Hallo Herr Schmidt,
irgendwie habe ich diese Seite genau im richtigen Augenblick
gefunden. Montag habe ich mich für die offene Sprechstunde eines
Therapeuten angemeldet, vorgestern habe ich mich noch mit zwei Freundinnen,
noch Kinderlose!, unterhalten bis morgens um 3.00 Uhr. Und gestern war
wieder einer dieser Tage, von denen ich Ihnen gleich berichten werde und
ich habe Ihre Seite gefunden. Das musste wohl alles so sein!
Ich bin mit meinen Nerven mal wieder am Ende und man braucht
die Nervenenden nur ganz leicht reizen und die Reaktion kann riesig
sein. Ich bin 33, Studentin (in der Diplom-arbeit), verheiratet, habe zwei
Kinder 3 1/2 Jahre und 10 Monate( stille nachst noch). Ich merke
immer mehr, daß in der Beziehung mit meinem Mann so einiges schief
läuft. Er schläft immer länger als ich und die Kinder, steht auf fährt direkt zur
Arbeit nachdem er den Kaffe getrunken hat, den ich gemacht habe
(er sagt selbst, daß er keinen trinken würde wenn keiner da wäre! heißt, er
wäre sofort weg und die Kinder würden ihn noch weniger zu Gesicht
bekommen, also mache ich ihn). Abends kommt er später nach Hause immer
dann, wenn wir zu Abend essen oder auf dem Weg ins Bett sind. Entweder
heizt er sie dann noch mehr an, oder er rast zum Computer und ward nicht
mehr gesehen! ( is der Papa gekommen?). DAs ist nur ein kleiner
Auszug aus meiner so langen Liste! Ich denke ich brauche nicht zu schildern ,was
sich daraus ergibt! Unstimmigkeiten bezüglich der Erziehung ( über
die man laut meines Mannes ja nicht reden muß!), Verwirrung der
Kinder, etc. Dadurch das mein Mann immer am Computer sitzt und auch noch
beruflich daran sitzt! haben wir in unserer Partnerschaft eigentlich auch keine
freie Minute mehr( vorm Fernseher beim Abendessen!dann Compi,
ich gehe ins Bett und er Stunden später). Prima und dann kommt er an und
möchte mit mir schlafen,wenn nicht(was seltener vorkommt)ist er meist
beleidigt.Ich habe nun mal nicht die Lust dann parat zu liegen wenn
der HErr nach dem Computer endlich ins BEtt kommt und dann auch
noch eine Nummer zu schieben ( sorry, aber fühlt es sich meist so an, und
meist lass ich es dann auch geschehen, damit die Stimmungt nicht noch
mieser wird als sie schon ist). ... und das schlimme an der Sache ist, daß
meine Laune darunter leidet, ich mich mies fühle, ich nicht mehr ein
noch aus weiß,sich diese LAune auf mein VErhalten gegenüber
meiner Umwelt auswirkt. Was nicht so schön ist, da ich meinen großen
Sohn eingentlich mehr anschnauze als mit ihm rede( ich habe ihm schon
gesagt er solle mir sagen wenn ich zu viel brülle! macht er zum Glück auch!Aber
wie ich in den Wald herein rufe, so schallt es heraus!)... Also habe ich
nun ein Problem mit dem GRoßen! Seit zwei Wochen fliegen bei uns nur
noch die Fetzen und Kleinigkeiten bringen mich zu erst zur Implosion und
dann zur Explosion! Ich habe ein ziemlich lautes Stimmorgan, der Große
auch! Meine Nachbarin (3 Häuser weiter) sagt schon immer `ah bist Du heute
mal wieder dran!?). Ich merke, daß ich das Ganze langsam schon wieder
etwas ins lustige ziehe. Ich finde es aber nicht lustig. Ich weine sehr
viel, habe Angst vor mir selbst, verstehe nicht warum ich überreagiere
und ich verstehe nicht wie ich so gemein meinem Kind gegenüber sein
kann.
Ich habe meinem Mann also gesagt, daß ich mich um einen Therapieplatz
bemühe. `So ein Quatsch, brauchst Du nicht!´ Woraufhin ich nur sagte,
daß er mir auch in keinster Weise helfen könnte, da ich ihm meine Gefühle
und Gedanken nicht sagen könnte, er hört nie zu. Wirklich nie!egal um
was es geht! und ich mir eben auch nicht mehr alleine helfen könne. Ich
weiß aber nicht ob ich das richtige tue? Wenn ich mir das GAnze jetzt
wieder durchlese denke ich mir wat soll das denn jetzt! und bin der
gefaßteste Mensch den es gibt, ohne jeglichen Sorgen und
Ängste. Dabei habe ich schreckliche Angst vor mir und meinen Reaktionen( nie
Handgreifliche, ich glaube, bevor das passiert gebe ich mir Kugel.)
Vielleicht schaffe ich es ja wirklich alleine ... ich weiß es nicht...
Wäre schön wenn einmal jemand Aussenstehendes einen Blick
riskieren würde!
Im voraus vielen Dank
Sonne (Pseudo! Da sie gerade einmal heraus kommt!)

 

Liebe Frau "Sonne",

vielen Dank für die lebendige Schilderung Ihrer Familiensituation! Sie und Ihr Mann haben sich offensichtlich emotional ziemlich verheddert. Sie sind natürlich auch objektiv etwas im Stress, weil Sie mit 2 Kleinkindern (nächtliches Stillen macht am Tage auch nicht lebendiger!) mit 33 Jahren Ihr Studium gerade abschließen möchten, während Ihr Mann bereits berufstätig ist. Ihre eigene emotionale Verfassung beschreiben Sie recht plastisch. Aber was ist nur mit Ihrem Mann los? Was in ihm emotional ablaufen mag, darüber machen Sie sich keine Gedanken? Ich lese jedenfalls darüber nichts, so dass ich mir sozusagen stellvertretend für Sie einiges über ihn denke: fühlt er sich von Ihnen emotional vernachlässigt? Sie sind mit den Kindern und Ihrer Diplomarbeit ausgelastet, mit ihm sind Sie sehr unzufrieden (sexuell bringt er es auch nicht), Sie müssen ja unbedingt etwas Besseres sein, weil Sie studieren, und er finanziert es noch, (ich unterstelle einmal, dass er Nichtakademiker ist. Aber auch wenn er ebenfalls studiert hat: ist er wirklich einverstanden, dass Sie jetzt noch Ihr Diplom machen, anstatt sich um ihn zu kümmern. Bitte missverstehen Sie mich nicht: nicht ich denke so, aber vielleicht Ihr Mann!

Wenn Ihr Mann mir geschrieben hätte, hätte er sich möglicherweise so oder so ähnlich beklagt. Aber Männer schreiben nicht an Psychologen (ein Junge weint doch nicht!), sie fressen alles in sich hinein, stürzen sich in die Arbeit, leugnen und weichen aus, ducken sich weg, schmollen. Wenn Sie ihm mit einem Psychotherapeuten kommen, erlebt er das wieder nur als Vorwurf und ist gekränkt.

Könnten Sie nicht versuchen, diesen Ihren Mann etwas ernster zu nehmen? Wenn Sie zum Beispiel mit ihm schlafen, ohne Lust und Liebe dazu zu haben, nehmen Sie ihn nicht ganz ernst. Er spürt das und kommt sich wie ein Schwein vor. Auch sonst sollten Sie versuchen, mehr auf ihn zuzugehen und alles auch mal aus seiner Sicht zu sehen versuchen. Er wird schon gar nicht mehr glauben, dass Sie und die Kinder ihn wirklich gern haben und öfter bei sich haben wollen. Ist es nicht wunderbar, dass er das Geld für Sie, Ihr Studium und die Familie verdient? Indem er sich Ihnen verweigert (früh schnell abhaut, abends spät kommt), will er sagen, dass er befürchtet, man wolle ihn gar nicht mehr um sich haben, man liebe ihn sowieso nicht, also könne er auch gleich abhauen...

Liebe Frau Sonne, ich wünsche Ihnen, dass in Ihnen wieder die Sonne (=Liebe) aufgeht und Sie liebevoll mit Ihrem Mann umgehen. Er wird es erwidern.

Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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