Seit über20 Jahren, sind wir ein Paar. Sex hat noch nie eine große Rolle in der Ehe gespielt. Alle 4-6 Wochen war mir zwar nie genug, doch ich habe gelernt damit umzugehen.
Meine Frau durfte ich nie auf dieses Thema ansprechen. Entweder wich sie aus oder war beleidigt. Ich bin ein sehr einfühlsamer Mensch und habe nie ein Drama daraus gemacht. Allerdings gab es sexuelle Kontakte meist nur, wenn ich ständig genervt oder gefrotzelt habe. Unsere Ehe ist eigentlich sehr gut und ich liebe meine Frau noch immer sehr. Doch ganz ohne Sex wird es für mich zur Tortour. Seit Nov. 2002 gab es nur ein Mal Sex. Das ist mir einfach zu wenig. Was soll ich tun?Wir sind knapp über 40 und das kann`s ja noch nicht gewesen sein!- Oder doch? Ich bin mir ganz sicher, daß wir beide immer treu waren und auch keinen anderen Partner brauchen. Doch da man mit meiner Frau darüber noch nie reden konnte und auch nicht reden wird habe ich ein echtes Problem. Ich bin eigentlich auch immer noch zu verliebt um fremd zu gehen oder ähnliches, aber was soll ich machen???

Hallo,
ich glaube, dass Sie ein recht rücksichtsvoller und liebevoller Mann sind, der seine Frau nicht gerne allzu sehr bedrängen will und ihr zu Liebe gerne verzichtet. Diese an sich sehr lobenswerte Haltung macht es Ihnen aber schwer, Ihre Frau aus der Reserve zu locken und sich Ihnen gegenüber endlich einmal dem Thema Sex zu stellen, das Gespräch mit Ihnen darüber zuzulassen.
Ich finde also, Sie machen es Ihrer Frau zu leicht, sich Ihnen mit ihrem Sex-Problem zu entziehen. Aus lauter Rücksicht machen Sie es ihr damit unwillkürlich schwer, dieses Problem (das wahrscheinlich in ihrer Lebensgeschichte wurzelt) anzugehen und zu lösen. Ihre Frau geht ja eigentlich recht lieblos mit Ihnen um und mutet Ihnen viel zu. Sie verweigert sich sexuell und, was fast noch schlimmer ist, sie spricht mit Ihnen nicht über ihre Gründe oder Probleme.
Also hauen Sie mal endlich als Mann auf die Pauke! Machen Sie Ihrer Frau deutlich, dass Sie nicht bereit sind, sich weiter so behandeln zu lassen. Machen Sie Druck und verlangen Sie, dass Sie beide in eine Ehetherapie gehen sollten, oder sie öffnet sich endlich und spricht mit Ihnen über das Thema. Sonst würden Sie sie verlassen oder sich eine Geliebte zulegen. Wie gesagt, Sie müssen dies nicht gleich wirklich tun, sondern Sie sollten damit erst einmal den Ernst der Lage sehr deutlich machen.
Ich hoffe mit Ihnen, dass Ihre Frau sich dann Ihnen gegenüber dem gemeinsamen Problem stellt, so dass Sie beide endlich darüber sprechen können. Und das wäre dann der Anfang für eine gemeinsame Lösung.

Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt