Guten Tag Herr Schmidt,
Ich hoffe, Sie können mir und meiner Frau bei der Lösung eines
kleinen?
Problems helfen. Unser Sohn ist 3 1/2 Jahre alt. Anfang des Jahres
ist er in der Kindergarten gekommen. Wir haben ihn etwas später
geschickt, da wir im August ein zweites Kind bekommen haben (
ein Mädchen ) und wir wollten nicht, dass er sich abgeschoben
vorkommt.
Nach anfänglichen Problemen, wie sie wohl jedes Kind hat, wenn
es in den Kindergarten kommt ( "Bleibst Du bei mir Mami, ich will
nicht in den Kindergarten, Weinen usw.) geht es mittlerweile ganz
gut. Meine Frau und ich machen uns nur Gedanken, weil er im
Kindergarten nichts mitmacht,
wenn mit Wasserfarben gemalt wird, hat er keine Lust ( obwohl er
es zu Hause toll findet ), auf den SPielplatz geht er nicht mit, er
steht nur dabei und schaut zu. Wenn ich alleine mit ihm z.B.
Schaukeln gehe, ist er nicht zu halten.
Wenn wir fragen, warum er nicht mitmacht ( nicht vorwursvoll,
sondern
nur interressiert ), gibt es jedesmall die gleiche Antwort"Weil ich
keine Lust habe ". Was machen wir falsch ?
Unser zweites Problem ist, dass wenn er was angestellt hat, sich
nicht entschuldigen kann ( will ? ). Er hat  z.B. nach mir mit  ein
Lego Stein geworfen, ich hatte das Gefühl aus Übermut. Ich habe
ihm gesagt, das dies mir weh tut, und meine Frau meinte zu ihm
nur" Geh´zu Papi und enstchuldige Dich ", aber unser Sohn
weigerte sich. Ich war dann in der
Küche und er rief´nach mir, dass ich ihm doch bitte eine Banane
mitbringen sollte. Dies tat ich nicht, ich meinte nur zu ihm, dass er
sich erst bei mir entschuldigen soll. Als Antwort bekam ich nur ein
"Nein", und " ich hab´Dich nicht mehr lieb" und er hat sich seine
Banane
selbst geholt. Jetzt zu meiner Frage, "Wie soll ich mich verhalten ?
Weiter strafen ( z.B.kein Fernsehen ) bis er sich entschuldigt hat,
oder einfach wieder normal mit ihm umgehen ? Ich denke mir nur,
dann lernt er nie, das er etwas falsches gemacht hat, aber ich
möchte ihn auch nicht andauernd strafen( allein das Wort ist schon
blöd ). Das o.g. Erlebnis ist nur ein Beispiel, dies kommt am Tag
mind. 1-2 mal vor.
Vielleicht können Sie mir einen Tip geben, wie mir in dieser Hinsicht
verfahren sollen.
Vielen Dank !
MFG
Thomas

Lieber Thomas,
herzlichen Dank für die Schilderung Ihrer Familiensituation! Das wirkt alles
recht liebevoll, was Sie schreiben. Man muss sich deshalb auch keine großen
Sorgen machen. Ich glaube, alles, was Sie und Ihre Frau brauchen, ist
wohlwollende Geduld. Ihr Söhnchen fühlt sich eben doch abgeschoben, seit er
nicht mehr die Nummer Eins ist und eine kleine Schwester hat. Sie schieben
ihn keineswegs ab, aber trotzdem fühlt er sich so! Auch wenn man ein Kind
sehr liebevoll behandelt, fühlt es sich allein durch den Umstand, dass ein
Geschwisterchen kommt, leicht zurückgesetzt und macht dann auf sich
aufmerksam, indem es etwas aus der Reihe tanzt und nicht unauffällig sein
kann. Unauffällig sein würde ja heissen, ins Abseits zu geraten durch die
Schwester, die im Vordergrund steht (alles aus der Sicht Ihres Sohnes).
Also: Sie sollten alles so weitermachen, wie bisher. Nur auf Strafen sollten
Sie, wo es geht, verzichten. Es reicht, wenn Ihr Sohn merkt, dass Sie
ärgerlich oder enttäuscht sind (was natürlich nie lange vorhält!). Soll er
sich doch seine Banane selber holen und behaupten, er habe Sie nicht mehr
lieb (was heissen soll, er befürchtet, Sie hätten ihn nicht mehr lieb)!
Nehmen Sie so etwas bitte nicht so ernst, lächeln Sie lieber darüber.
Geben Sie Ihrem Sohn Zeit, sich zu arrangieren mit der "neuen"
Familienkonstellation. Lassen Sie sich nicht provozieren (indem Sie unnötig
strafen), haben Sie Geduld, tragen Sie vieles mit Humor, weil es sowieso
nicht ernst gemeint ist - und bald wird Ihr Sohn seine kleine Schwester
sehr, sehr lieb gewinnen, ein Leben lang.
Mit freundlichem Gruß, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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