Hallo, schön, dass es die Möglichkeit gibt, von Ihnen einen Rat zu bekommen. Denn den kann ich im Moment gut gebrauchen. Seit 5 Jahren bin ich (28) mit meinem Freund (29) zusammen (einmal mit ner kurzen Unterbrechung), seit April haben wir eine große Wohnung zusammen. Nachdem wir uns in den letzten 6 Wochen super angenervt hatten und jeder das Gefühl hatte, alleine zu sein, sprechen wir nun ausführlich über unsere Gefühle und Ängste. Fakt ist, dass mein Freund sich wohl nicht trennen möchte, andererseits "so ein komisches Gefühl" im Bauch hat. Er hat Angst, etwas zu verpassen, er möchte mehr Freiheit für sich (und trotzdem mit mir zusammen sein). Auch hat er Angst, mir mit seiner "Hinhalterei" meine Zeit zu stehlen. Am liebsten hätte er wieder eine eigene Wohnung. Ich würde dies jedoch als Rückschritt empfinden, weil ich doch in den nächsten 5 Jahren gerne eine Familie gründen möchte (er möchte es auch noch unter 40). Ich kenne dieses "Freiheitsbedürfnis", aber aufgrund meiner Arbeitszeiten kann ich mir viel mehr Freiraum gönnen!! (er arbeitet immer bis 20.00). Ich liebe ihn und ich möchte ihn nicht verlieren. Was halten Sie von der Möglichkeit mit den getrennten Wohnungen? Haben wir dann trotzdem (oder vielleicht erst recht) die Chance wieder zusammenzukommen und auch irgendwann wieder zusammenzuziehen? Eine sehr traurige und grübelnde Bianca |
Hallo,
das würde
mich an Ihrer Stelle schon sehr verunsichern, dass Ihr Freund in
dem Moment, wo es "ernst" wird mit Ihnen beiden, wo es
an die Gründung einer Familie geht und es ernsthaft
Verantwortung füreinander und bald auch für gemeinsame Kinder
zu übernehmen gilt, solche Ängste zeigt und zu
"kneifen" scheint. Immerhin kennen Sie sich ja nicht
erst seit gestern. Will er lieber so unverbindlich und locker als
Pseudo-Single weiterleben wie bisher? Will er bis "unter
40", so etwa bis 39 oder so, in eigener Wohnung leben und
dann ganz schnell wieder "auf Familie machen"? Dann
sind Sie ja schon ziemlich alt für eine Familie. Ich finde, er
hatte Zeit genug, sich über seine
Gefühle Ihnen gegenüber klar zu werden. Wenn er jetzt lieber
wieder in eine eigene Wohnung möchte, verstehe ich dies eher als
eine langsame, aber endgültige Abwendung von Ihnen und dem Ziel,
eine gemeinsame Familie zu gründen. Ihre Familienpläne sind ja
nicht unrealistisch. Wenn Sie mit sagen wir 31 heiraten und/oder
ein Kind bekämen, wäre er 32 und noch genau im richtigen Alter.
Was also lässt ihn zögern, sich voll und ganz, mit Haut und
Haaren diesem schönen Ziel anzuschließen?
Ihre Trauer und Ihr Grübeln kann ich sehr gut verstehen! Sie
müssen gründlich überlegen, ob das Verhalten Ihres Freundes
als Grundlage für ein gemeinsames Familienleben taugt.
Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt