| Lieber Herr Schmidt, Gerne wuerde ich Ihre Meinung zu meiner Ueberlegung hoeren. Ich bin Deutsche, gluecklich mit einem Griechen verheiratet, Mutter von 2 Kindern (10 und 12 Jahre) und lebe seit 18 Jahre auf einer wunderschoenen griechischen Insel. Da die Schulen aber nicht besonders gut sind hier und das Schulsystem in Griechenland sich dauernd aendert, sind wir beim Ueberlegen, ob wir nicht nach Deutschland ziehen sollten. Dies wuerde aber bedeuten, dass wir meinen Mann, den Vater meiner Kinder nur alle 4 - 5 Wochen sehen koennten, da er seine Arbeit nicht aufgeben kann. Er ist selbstaendig und koennte deshalb des oefteren nach Deutschland kommen. Auch alle grossen Ferien wuerden wir natuerlich zusammen verbringen. Meine Frage an Sie lautet: Ist das Alter meiner Kinder bereits stabil genug, dass sie den Vater vom Alltag ausschliessen koennten? Wie koennte sich das auf sie auswirken? Koennte eine Ehe von 12 Jahren eine Trennung auf diese Weise aushalten? Was waere zu beachten? Vielleicht haben Sie ein paar Ratschlaege fuer uns. Mein Mann und ich wissen, dass eine gute Ausbildung fuer unsere Kinder sehr wichtig ist. Sie sind begabt und die Chancen auf eine gute Zukunft sind in Deutschland wohl groesser als auf einer griechischen Insel. Mit freundlichen Gruessen Susanne |
Liebe Susanne,
vielen Dank für Ihre interessante Anfrage! Sie mögen recht
haben, dass die
Schulausbildung für Ihre Kinder in Deutschland vielleicht besser
wäre, auch
die späteren beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Aber: Ihre
Kinder sind
ja in Griechenland geboren, sie würden also für diese bessere
Schulbildung
den Preis der Aufgabe ihrer Heimat bezahlen. Ein hoher Preis,
wenn man
einkalkuliert, dass damit obendrein der Vater stärker ins
Abseits geriete.
Ist die Frage der Schulbildung Ihrer Kinder wirklich der einzige
Grund für
Ihre Überlegungen? Ich hatte beim Lesen Ihres Briefes den
Eindruck, dass
vielleicht auch so etwas wie Heimweh bei Ihnen selbst eine Rolle
spielen
könnte. Es ist ja Ihre große Familie, "die auf uns
wartet"! Wenn meine
Vermutung, dass Sie selbst auch Heimweh haben, zutrifft, dann
können Sie
sich gut in Ihre Kinder einfühlen, wenn sie nach Deutschland
wechseln
müssten: Heimweh!
Ich bin der Meinung, dass es für Kinder wichtiger ist, in einer
intakten
Familie aufzuwachsen (und vielleicht zunächst eine nicht so gute
Schulbildung zu geniessen), als eine gute Schulbildung um den
Preis eines
intakten Familienlebens zu erfahren. Wenn die Kinder älter sind
(z.B. ab 16
Jahren), kann die Schul- und Berufsausbildung einen höheren
Stellenwert
einnehmen, als im Kindesalter. Dann könnten Sie immer noch für
die Kinder
Schul-, Studiums- und Berufsausbildungsmöglichkeiten in
Deutschland planen.
Aber das müssen Sie sich natürlich alles selbst überlegen.
Übrigens: Wenn
Sie selbst unter Heimweh leiden sollten, können Sie doch öfter
Ihre Familie
in Deutschland besuchen und jeweils einige Wochen dort leben,
auch mit Ihren
Kindern in den Ferien. Machen Sie das bereits?
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, Ihr
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt