Ich bin an einem Punkt angekommen an dem ich vor lauter innerer Zerissenheit
und Zweifel nicht mehr weiter weiß.

Ich (28) habe im Herbst letzten Jahres eine junge Frau (23) kennengelernt.
Als ich sie zum ersten Mal sah habe ich bei ihr schon festgestellt das mit
ihr etwas nicht stimmte. Sie hatte zu seiner Zeit noch eine Hoffnungslose
Verliebtheit aufzuarbeiten. Ich selber war in einer persönlichen
Aufschwungphase meines Lebens. Etwas zog mich zu ihr und ich sah auch
Interesse von ihrer Seite. Also nahm ich sie in mein Leben auf um ihr etwas
Positives im Leben geben zu können. Wir kamen schnell zusammen, doch sie
machte auf mich den Eindruck das sie klammerte und sich bei mir einnisten
wollte. Ich sah die Sache anfangs mit Skepsis da ich selber nicht unbedingt
die besten Erfahrungen im Leben hatte. Doch ich entwickelte schnell starke
Gefühle für sie begann sie näher an mich heran zu lassen. Als ich anfing
mich für sie zu öffnen und ihr zu zeigen was ich für sie empfand verschloss
sie sich plötzlich und wies mich ab. Seid dem ist unsere Beziehung ein
ewiges Hin und Her von mögen und nicht mögen. Sie blieb dann aber doch bei
mir. Was mich allerdings immer stark verwunderte das sie morgens im Bett
meine Nähe suchte und sich eng an mich schmiegte, dann aber zum Abend hin
immer abweisender wurde wenn ich Nähe suchte. Das ging soweit das sie ohne
ein Wort ins Wohnzimmer ging um dort zu schlafen, auf meine Fragen was mit
ihr sei wich sie grundsätzlich aggressiv und entnervt aus. Am nächsten
Morgen kam sie dann aber wieder zu mir und das Spiel widerholte sich.
Inzwischen lebt sie wieder bei ihren Eltern da sie ihre Ausbildung
abgebrochen hat und auch noch mit Drogenploblemen zu kämpfen hat. Ich gehe
sehr stark auf sie ein um ihr helfen zu können und sie hört mir auch gerne
zu und nimmt vieles an was ich ihr entgegenbringe. Leider haben sich die
Dinge in letzter Zeit soweit entwickelt das sie mich nicht mehr berühren
will und auch nach ein kleinen Kopfmassage plötzlich aufspringt und mich
anpöbelt ich solle das unterlassen. Sie redet ständig von anderen
(Traum)Männern. Ich bin kein schlecht aussehender Mann, dies bestätigen mir
die Frauen tag ein tag aus, eine Bestätigung die ich nicht wirklich nötig
habe, ich arbeite sehr an mir um zu reifen und mir ein zufriedenes und
erfülltes Leben aufzubauen und bin an sich ein Mensch der von allen die mir
begegnen gemocht und respektiert werde. Freunde behaupten ich sei das beste
was ihr hat passieren können. Ich versuche mich davon zu distanzieren um mir
nicht zu viel darauf einzubilden. Aber ihre Erwartungen an einen Mann
steigen ins Unermessliche, Erwartungen die sie mir gerne unter die Nase
reibt und mir immer das Gefühl gibt perfekt sein zu müssen um ihr endlich
wieder zu gefallen.

Es kommt in letzter Zeit vor das wir ein paar Tage oder auch mal ein paar
Stunden miteinander harmonieren und schöne Zeiten miteinander verbringen die
wir mit Freude geniessen. Doch dann passiert es das in ihr Emotionen
hochkommen die sie schier zum ausrasten bringen. Sie wirft mir dann vor ich
würde sie an verlorengegangene Freunde, hoffnungslose verliebtheiten
erinnern und gibt mir die Schuld an ihrem Dilemma. Sie reduziert mich dann
auf ein Minimum an beachtenswertem und klagt/jammert wie schlecht doch die
Welt, ihre Freunde und ich seien. Sie bereut zwar immer wieder nach so einem
Ausraster was sie getan und wir können auch reden. Aber es passiert immer
häufiger das diese Emotionen durchbrechen und ich zum Leidtragenden werde.
Inzwischen fühlen wir uns beide nicht mehr wohl miteinander. Ich habe ihr
versucht zu helfen, doch ich bin kein Psychologe, Vater oder guter Freund
der ihr da wirklich helfen kann. Ich werde dann auch oft als so jemand
"beschimpft". Ich bin inzwischen selber soweit eine Therapie aufzusuchen, da
ich nicht mehr mit dieser Situation umgehen kann. Ich habe mich stark für
sie aufgeopfert und verteidige sie vor jedem der sie kritisiert und schlecht
macht. Beinahe hätte ich meine Arbeit verloren da ich mich selber in ein
Loch habe ziehen lassen, inzwischen habe ich mich wieder fangen können und
kehre noch immer die Scherben zusammen.

Sie ist im Moment nicht mehr verliebt in mich, sucht aber dennoch meine
Nähe, den Kontakt und zeigt mir das noch etwas in ihrem Herzen ist, lässt
mich aber nicht mehr wirklich an sich heran.
Mir fällt es schwer meine Gedanken zu ordnen und alles niederzuschreiben was
geschehen ist um einen direkten, klaren Einblick zu ermöglichen. Meine Lage
ist verzweifelt, so sehr das ich mich von ihr auf unbestimmte Zeit getrennt
habe. Doch dummerweise habe ich schon wieder den Anfang gemacht und ihr in
mehreren SMS gesagt, das es mir Leid tut und ich mit ihr über uns reden
möchte. Ich habe selber das Gefühl das ich vielleicht zu sehr klammere und
sie nicht loslassen kann. Auch habe ich ein schlechtes Gefühl sie allein zu
lassen wo doch schon so viele Menschen(Männer) sie enttäuscht haben.

Ich habe auf den Grund meines Herzens geschaut um zu sehen ob ich nicht nur
selber einen Halt brauche. Ich weiss aber inzwischen das ich niemanden
brauche und gut alleine klar kommen, sie aber mit reinem Herzen liebe. Ich
möchte ihr helfen und für sie da sein wenn sie mich braucht, doch ich komme
nicht mehr damit klar ihren Lastenträger spielen zu müssen und den
Zusammenbruch einer innigen, tiefen Beziehung mit anzusehen. Ich kann recht
gut damit umgehen keinen Körperkontakt zu ihr zu haben auch wenn ich ihre
Zärtlichkeit vermisse, doch es ist hart für mich wie sie immer mehr
gewaltätig unsere Verbindung zerreisst.

Jetzt brauche ich Hilfe um für sie wieder ein Mann sein zu können den sie
achtet, respektiert, ernst nimmt und dessen Nähe sie geniessen kann, so wie
es anfangs einmal war. Ich liebe sie so wie sie ist und so wie sie sich
entwickelt. Aber die Art wie sie mit mir umgeht verletzt mich.

Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Ihre Partnerin scheint mir neurotisch stark gestört, wahrscheinlich bedingt durch die enttäuschenden und unverarbeiteten Erfahrungen ihres bisherigen Lebens. Und Sie selber haben so etwas wie ein Helfer-Syndrom entwickelt, d.h. Sie wollen Ihre Partnerin retten oder heilen, was ihren unbewussten Selbstheilungwunsch auszudrücken scheint. Solche Beziehungen scheitern meistens, weil man sich eben nicht selbst heilen kann, wenn man einen anderen (vergeblich) heilen möchte. Ein selbstsicherer Mann, der keinen unbewussten Selbstheilungsversuch in eine Partnerschaft einbringt, hätte sich längst von einer Frau wie Ihrer Partnerin enttäuscht abgewandt und endgültig getrennt.

Sie sollten ganz realistisch und nüchtern erkennen, dass Ihre Partnerin beziehungsgestört zu sein scheint und professionelle Hilfe eines guten Psychotherapeuten braucht. Sie selber können das nicht leisten, Sie werden dabei scheitern. Ihre Beziehung hat nur eine Chance, wenn Ihre Partnerin ihre Beziehungsstörung psychotherapeutisch aufarbeitet und behebt.

Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt