| Guten
Tag, unser Sohn ist 12 Jahre und leidet unter
Schlafängsten. Dies äußert sich dadurch, dass er auf
keinen Fall allein schlafen möchte/kann und somit
entweder mit in unser Zimmer will oder jemand von uns bei
ihm mit übernachten soll. Nun stellt das so langsam für
uns ein Problem dar. Er hat diese Ängste von Klein auf
und auch eine Therapie bei einer Beratungsstelle
konnte leider keinen Erfolg verzeichnen. Jeden
Abend gibt es Diskussionen, viele Tränen und ausgedachte
Krankheiten.Vor 22.30 Uhr schläft er nicht ein. Er hat
Angst vor Schatten, das ihm plötzlich etwas zustoßen könnte
und wir es nicht merken oder auch das jemand einbrechen könnte.
Er schläft in seinem Zimmer (wenn überhaupt) nur mit
einem kleinen Licht. Was können wir tun, um für jeden
in unserer Familie einen gesunden und erholsamen Schlaf
zu gewährleisten? Vielen Dank für Ihre Hilfe! |
Ebenfalls guten Tag! Ich kann Ihrer kurzen Darstellung leider nicht genauer entnehmen, was die psychologischen Gründe für die Ängste Ihres Sohnes sein könnten. Welche Art von Therapie in der Beratungsstelle zur Anwendung kam, weiss ich auch nicht. Wenn es aber eine isolierte Kindertherapie war, wundert mich deren Erfolglosigkeit weniger, denn es liegt wahrscheinlich an Ihrer erzieherischen Art mit ganz normalen Kinderängsten umzugehen.
Dass er diese Ängste von klein auf hat, spricht, wie gesagt, eher für Ihre Erziehungsfehler im Umgang mit ganz normalen Kleinkinder-Ängsten, als für eine eigenständige Störung beim Kind. Vielleicht müssen Sie als Eltern einfach mal eine (harte) Zeit mit mehr Konsequenz und ohne weitere abendliche Debatte zu einer fixen abendlichen Uhrzeit verlangen, dass er sich verabschiedet, auf sein Zimmer geht und dort bleibt und versucht, seiner Ängste ganz allein Herr zu werden. Sie müssen sagen, dass Sie es ihm nun in seinem Alter voll und ganz zutrauen, dass er das schaffen wird, auch wenn es ihm anfangs hart vorkommt. Je selbstsicherer und optimistischer Sie ihm das sagen, umso mutiger wird er es angehen. Sein Lichtlein kann er anfangs gerne anlassen. Am nächsten Tag fragen Sie ihn immer, wie es gegangen ist, und lassen sich dann auf keinen Fall durch seine Horrorgeschichten einschüchtern, sondern loben und belohnen ihn stattdessen, wenn er anfängt, Erfolge bei der Angstbewältigung stolz zu melden.
Wenn Sie das ohne fachliche Unterstützung aber nicht schaffen, dann sollten Sie noch einmal einen neuen Versuch in einer Erziehungsberatungsstelle machen, dort aber keine Kindertherapie beim selben Therapeuten machen, sondern sich begleiten und unterstützen lassen, damit sie nicht wieder "weich" werden und den Sohnemann nicht weiterhin überbehüten (womit Sie seine Ängste unwillkürlich dauernd weiter verstärken).
Wünsche wohl zu
ruhen!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt