Sehr geehrter Herr Schmidt,

wir führen eine junge aber sehr intensive Beziehung (14 Monate). Seit wir
uns kennengelernt haben, sind wir nicht mehr auseinander gegangen und sind
so auch bald (nach 3 Monaten) zusammengezogen. Die komplette Wohnung wurde
gemeinsam renoviert und neu eingerichtet und seit September 2002 haben wir
unsere Konten zusammen gelegt. Mein Partner hatte jedoch einen Kredit von 30.000,-
Euro den ich mit übernommen habe - denn wenn, dann richtig. Ich selbst hatte
keine Schulden (400,- sind ja nicht so schlimm) und ich kann es auch nicht
ertragen welche zu haben. In dem Fall ging es aber nicht anderes, denn man
kann ja nichts an der Tatsache ändern.

Seit drei Monaten etwa, ist mein Partner aber nicht mehr mit mir glücklich,
da ich ständig am Geld rummaule. Herr Schmidt, Sie müssen sich vorstellen,
dass wir im Monat allein 560,- Miete, 590,- Kredit 130,- Versicherung und
dann noch ständig eine Hiobsbotschaft (Nebenkostenabrechnung 650,- und Stromnachzahlung 420,- usw.)
zusätzlich erhalten haben. Er ist ein Zwilling und aussergeöhnlich
verschwenderisch - wobei ich eben sage, dass er "mein" Geld ausgibt, da er
wegen des Kredits allein gar nicht leben könnte - siehe der 30.000,- Kredit. Er hat
jetzt gedroht, dass er alles rückgängig machen will und jeder wieder sein eigenes
Konto hat (und da werde ich mich nach seiner Aussage umgucken). Es ist aber
so, dass es mir nicht um das kaufen geht, sondern um die Menge und gleich
die teuren Dinge (er verkauft ja auch wieder verschiedene Sachen und sorgt so dafür, dass das Geld für die
diversen Nachzahlungen da ist.)

Ich habe schon gesagt, dass er doch nur mal einen Monat nichts kaufen soll,
aber das kann er nicht. Jeden Monat muss er irgendwas anderes haben - zur
Zeit ein neues Handy, dann sind es neue Sitze für das Auto, eine neue
Lackierung, neue Brille, die nun aber kaputt ist - deswegen möchte er nun die Augen
operieren lassen, oder irgendwas anderes das so viel Geld kostet. Dazu kommen
die sogenannten Kleinigkeiten die insgesamt auch etwas 300 Euro betragen. Ich
kann das irgendwie nicht, denn jeden Monat ist mehr Minus auf dem Konto und
ich zähle es eben lieber (ich habe nichts gegen die Dinge an sich, wenn es ihn
glücklich macht ist er mir alles Geld der Welt wert. )  Ihn interessiert
Geld nicht, irgendwie wird es schon gehen und ging es immer. Aber im nächsten
Moment sieht er wieder was, das er gerne hätte aber dann erinnere ich ihn an
den Kredit und diverse Nachzahlung. Kurzum, ich jammere ständig und meine er
gibt so viel aus. Deswegen hat er nun zu  mir gesagt, dass ich damit
leben muss oder ich soll es eben sein lassen - dann hat jeder wieder sein
eigenes Konto.

Bitte Herr Schmidt, können Sie mir etwas dazu raten? Es ist meine erste
Beziehung in dieser Form und weder ich, noch mein Partner haben vorher ein
gemeinsames Konto gehabt. Vielleicht machen wir auch etwas falsch?
Wie ist denn die "normale" Regelung bei so einer Zusammenkunft?

Mit vielen Grüßen bedanke ich mich schon im voraus.

Hallo,
eine "normale" Regelung gibt es sicher nicht, jedes Paar muss da seine eigene Lösung finden. Sie beide haben offensichtlich ganz konträre Stile, mit Geld um zu gehen, wobei mir der Ihre solider vorkommt. Also entweder Sie einigen sich beide darauf, dass Sie der Finanzminister in der Beziehung sind -und das heisst, dass nur Sie allein Zugang zum gemeinsamen Konto bekommen und Ihr Partner alle Forderungen erst an Sie richten muss-, oder Sie richten wieder getrennte Konten ein. Er zahlt dann seinen Kredit wieder alleine ab, und für gemeinsame Ausgaben (Miete, Nebenkosten etc.) teilen Sie regelmäßig die Kosten. Für Einzelansprüche, über die Sie unterschiedlicher Meinung sind, verfügt dann einfach jeder von seinem eigenen Konto. Und über kurz oder lang wird Ihr Partner dann lernen, mit seinem Geld verantwortlich umzugehen. Vielleicht bittet er Sie dann bald um Kredit? Überlegen Sie schon mal, welchen Zins Sie ihm dann berechnen!
Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt