Sehr geehrter Herr Schmidt,

mein Mann und ich glauben, daß wir aufgrund der schwierigen
Umstände, in
der
wir leben, profesionelle Hilfe brauchen. Wir sind an der Schwelle
zur
Trennung, wollen es aber, weil wir uns trotz allem sehr lieben und
wir
auch
eine gemeinsame 6 jährige Tochter haben, mit einer Hilfe von
außen noch
einmal versuchen. Die Gründe für unsere Probleme sind sehr sehr
vielschichtig
und würden hier sehr weit führen,deshalb hier nur ein paar
"Eckdaten":
 -Konkurs und damit verbundene juristische und finanzielle
Probleme bei
meinem Mann ,seitdem auch gelegentlicher Alkoholmißbrauch von
ihm -
ich habe Probleme damit, mit Geld zu haushalten ( ich arbeite
selbst auch
und
verdiene gut, gebe aber immer zuviel aus!) , ich bin gesundheitlich
"angeschlagen" (gutartige Tumore, 2 OP's), bin unglaublich gereizt,
mitunter
schon hysterisch, werfe auch mal Sachen durch die Gegend
-wir sind beide im Austeilen von Beschimpfungen wirklich schlimm.
Da wir
natürlich beide wissen, daß das für unsere Tochter "Gift" ist,
schieben
wir
sie immer häufiger zu meinen Eltern, damit sie das nicht so
mitbekommt.
Meine
Eltern wiederum, die sehr wohl mitbekommen,was bei uns los ist,
hetzen
wiederum die Kleine vor allem gegen meinen Mann stark auf ( "Die
Oma sagt
ich
darf dich nicht mehr lieb haben...)

Ich habe bereits einen Verhaltenstherapeuten aufgesucht, habe
aber nach 5
Sitzungen festgestellt, daß mir das überhaupt nichts gebracht hat,
und
mein
Mann tut sich noch schwerer, jemanden zu finden, zumal er selbst
Geisteswissenschaftler ist und sehr wortgewandt, und schnell
jeden "an die
Wand babbelt....". Können Sie uns einen Tip geben, welche Art von
Hilfe
die
richtige wäre und wie man so jemanden finden kann?
Danke, mfg Kerstin

Liebe Kerstin,
vielen Dank für Ihre Anfrage! Sie sollten gemeinsam in eine Ehetherapie gehen, bis dahin aber die Tochter nicht mehr zu den Großeltern abschieben, sondern sich stattdessen einmal heftig zusammenzureißen und nicht mehr übereinander herzufallen. Das löst zwar Ihre Probleme nicht wirklich, könnte aber schon wesentlich zur Entspannung und vor allem zum Wohle Ihrer kleinen Tochter beitragen, der gegenüber Sie sich beide oft wohl ziemlich nachteilig verhalten. Eine Ehetherapie erhalten Sie entweder in Ihrer nächsten Erziehungs- und Familienberatungsstelle oder in einer Ehe- und Lebensberatungsstelle (zu erfragen z.B. bei Ihrem Jugendamt oder im Telefonbuch bzw. Gelben Seiten). Die Ehetherapie sollte natürlich keine Verhaltenstherapie sein, ich glaube nicht, dass Ihnen diese Methode hilft, mit Ihren Gefühlen klarer zu kommen. Es sollte schon eher eine psychoanalytisch oder tiefenpsychologisch oder gespächstherapeutisch orientierte Methode zur Anwendung kommen. Wenn einer von Ihnen beiden diese Therapie vorzeitig beenden sollte, sollte der andere eine Einzeltherapie für sich weitermachen. Alles Gute, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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