Lieber Herr Schmidt,

ich bin seit 6 Jahren mit meinem Mann zusammen, vor 3 Jahren haben wir geheiratet. Bis dahin hatte ich auch ein ungetrübtes Verhältnis zu meinen Schwiegereltern. Aufgefallen war mir aber, daß mein Mann sich meiner Meinung nach längst noch nicht von seiner Mutter und sie sich auch nicht von ihm "abgenabelt" hat. Er ist Einzelkind. Meine SM hatte eine Fehlgeburt und es hatte geheißen, sie könne kein Kind mehr bekommen. 10 Jahre später wurde mein Mann geboren. Entsprechend verwöhnt wurde er (was sie ja abstreitet, denn ihr Kind hat ja nicht alles bekommen was es wollte). Sie hat ihn auf einen Sockel gestellt und den Heiligenschein immer schön poliert - und so ist es heute noch. Als wir in die Flitterwochen flogen,  meinte sie "Und wehe, Du kommst nicht schwanger zurück". Das sagte sie im Spaß, aber es blieb mir im Gedächtnis. Wir hörten dann immer wieder so Sprüche von ihr wie: "Wann kommt denn ein Enkel?", "Ach, macht doch mal. So was Süßes zum Knuddeln". Es nervte mich (meinen Mann auch!) tierisch, zumal wir erst später ein Kind wollten. Ich habe sie irgendwann gefragt, was sie eigentlich macht, wenn wir gar keine Kinder kriegen können. Das ist ja schließlich keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie fühlte sich auf den Schlips getreten u. sagte nur: "Dann gibt es eben kein Kind". Als ich schwanger wurde, fing das bis heute andauernde Theater an. Im 3. Monat hatte ich eine Lungenentzündung. Meine SM rief jeden Tag an, um zu fragen wie es mir geht. Ich sagte ihr, daß sie mich nicht jeden Tag anrufen soll. Das hat sie dann auch sein lassen. Meine SE wohnen in der Parallelstraße, wir sind vor 3 Jahren hergezogen, mein Mann ist hier aufgewachsen. Daß das ein Fehler war, zeigte sich mit der Schwangerschaft und seit das Kind da ist erst recht. Als dann mein Bauch immer dicker wurde, wurde meine SM immer bescheuerter. Sie wollte ständig irgendwelche Babysachen kaufen, obwohl ich haufenweise Sachen schon von Freunden geliehen bekam. Dreimal fragte sie mich, wann ich mit ihr in den Secondhandladen gehen würde. Dreimal sagte ich ihr, daß mir die Schränke schon überquellen und ich auf sie zukommen würde, wenn ich was brauche. Ein paar Tage später sagte mein Mann dann zu mir, seine Mutter hätte ihn jetzt schon wiederholt gefragt, wann ich denn mal mit ihr in den Secondhandladen gehen würde. Da bin ich dann explodiert. Es war das erste Mal, daß mein Mann und ich uns stritten - meine SM war der Grund für unseren ersten Ehekrach. Ich war auf 180. Er konnte es immerhin noch verstehen, daß ich so ausrastete. Aber er meinte, ich müsse mich eben mit ihr aussprechen. Erst sagte er, ich müsse das verstehen. Sie würde sehen, daß ich von allen Seiten Sachen für das Baby kriege, sie würde doch auch nur was schenken wollen. Schon zu dem Zeitpunkt stand er mehr hinter seiner Mutter als hinter mir. Ich bin dann also zu meiner SM und habe mit ihr darüber gesprochen, daß sie so Spielchen gar nicht erst anzufangen braucht. An ihrem Verhalten änderte sich nichts. Im Gegenteil. Nach diesem ersten großen Krach war mein Bauch (ich war hochschwanger) feuerrot und juckte tierisch. Der Arzt sagte, daß es durchaus eine Reaktion auf diese Auseinandersetzung sein könne. Einmal waren Freunde meiner SE drüben, wir waren auch da. Wir gingen nach dem Essen nach Hause, am nächsten Morgen sollten wir zum Brunch wieder drüben sein. Mir war nicht gut, ich blieb zu Hause. Als mein Mann zurück kam, erzählte er mir, daß ihre Freunde sich meine SE noch "vorgeknöpft" haben. Nachdem wir nämlich weg waren, gab es nur noch ein Thema: Die Schwangerschaft und das Baby und was sie alles mit dem Baby machen will. Ihre Freunde haben ihnen ganz deutlich gesagt, daß die beiden spinnen. Daß es UNSER Kind ist und sie mal wieder auf den Teppich kommen sollen. Sie würden ja gerade so tun, als würden SIE das Kind bekommen. Als der Termin für die Geburt überschritten war, stand ich unter ständiger Beobachtung. Mein SV wurde jeden morgen von seiner Frau geschickt, um zu schauen, ob die Rolläden oben sind. Wenn nicht, wurde geschaut, ob das Auto vor der Türe steht. Meinem Mann lag seine Mutter jeden Tag in den Ohren, daß er sie anrufen soll, wen wir in die Klinik fahren. Er mußte erst mit ihr brüllen, bis sie Ruhe gab. Ich habe mich am Ende nicht mehr auf mein Kind freuen können! Ich kam mir vor, als wäre ich die Leihmutter für das Kind meiner SM. Seit das Kind auf der Welt ist, kriselt es in meiner Ehe. Sie meint offenbar, mit Geschenken die Liebe meines Kindes kaufen zu können. Sie kam ins Krankenhaus mit diversen Geschenken (hatte ich alles schon!), einem Gutschein über 100,00 DM für ein Babygeschäft und es wurde auch gleich ein Sparbuch mit 500,00 DM angelegt. Als ich nur die Andeutung von Protest machte, bekam ich zu hören, sie hätte eben einen Kaufrausch gehabt und es gäbe ja soo viele süße Sachen! Mein Sohn ist jetzt 15 Monate alt. Seit der Schwangerschaft habe ich ständig Krach mit meinem Mann, weil er es nicht begreifen will, daß seine Mutter nicht normal ist. Sein Vater ist im übrigen kein bißchen besser. Er meinte z. B. mal zu meinem Sohn: "Wenn Du drüben bist, bist Du das Kind von .... und ... - und wenn Du hier bist, bist Du unser Kind". Ich habe ihm gesagt, daß ich das nie wieder hören will. Was soll den mein Kind denken, wenn er mal soweit ist, zu begreifen, was er da gesagt bekommt?! Je mehr ich mitbekam, wie meine SM mit meinem Kind umgeht, desto weniger wollte ich, daß sie ihn überhaupt noch bekommt. Ihr ganzer Umgang mit ihm zeigt mir, daß sie weiß Gott nicht die Gefühle für einen Enkelsohn hat sondern als wäre es ihr eigenes Kind. Sie kann ihn einfach nicht in Ruhe lassen. Ständig muß sie an ihm hängen, ihn abknutschen oder auf den Schoß nehmen. Ich sehne mir den Tag herbei, an dem mein Sohn ihr sagt, daß er das nicht will! Er hat sowieso schon seine Entscheidung getroffen. Wenn er drüben ist, ist ihm seine Oma egal. Er geht nur zu seinem Opa, seine Oma interessiert ihn überhaupt nicht.

Meine SM hat Zucker und dadurch bedingt nur noch 10 % Sehkraft auf einem Auge, das andere ist fast ganz blind. Wir mußten erst wieder mit ihr laut werden, bis sie kapiert hat, daß sie mit unserem Kind im Arm nicht rumlaufen darf. Dann hat sie es doch getan und als es deswegen Krach gab, war ich wieder die Böse. Sie wolle dem Kind doch nichts Böses. Wieso läßt sie es dann nicht bleiben? Wenn etwas passiert wäre, hätte mir ihr ganzes blödes Gejammer auch nichts genutzt!

Mein Mann und ich stritten uns immer öfter wegen meiner SM. Er sagt immer nur, daß er es nicht so schlimm findet und ich mich mit ihr zusammensetzen müsse und ihr das selbst sagen müsse. Das tat ich dann auch. Mein SV war auch dabei. Alle beide waren der Meinung, daß ihr Verhalten völlig normal sei und ich das alles viel zu eng sehen würde. Es wäre bei ihnen schon immer so gewesen, daß die Kinder "allen gehörten" und sie würden sich doch mit den Geschenken auch zurückhalten. Gleichzeitig mußte ich mir anhören, daß ich die Schuldige bin. Meine SM sagte doch tatsächlich zu mir: "Jetzt muß ich Dir aber auch mal was sagen. Ich habe bis heute meinen Enkel nicht einmal nackt gesehen." Ich hätte sie beinah ausgelacht! Was soll das? Was verspricht sie sich davon? So kann doch nur eine reagieren, die krank ist. Eine Übermutter, die von nichts anderem mehr beherrscht wird, als davon "ihr Kind" so oft und so nah wie möglich bei sich zu haben. Aber ich bin ja zu empfindlich und überhaupt würde ich ja mein Kind zu sehr "beglucken". Manchmal zweifelte ich schon an mir selbst und dachte, daß ich vielleicht doch zu empfindlich bin. Aber immer wieder sagt man mir, daß es keineswegs normal ist. Meine Mutter ist letztes Jahr kurz vor Weihnachten gestorben. Seitdem habe ich mir so oft gewünscht, sie wäre noch da. Mit ihr konnte ich über alles reden und sie hatte ein "normales" Verhältnis zu meinem Kind. Mein Vater ist nach 2 Schlaganfällen körperlich behindert, er könnte alleine nicht auf das Kind aufpassen. Aber es wären noch andere Leute da, die mein Kind nehmen könnten, wenn was wäre. Meine SM ist allerdings der Meinung, daß ich meinen Sohn bei ihr abliefern soll. Wenn es nach ihr ginge, wäre mein Kind drüben, sobald ich nur mit ihm das Haus verlasse. Sie hat auch schon überall rumerzählt, ich würde ihr ihren Enkel vorenthalten. Sie hat ihn einmal in der Woche für mehrere Stunden, das reicht ja wohl! Als meine SM 7 Wochen in Amerika war, war es die schönste Zeit für mich. Und auch die beste Zeit für unsere Ehe. Wir haben uns seit der Schwangerschaft nicht gestritten. 7 Wochen herrschte Ruhe. Es ist sogar meinem Mann aufgefallen! Bevor meine SM nach Amerika flog, hat sie mich gefragt, was sie für das Kind mitbringen soll. Ich hatte ihr ein paar Sachen aufgeschrieben. Sie kam zurück und hatte drei Pakete voll nur mit Klamotten für mein Kind. Und zwei weitere Pakete waren noch unterwegs. Es war Kleidung für über 1.000,00 DM!!! Und das war keine teure Markenkleidung, es waren Artikel zwischen 5 und 20 Dollar. Es kam also einiges zusammen. Wenn sie mit 5 Jeans statt mit 3 gekommen wäre, hätte ich ja nie was gesagt. Aber da hatte ich dann genug. Den Hammer leistete sie sich sowieso, als wir drüben waren, die Pakete auspackten und sie sagte: "Habe ich nicht süße Sachen für meinen Sohn gekauft?" Ich habe mich am Tisch festgehalten, um nicht in die Luft zu gehen. Es kommen auch ständig so Dinge wie "Komm mal zur Mama". Aber das hat dann das Faß zum Überlaufen gebracht. Es kam hier zu einem riesigen Krach. Mein SV war vormittags hier gewesen u. ich habe ihm gesagt, daß mein Mann und ich schon wieder Krach wegen meiner SM hatten. Mittags kam dann meine SM rüber und fing sofort die Heulerei und Brüllerei an. Sie hätte es doch nur gut gemeint und das Kind wisse doch nicht, daß die Sachen von ihr sind. Und sie würden ihm doch nie was kaufen, wenn er es von uns nicht bekommen würde (so sehe ich das nämlich kommen). Als ich ihr sagte, daß ich es nicht normal finde, daß von ihr so Dinge kommen wie "Wenn ich könnte, würde ich ihn noch selbst stillen", "Komm mal zur Mama" und "Habe ich nicht süße Sachen für meinen Sohn gekauft" durfte ich mir anhören, daß es doch normal sei, wenn man in dem Enkelkind sein eigenes Kind wiedersehen würde und ich hätte ja kein Rückgrat und kein Selbstvertrauen. Ich bin also die Schuldige, die viel zu Empfindliche, und sie ist normal. Als mein SV dann mit dem Finger auf mich zeigte und hier rumbrüllte: "Die würde doch ums Verrecken das Kind eher bei ihrer Schwester abgeben als daß sie es uns bringen würde" und "Wenn wir unseren Sohn nicht hätten würden wir das Kind doch nie zu Gesicht bekommen", hat es mir nur mein (verdammter!) Anstand geboten, ihn nicht rauszuwerfen. Jetzt weiß ich wenigstens, wie meine SE von mir denken und was ich von ihnen zu halten habe. Um Himmels Willen was ich nur meinem Kind antue, daß ich es bei der Hitze zum Einkaufen mitgenommen habe statt es drüben abzugeben, wo es an der frischen Luft gewesen wäre....! usw. usw. Wenn es nach ihnen ginge, müßte ich das Kind drüben abliefern, sobald ich nur das Haus verlasse. Ich hatte meinem SV auch schon mal gesagt, wenn mein Sohn später meint, er müsse jeden Tag da drüben sein, würde ich ihm sagen, daß sein Zuhause hier ist und es reicht, wenn er meinetwegen zwei-, dreimal drüben ist. Ich weiß, es ist schlimm, so zu denken. Aber als meine Mutter starb, habe ich mir gewünscht es hätte meine SM getroffen. Meine SM (Ende 60) lebt vielleicht noch 10 Jahre. Soll ich das Theater noch so lange mitmachen? Das halte ich nicht aus. Und meine Ehe schon gar nicht. Mein Mann hält nicht zu mir. Als der Krach war, da hat er schon zu mir gehalten. Aber ansonsten meint er immer, daß ich sie doch lassen soll. Sie wären eben alt und krank. Damit meint er alles entschuldigen zu können. Er hat ein sehr großes Harmoniebedürfnis. Seit dem Krach meint er, daß sein Verhältnis zu seinen Eltern getrübt sei. Ich sagte ihm, daß er sich dafür bei ihnen bedanken kann. Sie haben schließlich damit angefangen. Er meint, wir wären beide zur Hälfte dran Schuld. Mein Fehler sei, daß ich überzogene Reaktionen gezeigt hätte. Daß ich z. B. seiner Mutter ins Gesicht gesagt habe, daß ich mir vorkam als sei ich die Leihmutter für ihr Kind gewesen. Daß er keine so Dumme wie mich mehr finden würde, weil jede andere dieses Theater ganz gewiß nicht nun schon bald 2 Jahre mitgemacht hätte, vergißt er. Er meint, es müsse doch gehen, daß man sich einigt. Ich habe ihm sogar schon gesagt, daß er sich entscheiden müsse. Entweder ist ihm die Harmonie in unserer Ehe und Familie wichtig (das Kind leidet früher oder später auch darunter!) oder daß seine Mama glücklich ihre Muttergefühle ausleben kann. In letzterem Fall soll er doch seine Koffer packen und wieder bei Mama einziehen. Ich gehe nur noch rüber, wenn ich mein Kind bringe oder hole. Dann mache ich Smalltalk und verschwinde wieder. Ansonsten kriegen die von mir das perfekte Schauspiel geboten. Sie wollten es doch nicht anders. Das paßt meinem Mann auch nicht. Es hat ihm nicht gepaßt, daß ich meine Meinung gesagt habe und als ich geschwiegen habe und mit dem entsprechenden Gesicht drüben gesessen habe, hat es ihm auch nicht gepaßt. Was zum Teufel erwartet er denn noch von mir?! Er muß es akzeptieren, daß ich es als das Beste sehe, wenn ich nicht mehr hingehe. Mein Kind kommt einmal in der Woche rüber, dann kann sie mir wenigstens nicht vorhalten, sie hätte von ihrem Enkel nichts. Das Schlimme ist aber, daß die sich praktisch alles erlauben können, weil mein Mann im Grunde zu ihnen hält. Wenn ich sagen würde, daß das Kind gar nicht mehr rüber kommt, würde er es dann trotzdem hinbringen. Mein Mann meint, ich solle mich halt noch mal mit ihnen aussprechen. Schließlich wäre sie die Ältere und da müsse ich den ersten Schritt machen. Ich habe mich zweimal darum bemüht, an der Situation was zu ändern. Zweimal habe ich mir anhören dürfen, daß die beiden ohne Fehler sind und ich die Schuldige an allem bin. Und geändert hat sich danach nie was. Selbst nach dem Riesenkrach hier bei uns nicht. Es hat zu gar nichts geführt, außer daß man sich angebrüllt hat und sie geheult hat. Nein, das werde ich mir ganz bestimmt kein drittes Mal mehr antun! Ich habe mit ihm gesprochen, daß wir zu einer Eheberatung gehen sollten. Vielleicht muß ihm mal eine unabhängige, kompetente Person klar machen, daß das Verhalten seiner Mutter krankhaft ist und daß sie dabei ist, unsere Ehe zu zerstören. Alleine schaffen wir das nicht mehr. Und ich kann das auch nicht mehr. Zuerst sagte er auch, daß er mitgehen würde. Jetzt sagte er aber, daß er sich doch von einer Fremden nicht sagen lassen würde, wie er sich zu verhalten habe.

Mein Hautarzt sagt, die Ekzeme, die wie Neurodermitis in Schüben auftreten, sind Reaktionen auf diese Situation. Nach jedem Krach oder wenn ich mich wieder über meine SM aufgeregt habe, blüht meine Haut wieder. Ich weiß auch, daß ich mittlerweile Überreaktionen aufgebaut habe, aber ist das nicht verständlich nach dem ganzen Theater? Demnächst steht eine größere Feier an, zu der mein Mann und ich eingeladen sind. Mein Mann meinte ganz selbstverständlich, daß seine Eltern auf das Kind aufpassen. Ich konnte ihn mit Mühe und Not davon überzeugen, daß meine Schwester das genauso gut kann. Die hatte mein Kind im Gegensatz zur Oma nämlich erst zweimal! Meine Schwester kann aber an dem Tag nicht. Wenn ich nur daran denke, daß meine SM "ihr Baby" nun auch endlich mal ins Bett bringen darf.... Das schwirrt dann nur noch in meinem Kopf rum und ich werde den ganzen Abend an nichts anderes denken können. Ich will einfach nicht, daß diese Frau meinem Kind so nah ist, daß sie mein Kind ins Bett bringt. Was einmal gut gegangen ist, muß dann immer so sein und sie passen dann immer auf das Kind auf. Ich kenne meinen Mann. Was ich möchte oder nicht möchte, ist für ihn zweitrangig. Hauptsache seine Mama ist glücklich. Sie ist ja schließlich alt und krank! Jetzt habe ich viel zuviel geschrieben. Aber ich mußte mir das alles mal von der Seele schreiben und es hat gut getan. Ich hoffe, Sie können mir einen Rat geben, was ich machen soll. Viele Grüße, Stella 

Liebe Stella,
Ich bitte um Nachsicht für die Wartezeit bis zu meiner Antwort.
Das ist ja wirklich ein starkes Stück, was Sie da in Ihrer Familie mit Ihrer Schwiegermutter durchmachen! Das werden Sie nicht mehr sehr lange durchhalten, Ihr Kind wird zunehmend unter den Konflikten leiden und Ihre Ehe droht ernsthaft in die Brüche zu gehen - wenn jetzt nichts geschieht.
Sie müssen Ihren eingeschlagenen Weg der Selbständigkeit und Unabhängigkeit weiter gehen, koste es, was es wolle. Ihre Schwiegermutter wird sich durch "Aussprechen" oder gütliche Einigung oder Einsicht wohl nicht beeinflussen lassen. Es hilft nur ein ganz radikaler Befreiungsschritt Ihrerseits: Verlangen Sie von Ihrem Mann einen Wohnsitzwechsel. Ziehen Sie so weit es geht von Ihren Schwiegereltern weg. Wenn alle psychischen Konfliktlösungen versagen, hilft eben leider oft nur eine räumliche Trennung im Streit, ein heilsamer Bruch sozusagen. Wenn Ihr Mann nicht (im wahrsten Sinne des Wortes) mizieht, gehen Sie alleine. Ihr Mann muss sich dann endlich entscheiden, für Sie oder für seine Mutter. Er hat sich die Entscheidung bisher von Ihnen abnehmen lassen, Sie waren bisher zu entgegenkommend und haben unbewusst verhindert, dass sich Ihr Mann zu Ihnen bekennt und seine Eltern verlässt.
Sie müssen natürlich damit rechnen, dass Ihre Schwiegereltern Druck auf Ihren Mann ausüben werden und im Falle Ihres Wegganges versuchen werden, den Sohn samt Enkelkind bei sich zu halten. Da käme ein Kampf ums Kind auf Sie zu, den Sie aber gewinnen würden.
Sagen Sie Ihrem Mann noch einmal gazn ernsthaft, dass Sie an diesen Schritt ernsthaft denken und dass Sie mit ihm alles im Rahmen einer Eheberatung besprechen möchten und nach Alternativen suchen wollen. Erst unter diesem Druck wird Ihr Mann in die Eheberatung einwilligen. Und dort finden Sie dann einen gemeinsamen Weg zur besseren Abgrenzung von seinen Eltern, oder nicht. Dann sehen Sie aber auch klarer. Ihre Ehe hat dann wohl kaum eine Zukunft.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Autonomie und Ihnen viel distanzierte Schwiegereltern!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt