| Sehr
geehrter Herr Schmidt, ich bin Mutter eines fast 12jährigen Sohnes. Mein Sohn ist ein sehr aufgeweckter, intelligenter Junge. Seine negativen Eigenschaften, lassen ihn jedoch immer wieder in Schwierigkeiten geraten, aus denen er kaum mehr allein einen Ausweg findet. Leider ist es nun soweit gekommen, daß er in seiner Schule ein Mädchen tätlich angriff und dieses Mädchen von einem Arzt versorgt werden musste. Nun wird die Schule eine Ordungs-bzw. Erziehungsmaßnahme gegen ihn unternehmen. Ich kann selten mit ihm über seine Sorgen und Ängste reden, da er hier bei mir zu hause sehr verschlossen ist. Auf meine Fragen reagiert er sehr ungehalten und fühlt sich immer zu unrecht behalndelt. Ich kann mich ihm nur sehr schwer nähern, und alle ihm aufgetragenen Arbeiten, er hat ein festgelegten Tagesablauf, erfüllt er, wenn, nur nach mehrmaligem Auffordern meiner Seits. Er ist ein Einzelkind und hat einen schwierigen Charakter, er war als Kleinkind sehr jähzornig, was sich im Laufe der Jahre erheblich besserte. Jedoch ist er immer noch leicht aufbrausend und aggressiv, wenn nicht sein Umfeld auf ihn sofort reagiert. Auf einfache Fragen weiß er keine Antworten zu geben und er scheint "genervt" von meiner Fragestellung zu sein. Ich möchte doch mit ihm kommunizieren, kann jedoch nicht an ihn herantreten. Mein Sohn hat auch über AOL eine eMail Anschrift, XXXXXXXXX vielleicht ist es Ihnen ja möglich mit meinem Sohn über diesen Weg Kontakt aufzunehmen und mit ihm selber einige Dinge zu klären? Ich weiß mir keinen Ausweg und bitte Sie um Rat, wie ich meinem Sohn gegenübertreten soll, denn ich will ihn nicht verlieren, in dem er sich von mir entfernt. Eine sehr besorgte Mutter, die umgehend Hilfe benötigt. Vielen Dank |
Liebe sehr besorgte Mutter,
Vielen Dank für Ihre Anfrage! Ich vermute, dass Sie Ihren Sohn
viel zu
sehr bedrängen, wenn Sie mit ihm "kommunizieren"
wollen. Sie sollten
nicht über seine Sorgen und Ängste mit ihm sprechen wollen,
wenn er
das als Belästigung empfindet, wenn er also gar kein eigenes
Bedürfnis
danach hat. Wenn er das will, wird er schon von selbst kommen. Es
wäre
stattdessen wichtig, dass Sie als Mutter erst einmal ohne ihn
herausfinden, was mit ihm schief läuft. Dass Sie das vielleicht
noch
nicht genügend getan haben, sehe ich daran, dass Sie gar nichts
über
das weitere familiäre Umfeld Ihres Einzelkindes schreiben. Das
wäre
doch aber wichtig, um besser verstehen zu können, was vielleicht
schiefläuft. Erst, wenn Sie das besser verstehen, wissen Sie,
was zu
ändern wäre und wie Sie alles zum Besseren wenden können. Hat
Ihr Sohn
denn keinen Vater? Wieso erwähnen Sie den gar nicht? Welche
Rolle
spielt er für Sie und Ihren Sohn? Sind Sie allein erziehend (was
es ja
psychologisch gar nicht gibt: Jeder Mensch hat zwei Eltern).
Liebe sehr besorgte Mutter, die umgehend Hilfe benötigt: Ich
(und Sie
selbst auch) kann nur helfen, wenn wir uns in Ruhe und
sorgfältig
darum bemühen, zu verstehen, was die familiären oder
erzieherischen
Hintergründe für das Verhalten Ihres Sohnes sein mögen. Dazu
müsste
ich aber etwas mehr wissen über Ihre Familie (vor allem über
den Vater
Ihres Sohnes) und Ihre Erziehungsmethode. Schreiben Sie mir bitte
ausführlicher, dann werde ich Ihnen umgehend raten.
Dies empfiehlt Ihnen Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt