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geehrter Herr Schmidt, Ich bin eine über 60 Jährige Frau und wohne mit meiner 46 Jährigen Tochter und meinem 16 Jährigen Enkel G. in einer Wohnung, da meine Tochter eine schwere Krankheit am Herz hat, und sich alleine nicht mehr um etwas kümmern kann. Mein Mann ist schon vor einigen Jahren an einer Herzkrankheit gestorben und deswegen kümmere ich mich eigentlich um den Haushalt. Ich habe jedoch folgendes Problem: Mein Enkel G. sitzt seit unserem Umuzug damals nur noch vor seinem PC und spielt Ballerspiele und er hat sich da auch immer weiter reingesteigert und redet den ganzen Tag von nichts anderem, als Waffen und Krieg. Er möchte auch gerne alles Besitzen, was mit Waffen oder Krieg zutun hat. Er recherchiert darüber auch vieles im Internet und macht nichts anderes mehr... Also, ich weiss wirklich nicht, ob dies eine Pubertäre Phase von ihm ist, aber ich glaube nicht, dass es wirklich "normal" ist, sich mit seinem Alter mit Krieg und Waffen zu beschäftigen. Als ich ihn mal fragte, was das ganze solle, sagte er nur zu mir, dass er selber nicht wüsste, was er daran finde, es sei einfach nur "cool". Also, ich weiss nicht wirklich, was ich tun soll.... Soll ich es einfach geschehen lassen und es ist vielleicht einfach nur eine Phase? Oder sollte ich mir wirklich überlegen, was ich tun kann? Ich hoffe, sie nehmen sich meiner an, und wüssten vielleicht einen Rat? Danke! Mit freundlichen Grüßen, |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief!
Das Ballerspielen Ihres Enkels spielt sich offenbar in einem
recht belasteten Familienleben ab. Seine Mutter schwer krank (und
mit verringerter Lebenserwartung?) und auf die Hilfe ihrer Mutter
angewiesen. Der Opa auch recht früh an einer Herzkrankheit
verstorben. Und wo ist der Vater Ihres Enkels?
Wie mag sich diese chronische seelische Belastung auf Ihren Enkel
auswirken? Wie verkraftet er das alles? Handelt es sich bei der
Krankheit Ihrer Tochter um eine Erbkrankheit und hat der Enkel
Angst, daran auch einmal zu erkranken? Könnte es nicht sein,
dass er seine Traurigkeit und Hilflosigkeit angesichts des (vermeintlichen)
familiären Schicksals mit den martialischen und tatkräftigen
Ballerspielen unter Kontrolle hält? Solche Spiele bieten
immerhin spielerisch aktionsgeladene und kraftvolle Möglichkeiten,
"Feinde" und ein böses Schicksal zu überwältigen. Da
fühlt man sich dann nicht so hilflos, sondern stark, gesund und
lebenstüchtig. Da kann man (unbewusst) spielerisch sogar seine
Mutter retten und heraushauen.
Wenn Sie es in diesem Zusammenhang sehen, bieten sich Ihnen
vielleicht neue Möglichkeiten, entspannter damit umzugehen.
Hofft Ihr
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt