| Sehr geehrter Herr
Schmidt, unser Sohn (16) bestiehlt uns seit längerer Zeit und dabei geht es auch um Beträge von 50,-- oder sogar 100,-- ?. Er schreckt auch nicht davor zurück, an das Dienstportemonnaie von meinem Mann zu gehen, obwohl er genau weiß, dass es sich um Geld handelt, das uns gar nicht gehört. Nachdem mein Mann dies gemerkt hat, ließ er seinen Aktenkoffer immer im PKW, was dazu führte, dass unser Sohn sich den Schlüssel nahm und das Geld aus dem Auto klaute. Nachdem wir geschimpft und auch ernsthaft mit ihm darüber gesprochen hatten, ließ mein Mann seine Aktentasche wieder zu Hause stehen - natürlich verschlossen (Zahlen- code). Als unser Sohn heute annahm, dass mein Mann im Bad und ich im Schlaf- zimmer beschäftigt seien, ging er an die Tasche im Korridor und knackte den Zahlen code. Wie er das geschafft hat weiß ich nicht, das Schloss war auf jeden Fall nicht beschädigt. Ich ertappte ihn dabei. Er bekommt 20,-- ? Taschengeld die Woche, was meiner Ansicht nach recht viel ist. Ich bin immer für ihn da gewesen und auch heute noch bin ich immer zu Hause, wenn er aus der Schule kommt. Wir haben früher viel mit ihm gemeinsam unternommen (was er heute nicht mehr will) und bekommen hat er eigentlich auch immer alles. Haben wir ihn zu sehr verwöhnt? Wir sind maßlos enttäuscht und wissen nicht mehr weiter. Liegt es daran, dass er ADS hat und schon so viele Misserfolge erlebt hat? Aber deswegen muss man doch nicht solch einen Charakter bekommen, oder? Was mich auch so betroffen macht ist, dass er so dreist ist und es auch tut, wenn wir zu Hause sind und er damit rechnen muss, erwischt zu werden. Er zeigt auch so gut wie keine Reue. Auch in anderer Beziehung lügt er uns nur an (z.B. Schule). Er verspricht, alles nicht mehr zu tun und hält sich an nichts. Für eine Antwort wären wir Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichem Gruß |
Hallo,
aus Ihrem Brief kann ich leider kaum etwas Genaueres entnehmen,
um zu beurteilen, woran es bei Ihrem Sohn liegen könnte. Ob Sie
ihn verwöhnt haben, kann ich so nicht beurteilen. Wie Ihr
Erziehungsstil ist, auch nicht. Was Sie damit meinen, wenn Sie
fragen, ob es an seinem "ADS" liegt, kann ich auch nur
ahnen. "ADS" ist heute leider oft eine nichtssagende
Sammeldiagnose für Alles und Nichts. Oft ist damit eine
jahrelange Odyssee an ungelösten Entwicklungs- und
Erziehungsproblemen verbunden. Ich kenne auch ADS-Kinder, die
glauben, hirnkrank zu sein und damit eine gewisse Narrenfreiheit
zu haben. Oft sind aber massive und verleugnete Erziehungs-,
Entwicklungs- und familiäre Beziehungsprobleme dahinter
versteckt. Oft aber auch anders begründbare
Entwicklungsstörungen, die mit viel Misserfolgserlebnissen
einhergehen.
Ich kann Ihnen aufgrund Ihrer Angaben also nur raten, eine
Familien- und Jugendberatungsstelle aufzusuchen und in Ruhe und
mit Geduld gemeinsam herauszufinden, was die genauen Ursachen
sein mögen.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt