Lieber Herr Schmidt,

Ich bin 30 Jahre alt und von Beruf Sozialarbeiter.
Mein Problem ist folgendes:
Ich habe eine Tochter von drei Jahren, lebe aber schon seit der Schwangerschaft nicht mehr mit ihrer Mutter zusammen. Ich sehe meine Tochter regelmäßig alle zwei Wochen und bin gerne mit ihr zusammen.
Ich arbeite in einem Projekt in L., 50Km von meiner Tochter entfernt. Dieses Projekt läuft nun aus und ich bin zur Zeit auf Jobsuche. Nach B. bin ich direkt nach meinem Studium gekommen und habe dort vor 4 Jahren die Mutter meiner Tochter kennen gelernt, habe mich allerdings niemals richtig wohl hier gefühlt. Sehr gerne würde ich wieder nach F. gehen. Dort habe ich studiert, dort fühle ich mich wohl und dort habe ich meinen Freundeskreis. Dies würde allerdings bedeuten, dass ich meine Tochter nur noch sehr unregelmäßig sehen könnte. Es ist ein regelrechtes Dilemma. Denn ich muss nun auswählen, in welcher Gegend ich mich bewerbe.

Hallo,
ja, das ist natürlich eine schwierige Entscheidung, von der für Ihre kleine Tochter viel abhängt. Sie müssen entscheiden, was den Ausschlag geben soll. Wenn Sie nach F. gehen, wird der Kontakt zu Ihrer Tochter aufgrund der großen Entfernung viel schwächer, aber Sie selbst wären wohl glücklicher. Wenn Sie in der Nähe der Tochter bleiben, wäre der Kontakt intensiver, aber Sie selbst wären vielleicht nicht so zufrieden. So jedenfalls verstehe ich Ihr Problem. Aus der Sicht Ihrer Tochter betrachtet wäre es natürlich wunderbar, wenn Sie trotzdem in ihrer Nähe blieben, jedenfalls so lange, bis sie älter ist und eine größere Distanz zu Ihnen zunehmend leichter verkraften könnte. Wenn Sie jetzt nach F. nur deshalb gehen, weil Sie sich dort wohler fühlen, werden Sie einmal Schwierigkeiten bekommen, Ihrer Tochter zu erklären, dass Sie nur an Ihren eigenen Vorteil gedacht haben.
Mit Gruß,
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt