Sehr geehrter Herr Schmidt,

ich habe Sie über die Suchmaschine Fireball gefunden und bin froh, Ihrem
Angebot, meine Sachlage kurz zu schildern und Sie um Rat zu fragen,
nachkommen zu können.
Folgende Situation: Am 15. September musste ich von jetzt auf gleich zusammen
mit meiner Tochter (6 Jahre) bei meinem Mann ausziehen (wohnt bei seinen
Eltern seit Mai diesen Jahres), da mein Mann mich auf der Arbeitsstelle
anrief und mir drohte, wenn ich nicht nach Hause käme könne ich was erleben.
Er hatte zu dieser Zeit bereits unseren Sohn( 4 Jahre) vorzeitig aus dem
Kindergarten nach Hause geholt und sagte, die Tochter käme mit dem Schulbus
nach Hause und wenn ich gehen würde, würde ich die Kinder nicht mehr
bekommen. Vorangegangen waren heftige Streits und mehrfache Androhungen
seitens meines Mannes und dem Schwiegervater: wenn es mir nicht passe könne
ich ja gehen, die Kinder blieben jedoch bei ihnen.
Nach Rücksprache mit der Schule durfte ich die Tochter mitnehmen und wohnte
14 Tage bei meiner Freundin übergangsweise bis ich in meine eigene Wohnung
einziehen konnte. Jetzt geht es um das Aufenthaltbestimmungsverfahren. Bis
jetzt ist seitens meines Mannes immer noch keine Einsicht, dass er durch die
Erpressung über die Kinder genau das Gegenteil erreicht hat. Er sagt nach wie
vor, er wolle mich zurückhaben, aber die Kinder würden bei ihm bleiben.
Lt. 1. Anhörungstermin beim Familienrichter entstand dahingehend eine
Pattsituation, indem die Tochter im Aufenthalt mir und der Sohn meinem Mann
zugesprochen wurde.
Es erfolgte eine Extrembeeinflussung der Kinder seitens der Familie meines
Mannes. Diese wurden auch nicht bei unseren Ehelichen Auseinandersetzungen
aussen vorgehalten. Die Kinder wurden anfangs total gegen mich aufgebracht.
Ich sei die Böse, die gegangen sei...etc....
Mal abgesehen von erheblicher Schmutzwäsche, die an Eidesstatt an den
Familienrichter gegeben wurde, läuft nun das Verfahren um das
Aufenthaltsrecht der Kinder.
Ich muss dazu sagen, dass ich die letzten 6 Jahre bis Mai diesen Jahres nicht
berufstätig war und somit Hauptbezugsperson für die Kinder.
Nun erfolgt eine gerichtliche Entscheidung unter Einbeziehung einer
bestellten Psychologin.

Ich bitte Sie dringend um Informationen über die Vorgehensweise dieser
Psychologin, Tests, Rollenspiele, Zeichnungen etc.
Ich benötige dringend von Ihnen Informationen über Zeichnungen: Familie in
Tieren
Was für eine Bedeutung haben folgende Tiere: Bär - Papa
                                                                    Pferd -
Tochter
                                                                    Fuchs -
kleiner Bruder
                                                                    Maus -
Mama

Auf welche Dinge muss ich bei dem Gespräch mit der Psychologin Schwerpunkte
setzen?

Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung.
Vielen Dank
A.

Liebe Frau A.,

vielen Dank für die Darstellung Ihrer Familiensituation und Ihrer Fragen! Ihre Familiensituation wirkt ja leider sehr zugespitzt. Ihre Kinder scheinen mitten drin im Ehestreit zu stehen. Das ist für Ihre Kinder sicher ziemlich schlimm. Ich kann aus Ihren Schilderungen leider nicht entnehmen, was genau passiert sein mag und welche Geschichte das alles hat. Dazu müssten Sie mir ausführlicher schreiben. Haben Sie einen anderen Partner? Was wirft Ihnen die Familie Ihres Mannes genau vor? Das Familiengericht hat aber nun ein psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben, um Entscheidungshilfe zu erhalten, über den Aufenthalt Ihrer Kinder zu entscheiden. Die Gutachterin hat dabei wohl einen psychologischen Zeichentest bei Ihren Kindern angewendet. Dabei sollen die Kinder ihre Familienmitglieder in Tiere verwandeln, und die Psychologin versucht dann, aus den Zeichnungen auf die Familienbeziehungen aus der Sicht der Kinder zu schließen. Machen Sie sich aber keine Sorgen, liebe Frau A. Solch ein Test kann immer nur ein Hilfsmittel sein. Diese Art Zeichentests sind sehr vieldeutig und von meist zweifelhafter Aussage. Darauf sollte man nicht allzu viel geben. Eine qualifizierte Gutachterin wird ihr Gesamtbild nie alleine auf solche Tests stützen, das wäre fachlich unseriös. Sie sollten sich um diesen Test also nicht weiter kümmern, der ist jetzt unwichtig. Wichtig ist nur, dass Sie sich der Gutachterin vertrauensvoll zuwenden und Ihre Eheproblematik ganz ehrlich darstellen. Sie sollten kein unnötiges Misstrauen in das Gutachten setzen. Meistens entscheiden Familiengerichte sowieso für die Mutter, wenn es um die elterliche Sorge und das Aufenthaltsbestimmungsrecht geht. Meist haben die Mütter ganz einfach die tiefere Beziehung zu ihren Kindern und mehr Zeit für die Kinder. Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder nicht getrennt werden, das ist in den meisten Fällen für die Geschwister nicht empfehlenswert. Im Normalfall sollen Geschwister nicht getrennt werden. Es geht im Übrigen nicht darum, welcher Elternteil jetzt am meisten Power macht, sondern allein darum, wo es den Kindern am besten geht. Der Gutachterin geht es allein darum bei ihrer Empfehlung ans Gericht. Liebe Frau A., schreiben Sie mir doch bitte, wie das Gutachten ausgegangen ist. Ich kann Sie dann (oder auch vorher) gerne weiter beraten, wenn Sie möchten. Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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