Sehr geehrter Herr Schmidt,
wir haben einen 7-jährigen Sohn, der nach dem ersten Halbjahr
in der Schule zunehmend Probleme macht.
Die Lehrerin beklagt sich über mangelnde Konzentration,
unterrichtsstörend (er muß mehr als andere zu etwas ermahnt und
aufgefordert werden) keine Motivation, antriebslos, und ständig
"müde"(lümmelt während des Unterrichts auf seinem Tisch oder im Sitzkreis (am
Boden) legt er sich hin, auch ist es so, dass  er den Klassenclown spielt Liegt hier ein Verdacht auf ADS
ohne Hyperaktivität (Träumerei)????. Da bei ihm letztes Jahr eine Hausstaubmilbenallergie entdeckt wurde,
muß er 2 mal täglich mit einem Inhalierspray inhalieren. Ob der eine "hippelige" (innere Unruhe) Nebenwirkung hat.
Der Arzt meint nicht. Auf einem anderen Spray, den wir jedoch nur in Notfällen  benutzen ist bei Nebenwirkungen innere Unruhe und
Hyperaktivität aufgelistet. Bei der psychologischen Beratungsstelle haben wir erst Ende Mai einen
Termin und so bin ich auf die beratende Lehrerin von der Schule verwiesen worden,
die auch erst Anfang Mai Zeit findet um mit der Lehrerin ein Gespräch führen zu können und das Kind evtl. beobachten wird. Nach eigenen Aussagen und denen von Mitschülern spielt er oft den Clown und macht Quatsch. Da
er ein Einzelkind ist, kann ich dies zu Hause nicht feststellen, er macht seine Hausaufgaben ordentlich, verbraucht jedoch Stunden damit, verträumt die Zeit. Lesen und Rechnen klappt soweit gut, zu Hause. Beim Klassentest ist er
dem Zeitdruck nicht gewachsen Die Lehrerin beklagt sich wegen innerer Unruhe und inneren Ängsten die das Kind hegt.
Zu Hause kann ich dies nicht feststellen. Wie kann dem Kind geholfen werden. Die Kinderärztin war der Meinung
einen IQ-Test machen zu lassen. Ich glaube nicht, daß; er über- bzw. unterfordert ist, im Kindergarten
war das auch schon so, er hat dort auch immer nur teilgenommen, wenn ihm etwas Spaß gemacht hat, sonst war er genauso uninteressiert und lahm brauchte immer wider Zusatzermahnungen, allerdings. konnte er auch tagelang in der Bauecke mit Holzbaustklotzen die Chinesische Mauer nachbauen. Er ist meiner Meinung nach Gleichaltrigen gleichgestellt vielleicht viel zu langsam, aber mit einer sehr regen Phantasie. Seine Äußerungen in Bezug auf Etwas zu Erledigendes sind oft im Voraus:...daß schaff ich nicht, ich hab's vergessen (vergisst auch oft seine Sachen in der Schule, oder "vergisst" einfach die Geschehnisse des Schulvormittaqgs. Ich kann das nicht ist auch immer wieder dabei, dann ermuntere ich Ihn und lobe ihn wenn er es dann doch , oft mit meiner Unterstützung, schafft. I. Da ich der Lehrerin über meine Absicht Ihnen eine E-Mail zu schreiben sagte, hat Sie sich einverstanden erklärt Ihre Telefon-Nr mit anzugeben, evtl in einem weiteren Kontaktgespräch. Wie kann ich als Mutter dem Kind weiter helfen. Ich bin auf Ihre Meinung gespannt.
Viele Grüße Gudrun

Liebe Gudrun, vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Verhaltensprobleme Ihres Sohnes können mehrere Ursachen haben. Ohne genaue psychologisch-pädiatrische Diagnostik kann man aber nicht erraten, welche bei Ihrem Sohn vorliegen mögen. Das kann ich aus der Entfernung mit den wenigen Informationen, die ich Ihrem Brief entnehmen kann, leider nicht leisten. Sie sind aber ja bereits in einer Erziehungsberatungsstelle angemeldet, und die Zeit, bis Sie den ersten Termin dort haben, müssen Sie eben leider noch warten. Das macht aber nicht viel aus, wenn die Lehrerin davon weiss und dementsprechend mit Ihnen gemeinsam abwartet, bevor die Schule irgendwelche Alleingänge ohne Absprache mit der Beratungsstelle beschreitet. Im Moment geht nichts daran vorbei: Ihr Sohn muss gründlich psychologisch-pädiatrisch untersucht werden, damit die Ursachen herausgefunden werden. Bis dahin sollten Sie auf jeden Fall schon mal dafür sorgen, dass er täglich nicht länger als höchstens eine Stunde Hausaufgaben macht. Auch wenn er danach nicht fertig geworden ist, sollte er aufhören, für das, was er bis dahin geschafft hat, gelobt werden und eben soviel in die Schule mitnehmen, wie er in dieser Stunde geschafft hat. Sprechen Sie dies mit seiner Lehrerin ab. Vielleicht entwickelt er dabei Ehrgeiz, in einer Stunde immer mehr von den Hausaufgaben zu schaffen, vielleicht irgendwann alles. Loben Sie und die Lehrerin ihn immer dafür, wieviel er geschafft hat, auch wenn er nicht fertig geworden ist. Aber länger als eine Stunde vertrödeln, unterstützt nur seine Langsamkeit und Verträumtheit.

Alles Gute, Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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