprächsbasis miteinander zu
klären. In einer Eheberatung könnten Sie dies üben. Sie sind
das auch Ihren kleinen Kindern schuldig, dass Sie sich jetzt wie
verantwortungsbewusste Erwachsene verhalten. Ihre kleinen Kinder
müssen doch derzeit sehr unter ihren kindischen Eltern leiden,
finden Sie nicht auch?
Mit den besten Wünschen, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt