| Ich habe
meinen Mann mit 17 kennengelernt, er war noch in einer
Beziehung, hat es mir aber nicht gesagt, ich habe es von anderen erfahren. Er hat sich dann aber für mich entschieden. Eine Zeit lang war auch alles in Ordnung, ich muss dazu sagen, ich hatte immer Angst, dass er sich wieder für andere entscheidet. So kam es dann auch - ich hab ihm Zeit gelassen und er ist zu mir zurückgekehrt. Dazu kommt auch noch, dass er Alkoholprobleme hat. Wenn er zuviel trinkt nässt er ein. Ich hab immer gedacht, irgendwann hört all das einmal auf, spätestens wenn wir heiraten. Haben wir dann auch vor 18 Jahren getan. Die Probleme waren immer die gleichen. Alkohol - Frauen. Immer wieder neue Versprechen. Mit 27 Jahren wurde ich dann plötzlich schwanger, während einer Pillenpause. Ich hab mir sehr darauf gefreut, mein Mann glaub ich weniger. Das Kind war da, wir haben gebaut. Das 2. Kind kam ca. 4 Jahre später, aber geplant, von beiden. Jetzt fingen die Probleme erst recht an. Mein Mann hatte sich dann angewöhnt, allein wegzugehen. Ich stillte mein 2. Kind und er ging auf die Rolle. Ich hab ihn gelassen, was sollte er auch zu Hause wenn er eh weg wollte. Er ist ja erwachsen. Ca. 4 Jahre kam die erste sehr schlimme Krise. Er hatte für ca. 1 Jahr eine Freundin, mit Unterbrechungen, es mir aber nie ehrlich gesagt. Ich hab immer versucht es herauszufinden. Aber mir 2 Kindern ist man doch sehr gebunden. Es war eine sehr schlimme Zeit. Die Mutter seiner Freundin hat es mir dann auch gesagt. Es war die Ex-Freundin meines Schwagers, wie ich es schon immer gewusst hatte. Ich wollte ihn rausschmeißen, er wollte alles ändern. Wegen der Kinder habe ich mich breitschlagen lassen, aber mit einem unguten Gefühl. Aber ich liebte ihn halt auch immer noch, da glaubt man wohl alles. Mittlerweile hatte ich mich selbst auf jemanden anderen eingelassen und eine Beziehung angefangen. Zum erstenmal war ich wieder richtig glücklich. Das war eine sehr schöne Erfahrung für mich. Ich hab aber dann u. a. auch wegen räumlicher Probleme die Geschichte beendet. Ich hab sie auch später meinem Mann gebeichtet. Ich glaub, da ist er bis heute noch nicht mit fertig. Eine Zeitlang ging alles gut. Er hat trotzdem wieder mit Beziehungen angefangen und immer wieder alles abgestritten. Letzte Woche habe ich jetzt erfahren, dass er während seiner Kur im Frühjahr wieder jemanden kennengelernt hat. Diese Frau hat er dann in den Sommerferien unter Vortäuschung eines Motorradausfluges mit Judofreunden für 1 Woche besucht. Ich hab das jetzt alles herausgefunden durch einen Zufall. Ich hab meine Familie und meine Freundin darüber informiert. Sage ich es auch meinen Kindern? Sie sagen, ständig sei ich launisch, aber wie soll ich das denn alles allein verkraften. Ich hab mich inzwischen von einem Rechtsanwalt beraten lassen. Ich würde das Haus allein halten können. Ich glaub aber, dass ich meinen Mann trotz der Alkoholprobleme und der ständigen Affären immer noch liebe. Bin ich noch normal - wie soll es weitergehen. Irgendwie kann ich nicht mehr - das Schlimmste ist das fehlende Vertrauen meinem Mann gegenüber und seine ständigen Lügen. Für einen Rat wäre ich Ihnen sehr dankbar - |
Hallo liebe Frau,
Die Eigenart Ihres Mannes kennen Sie ja sozusagen von Anfang an.
Immer wieder haben Sie gehofft, dass alles besser wird, aber nie
ist es so gekommen. Und trotz aller Enttäuschungen lieben Sie
ihn, so dass Sie ihn einerseits nicht verlassen können, aber
andererseits auch keine Verbesserung mit ihm in Aussicht steht.
Es geht Ihnen wie dem berühmten Esel, der genau zwischen zwei
Heuhaufen steht und sich nicht entscheiden kann, von welchem er
fressen soll, und deshalb verhungert.
Ich finde, in dieser Situation haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie
hören endgültig auf, auf Verbesserungen zu hoffen. Sie finden
sich damit ab, dass Ihr Mann immer so sein wird, wie er ist, und
bleiben weiter mit ihm zusammen, weiter durch dick und dünn
sozusagen. Oder Sie finden heraus, was es damit auf sich hat,
dass Sie trotz aller deutlichen "Warnhinweise" von
Anfang an sich genau auf diesen Mann festgelegt haben. Das muss
etwas mit Ihnen selbst zu tun haben. Eine andere Frau hätte sich
vielleicht schon ganz am Anfang dadurch ernsthaft warnen lassen,
dass er neben ihr noch eine Andere hat, ohne etwas davon zu
sagen. Vielleicht hat alles etwas mit Ihrem Selbstwertgefühl zu
tun? Ich empfehle Ihnen für diese zweite Möglichkeit jedenfalls
eine persönliche Psychotherapie oder Lebensberatung (in einer
Ehe- und Lebensberatungsstelle). Dort sollten Sie einmal in Ruhe
in sich hineinhorchen, was Ihr Partnerproblem mit Ihnen und Ihrer
eigenen Lebensgeschichte zu tun hat. Dadurch ändern Sie zwar
Ihren Mann nicht, aber Sie wissen danach besser, wie Sie sich
verhalten sollten.
Mit den besten Wünschen,
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt