Ich habe einen 4jährigen Sohn. Von seinem leibichen Vater trennte ich mich, als Felix ein halbes Jahr alt war. Seit dem haben wir einen wirklich lieben neuen Papa! Der leibliche Vater hat sich so richtig nie um Felix gekümmert, auch keinen Unterhalt gezahlt. Im August 2000 kam von ihm die Klage auf Umgang! Er hat sich sehr "dumm" gestellt, denn sein Anwalt teilte mit, daß er erst jetzt über seine Unterhaltspflichten aufgeklärt wurde, dabei war ich aber nach der Geburt schon beim Jugendamt, erhielt auch ein halbes Jahr Unterhaltsvorschuß, da er arbeitslos war und jetzt immernoch ist! Jetzt habe ich Unterhalt für Januar - März 2001 erhalten und eine Urkunde, daß er ständig am ersten des Monats Unterhalt zu zahlen hat, doch für April ist bis jetzt noch nichts da! Vor 14 Tagen war der Gerichtstermin, dessen Urteil ich einfach nicht verstehe: er darf seinen Sohn alle 3 Wochen an einem halben Tag am Wochenende allein bei sich haben, obwohl ich das unbedingt verhindern wollte, da er mich und meinen Lebensgefährten massiv bedrohte, Gewalt anwendete und keinen Unterhalt gezahlt hat! Außerdem hat er beim Gericht angegeben, daß er in den alten Bundesländern Arbeit hätte, doch ich habe herausgefunden, daß das eine Lüge ist, was ich auch beweisen kann. Ich weiß einfach nicht weiter! Was kann ich noch tun? Felix hat Mama und Papa! Bitte helfen Sie mir! Vielen Dank! 

Liebe Mutter von Felix, vielen Dank für Ihre Anfrage! Wie viele geschiedene und vom Partner enttäuschte Mütter und Väter machen Sie einen ernsthaften Erziehungsfehler: Sie trennen nicht zwischen Ihrem eigenen Ärger über Ihren geschiedenen Mann und dem Bedürfnis Ihres Sohnes nach einer möglichst ungestörten Beziehungspflege zu seinem leiblichen Vater. Auch bei Trennung und Scheidung und allem oft damit verbundenen schweren Ärger: Eltern bleiben Eltern! Eheleute können sich scheiden lassen, Eltern aber nicht! Das ist für Kinder aus geschiedenen Ehen langfristig ausserordentlich wichtig. Wenn Sie wüssten, wie viele Schicksale von ehemaligen Scheidungskindern ich kenne, die oft lebenslang darunter leiden, dass ihre Eltern nicht in der Lage waren, einen einigermaßen normalen Kontakt zwischen dem Kind und ihnen zu realisieren, weil sie sich als Erwachsene chronisch in der Wolle hatten. Ihrem Sohn ist Ihr Ärger mit dem Unterhalt und dem anderen Ärger ziemlich egal, das sind für ihn die Probleme der Erwachsenen., nicht seine. Spätestens in seiner Pubertät wird er aber fragen und darunter leiden, dass er zu seinem wirklichen Vater keine normale Beziehung hatte. Darauf scheint es langfristig hinauszulaufen, wenn Sie Ihre Richtung beibehalten, die aus Ihrem Brief spricht. Wenn der Vater seinen Pflichten nicht korrekt nachkommt, dann hat er das selbst zu vertreten und eines Tages gegenüber dem Sohn zu rechtfertigen. Aber Sie als Mutter sollten ihrerseits auch nichts tun, um den Kontakt des Sohnes zu seinem Vater noch mehr zu komplizieren. Sie müssen stattdessen alles tun, um den Kontakt zwischen Vater und Sohn zu fördern. Die Erwachsenen-Probleme darf Ihr Sohn möglichst nicht mitbekommen, sie interessieren ihn auch herzlich wenig, sie stören ihn nur. Reden Sie sich bitte nie damit heraus, dass der Vater alle möglichen Fehler macht. Das würde Ihre eigenen Fehler nicht entschuldigen. Also: Freuen Sie sich mit Ihrem Sohn, dass er endlich einen gewissen Kontakt zu seinem Vater herstellen kann. Fördern Sie die Vater-Kind-Beziehung. Das stört die Beziehung Ihres Sohnes zu seinem Stiefvater überhaupt nicht, im Gegenteil!

Alles Gute, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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