hallo,
wenn es "nur" ein fremdgehen im üblichen sinne wäre, käm ich
wahrscheinlich noch einigermaßen damit klar... aber von vorn: (ich
versuch, mich kurz zu fassen...) meine eltern (beide 47) sind 26 jahre
verheiratet, ich selbst bin 24, und hab noch einen bruder mit 15 jahren.
dieser wohnt auch, natürlich, noch zu hause. ich selbst bin seit 5 jahren
verheiratet, hab eine tochter und lebe seit 6 jahren selbstständig. die
geschichte begann lange vor meiner zeit, da der besagte freund meiner
mutter ihre jugendliebe war. sie hatten sich dann aus den augen
verloren, jeder heiratete, und vor 4 jahren meldete er sich plötzlich bei
ihr - und sie fingen an, sich zu schreiben, zu telefonieren und dann auch
zu treffen. sie sagen beide, sie wären die einzig wahre liebe des
anderen. ich stand meiner mutter schon immer sehr nahe, sie war mehr
freundin als "richtige" mama für mich, und so wurde ich auch in diesem
fall ihre vertraute und verbündete. das ganze spielt sich vollständig hinter
dem rücken meines vaters ab, was mich sehr belastet. ich weiss so
langsam nicht mehr, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. meine
mutter meint, es ginge allen am besten, wenn sie nichts sagt und
ihr "normales" leben weiterlebt. doch sie geht daran kaputt. sie meint
zwar, sie hätte das jetzt entschieden, noch mindestens die nächsten
acht jahre so weiterzumachen, und dann zu gehen (das mit den acht
jahren hat finanzielle, organisatorische gründe) und was neues
anzufangen. mir dreht sich der magen um, wenn ich das höre ! ich weiss
nicht, wie sie so respektlos sein kann, vor sich selbst und vor den
menschen, die sie umgeben. - und die diese "kröten" zu schlucken
haben. Sie ist ein so bewusster und auch wissender mensch, dass ich
es einfach nicht akzeptieren kann, wie sie so handeln kann. es belastet
mich sehr und macht mich wütend. letztendlich ist mir natürlich klar, dass
sie die verantwortung hat für ihr leben und ihre beziehung(en). doch es
betrifft ja nicht sie allein !
manchmal komm ich mir vor, als wär ich ihre mutter...
ich hab immer das bedürfnis, sie zu beraten, zu schützen, zu
unterstützen, zu ihr zu halten, sie zu entlasten usw. meine eigene
überzeugung und meine wut bleiben dann zum teil aussen vor, und
äussern sich mitunter somatisch oder meist in ausführlichen gesprächen
mit meinem mann, der mir die einzige stütze in dieser sache ist. wenn
ich jedoch in einer depression bin, komme ich gar nicht damit zurecht, es
scheint ja auch keine lösung zu geben, ausser ich grenze mich davon
total ab. und das ist (noch) unmöglich, dass hieße seelenzwillinge
trennen.
vielleicht hat jemand von aussen noch einen anderen geistesblitz - ich
bin gespannt...

und danke ...

rapunzel

Hallo.
vielen Dank für Ihren Brief! Sie haben Recht, einerseits ist es natürlich das Leben Ihrer Mutter und müsste Sie nichts weiter angehen. Andererseits macht Ihre Mutter Sie aber zum Mitwisser des Betruges an Ihrem Vater, und da hört aus meiner Sicht der Spaß auf! Wenn Ihre Mutter ihr Fremdgehen geheim halten würde und Sie nicht zur intimen Vertrauten gemacht hätte, wäre alles nur halb so schlimm. So aber machen Sie sich ohne Ihr Zutun vor Ihrem Vater schuldig. Und das ist für Sie sicher ziemlich unerträglich.
Ich würde an Ihrer Stelle ein ernstes Gespräch mit meiner Mutter führen und ihr klarmachen, dass ich nicht länger in der Lage bin, dieses Doppelspiel mit zu spielen. Entweder Ihre Mutter oder Sie müssen dem Vater jetzt reinen Wein einschenken (falls Ihre Mutter die Fremdbeziehung nicht vorher beenden und "Gras über alles wachsen" lassen will). Verlangen Sie also von Ihrer Mutter, die Fremdbeziehung entweder sofort zu beenden oder dem Vater alles zu beichten und dann die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Wenn Ihre Mutter sich dazu ausser Stande sieht, kündigen Sie ihr an, dass Sie dem Vater alles erzählen werden. Und das sollten Sie dann auch ernst meinen.
Dieses unfaire und charakterlich unreife Doppelspiel, in das Sie durch Ihre Mutter verwickelt wurden, macht Ihnen zu Recht seelische Probleme. Beenden Sie es!
Mit Gruß, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt