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geehrter Herr Schmidt, auf der Suche nach Beiträgen zu Beziehungsproblemen bin ich auf ihre Seite gestoßen und möchte ihnen mein Problem schildern und hoffe, dass ich einige Ratschläge erhalte. Ich (47 Jahre) bin mit meiner Frau (46 J.) seit 20 Jahren zusammen und seit 18 Jahren verheiratet. Wir haben eine 17 jährige Tochter. Wir leben in einer Kleinstadt und sind beide berufstätig - meine Frau ist teilzeitbeschäftigt - unsere Tochter ist Schülerin. Wir hatten bis vor 2 Jahren keine größeren Beziehungsprobleme. Heute sieht es leider ganz anders aus. Meine Frau ist sehr unzufrieden und unglücklich mit ihrem Leben. Keiner kann es ihr Recht machen. Ich möchte ihr gerne helfen und versuche mit ihr darüber zu reden. Leider enden diese Gespräche nach max. 15 min. damit, dass meine Frau wütend wird und mir mit ihren Äußerungen sehr weh tut. Ich bin vom Typ her eher sensibel veranlagt und kann deswegen mit dem jetzigem Zustand innerlich sehr schwer umgehen. Ich bin allerdings auch ein Mensch der keinem lange "böse" sein kann und nicht nachtragend ist. Wenn z.B. ein Streit oder eine Meinungsverschiedenheit beigelegt war, war ich wieder ein ausgeglichener Mensch. Bei meiner Frau dauern die "Nachwehen" 3-4 Tage. Leider ist der jetzige Zustand nicht nur ein kleiner Streit oder eine Meinungsverschiedenheit, sondern ich mache mir viele Gedanken über unsere Ehe und woher die Unzufriedenheit meiner Frau kommen könnte. Ein Grund ist sicherlich der Tod ihres Vaters vor 2 Jahren. Mein Schwiegervater war ein lebenslustiger und toller Typ, der leider im Alter von 74 J. tödlich verunglückt ist. Meine Frau ist darüber nie richtig weggekommen und das Verhältnis zu ihrer Mutter hat sich auch drastisch verschlechtert, da meine Schwiegermutter den Tod ihres Mannes nie erwähnt und meine Frau immer das Bedürfnis hatte und noch hat, sich mit ihrer Mutter auszutauschen. Wenn wir ihre Mutter besuchen wollen - sie wohnt ca. 100 km entfernt - ist meine Frau schon 2 Tage vorher nicht ansprechbar. Wenn wir dann da sind, reicht eine Bemerkung meiner Schwiegermutter, um Aggressionen auszulösen. z.B. Oh, da seid ihr ja, der Kaffee ist schon fertig und der Hund hat auch schon auf euch gewartet. Darauf hin antwortete meine Frau in einem sehr beleidigtem Ton " Ach, sind wir mal wieder zu spät gekommen!" Ich verstehe das Verhalten meiner Frau nicht, ihre Mutter wird demnächst 80 Jahre und ist gesund und munter. Eine zu hohe berufliche Belastung hat sicher jeder mal und die häuslichen Pflichten haben wir von Anfang an geteilt. Aber auch das läuft nicht mehr rund. Ich höre nur noch, wer auf ihrer Arbeitsstätte alles falsch macht, die Chefs falsche Entscheidungen treffen, etc. Sind wir mit Freunden und Bekannten zusammen ist meine Frau lieb und nett- danach - na ja. Auch wirft meine Frau mir vor, dass wir zu wenig zusammen unternehmen. Ich habe das zuerst nicht so empfunden, aber es ist so. Wir haben immer viel zu Dritt unternommen. Natürlich hat sich unsere Tochter -je älter sie wurde- aus diesen Unternehmen ausgeklinkt. Und da wir viel unternommen haben, was auch kindgerecht war, wurde es weniger. Hier habe ich es versäumt den Absprung zu schaffen und wieder mehr mit meiner Frau zu unternehmen. Auch wenn die Unternehmungen zurückgingen - habe ich immer versucht meiner Frau zwischendurch kleine Freuden zu machen. Blumen, essen gehen, ein nett gedeckter Frühstückstisch, Theaterkarten, wenn sie ein Musikstück im Radio toll fand, hab ich die CD mitgebracht etc. Meine Frau hat sich darüber immer sehr gefreut. Auch hiermit kann ich ihr keine Freude mehr machen. Als unsere Tochter (die uns beiden nie Probleme gemacht hat, super Schulleistungen bringt) auf Kritik wohl ziemlich heftig geantwortet hat, ist meine Frau noch unglücklicher geworden. Dieses äußert sich aber wiederum durch Agressionen. Sie hat uns beide satt, macht doch nur alles falsch. Ich weiß nicht mehr weiter, ich möchte meine Frau nicht verlieren - fühl mich sehr hilflos und kann leider mit Freunden oder Bekannten nicht darüber reden (ist bei Männern wohl nicht möglich). Ich habe das Gefühl, dass meine Frau mich nicht mehr liebt. Sexuell ist auch seit 2 Jahren Funkstille. Wenn ich mit ihr darüber reden möchte, heißt es nur "wenn du Sex willst.... such dir eine Andere". Will ich aber nicht. Könnte noch viel mehr schreiben, hat aber erstmal geholfen. Danke. |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief, der mir sehr gefällt. Ich finde,
Sie sind ein sehr einfühlsamer und liebenswerter Mann. Ihre Frau
scheint sich aber in einer midlife-crisis zu befinden. Damit
meine ich, dass sich immer dann, wenn sich in einer Familie die
Kinder langsam verabschieden, die Ehepartner neu sortieren und
orientieren müssen. Und weil Sie nur ein Kind haben, ist das
Erwachsenwerden Ihrer Tochter für Sie und vor allem für Ihre
Frau natürlich ein besonders gravierender Einschnitt im Leben.
Dazu kommt der Tod Ihres Schwiegervaters, der sozusagen die
Familie auch verlassen hat (so wie Ihre Tochter so langsam aber
sicher). Woher sonst noch der Frust Ihrer Frau kommen kann, weiss
ich natürlich nicht.
Aber eines vermute ich: Sie, lieber Herr, sind vielleicht
manchmal einfach zu lieb und zu geduldig zu Ihrer Frau! Das
klingt jetzt vielleicht etwas paradox, aber ich glaube, Sie
müssten mal mehr mit der Faust auf den Tisch hauen und Ihrer
Frau deutlicher machen, dass Sie auch nur ein Mensch sind und
ihre "Launen" nicht unbegrenzt ertragen können. Ich
habe den Verdacht, dass Ihre Frau sich schon so an Ihre
"Engelsgeduld" gewöhnt hat, dass sie schon fast
vergessen hat, was sie da für einen liebenswerten Mann hatte all
die Jahre!
Verstehen Sie, was ich sagen will? Wenn Sie mal kräftig auf den
Putz hauen und deutlich machen, dass Sie unglücklich sind und es
so auf keinen Fall weitergehen kann, dass Ihre Frau sich ja auch
trennen kann, wenn sie so unzufrieden ist, und dass Sie
tatsächlich zu einer Anderen gehen können, um Sex zu haben,
wird sie hoffentlich beunruhigt und besinnt sich erst selbst und
dann auf Sie. Ein reinigendes Gewitter zwischen Ihnen beiden
könnte helfen, wieder zu einander zu finden. Zumindest könnte
Ihre Frau dann mal anfangen, dazu beizutragen, dass Ihre Ehe
wieder ins Lot kommt, wenn ihr noch etwas an ihrem Mann liegt
(was ich schwer vermute!).
So sehe ich es. Sie müssen natürlich selbst entscheiden, ob ich
damit richtig liege und Sie dies wagen wollen.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie auf jeden Fall alles Gute!
Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt