| Unser Sohn jetzt 5 ´1/2 Jahre, geht einfach nicht auf die Toilette, um sein großes "Geschäft " zu erledigen. Wir haben uns sehr viel beschäftigt mit dem Thema, viel gelesen, viel überlegt, woran es liegen könnte. Offen gestanden, habe ich persönlich den Eindruck, das er es einfach nicht will. Was ich auf meine Frage hin auch als Antwort von dieser kleinen starken Persönlichkeit bekomme. Im KG ist es bisher 2 mal passiert. Die Kinder haben es noch nicht mit auslachen sanktioniert. Es ist jetzt soweit das ich selbst erkannt habe, in welche Drucksituation er uns (Eltern) bringt, wenn er das in Gesellschaft von Anderen tut. Wir haben ständig versucht, das zu verdecken. Heute bin ich mit meinen Kräften und mit meiner Lust am Ende, das Kind vor Peinlichkeiten zu bewahren. Meine Frage ist eigentlich nur die, ob ich/wir das nun richtig machen, indem wir nicht sanktionieren, die Hose allerdings nicht mehr saubermachen, ja ihn einfach selbst Erfahrungen machen lassen, die er anscheinend machen will oder muß. Er leidet an einem Wachstumshormonmangel, wird substituiert seit 5 Monaten, ist áufgrund seiner Größe (im Grunde genommen klein) ein sehr sehr weillenstarkes und verbal starkes Kind. Wir glauben aber nicht das das der Hintergrund des Problems ist. Er ist im allgemeinen, wenn er Dinge nicht will, schwieriger "zu leiten" wie andere Kinder. Ich denke wir versuchen, wie viele Eltern, eine Persönlichkeit groß werden zu lassen, die Selbstbewusstsein in sich tragen sollte, aber allerdings nicht dabei auf dem Tisch herumtanzt. Den Besuch einer Erziehungsberatungsstelle oder der eines Psychotherapeuten, haben wir in Erwägung gezogen, doch wir haben eine Sorge, das diese "Erkrankung" zu sehr in den Mittelpunkt seines Lebens gerückt würde. Wir versuchen nämlich mit allen Mitteln unser Kind nicht als krankes Kind zu erziehen. Wir würden wahrscheinlich dadurch viel mehr Fehler machen als anders. Viele liebe Grüße in m.d.B. um Antwort Anna |
Liebe Anna,
Sie sollten die vielen anderen Beispiele für Probleme bei der
Sauberkeitserziehung lesen, die es in dieser Sprechstunde bereits
gibt. In Ihrem Fall scheint es sich um eine deutliches
Machtproblem zwischen Sohn und Eltern zu handeln. Sie sollten,
was Ihre Machtdemonstration betrifft, in puncto Sauberkeit eine
Stufe höher schalten, d.h. etwas strenger, fordernder,
ärgerlicher reagieren. Versuchen Sie nicht mehr so stark, ihm
jedwede Peinlichkeit aus dem Weg zu räumen, sonst muss er
weiterhin nicht die Verantwortung dafür übernehmen, wenn es in
die Hose geht. Aber achten Sie darauf, dass sich nicht Ihre
gesamte Beziehung zum Sohn verschlechtert oder verspannt. Nur in
puncto Sauberkeit sollten Sie sich durchsetzen, in allen anderen
Bereichen ändern Sie gar nichts.
Wenn Sie weiterhin erfolglos bleiben sollten, würde ich an Ihrer
Stelle aber doch die Erziehungsberatung aufsuchen. Ihre Sorge,
die Sie äußern, ist sicher unbegründet. Dort wird Ihr Kind
nicht als "krank" betrachtet.
Mit freundlichem Gruß, Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt