Zur Zeit habe ich sehr große Probleme mit meiner "Kernfamilie"
aber um das zu erklären muß ich (jetziges Alter 33) etwas weiter
ausholen.
Nach dem mein Opa gestorben war (meine damaliges Alter 17)
brach das Chaos in meiner Familie aus. Meine Mutter liess sich von
meinem Stiefvater scheiden (eine Halbschwester im jetzigen Alter
von 20 Jahren vorhanden) der Alkoholiker war.
Ich wuchs die meiste Zeit bei meinen Großeltern auf.
Ich war 12 Jahre alt, als meine Schwester geboren wurde und habe
mich immer sehr viel (gewollt und auch ungewollt) um sie
gekümmert.
Mein Großvater hatte anscheinend die ganze Familienstruktur
zusammengehalten und das Chaos bestand darin, das behauptet
wurde, daß ich das Testament versteckt hätte und Geld gestohlen
habe etc.
Die Situation gipfelte darin, daß ich von meiner Mutter immer öfter
unvermutet geschlagen wurde, im Alter von fast 19 schwanger das
Haus verließ.
Ich habe meine schulische Ausbildung weiterverfolgt und mich
immer selbst erhalten (obwohl ich aus akademischen Elternhaus
stamme).
Mein eigener Vater ist 1973 gestorben, ich habe ihn fast nicht
gekannt, da dies von meiner Mutter nicht gefördert wurde.
Mein Sohn jetzt 13 hatte im Alter von 7 Wochen Meningitis und ist
seit dem schwer behindert. In Zuge dieses Schicksalsschlag
kümmerte sich meine Mutter um meinen Sohn (Besuch im
Krankenhaus etc) und die damalige schwierige Zeit wurde nicht
weiter angesprochen.
Der Vater des Kindes verkraftete die Behinderung nicht und
kümmert sich bis heute nicht um ihn.Ich heiratete dann einen
ehemaligen Schulkollegen mit dem ich eine Tochter (9) bekam.
Mein Sohn bekam im Alter von 4 Jahren schwere gesundheitliche
Probleme (bis zu 50 Anfälle am Tag) und dadurch und di
e viele Krankenhausaufenthalte stritten wir ständig was, auf meine
Betreiben hin, vor 5 Jahren zur Scheidung führte.
Mein Mann und ich lebten ein dreiviertel Jahr getrennt zogen wieder
zusammen und haben dieses Jahr im August wieder geheiratet.
Wir verstehen uns jetzt wirklich sehr gut und wir haben uns trotz
der eher schwierigen Situation zusammengerauft und haben im
Laufe der Jahre gesehen, daß es wahnsinnig
wichtig ist das Lachen nicht zu verlernen.

Wir haben vor ca. 7 Jahren bei meiner Mutter und Oma
"dazugebaut". dh. es war ein Gebäude vorhanden, welches eine
Lagerhalle war und ebenerdig noch ist. Wir leben im 1. Stock auf
160m². Der untere Teil ist verpachtet, wobei auch das Erdgeschoß
meiner Oma und meiner Mutter verpachtet ist.
Meinen ersten Stock sollte ich dazumals geschenkt bekommen,
aber durch Erbschaftsstreitigkeiten zwischen meiner Mutter und
meiner Tante, mußte meine Tante ausbezahlt werden wo ich
einiges mitbezahlt habe und deshalb bekam ich das Erdgeschoß
mitübertragen.
Die Pacht hat immer meine Oma bekommen. Wir haben den
gemeinschaftlichen Garten wunderbar hergerichtet mit Pool etc.

 Das eigentliche Problem ist:
Als wir nochmals heirateten ( meine Oma hat oft gesagt, wir sollen
wieder heiraten etc) haben wir es keinen gesagt, da wir die Feier
für uns alleine haben wollten und uns ausmachten, daß wir dann
für die Familie kirchlich heiraten.Natürlich haben wir erwartet, daß
die Familie etwas beileidigt sein würde, aber dann kam der
Hammer. Meine Mutter stellte fest wegen dieser "Schweinerei" hat
sie keine Kinder und Enkelkinder mehr und meine kleine
Schwester wurde hinausgeschmissen (sie ist Studentin) weil sie
meine Trauzeugin war.

In der Zwischenzeit ist der Streit wahnsinnig eskaliert und wir
wollen das Haus verkaufen.Mit meiner Mutter (ist wie damals) nicht
mehr zu reden, sie behauptet, daß ich kriminell bin, da ich mich in
dieses Haus eingeschlichen habe, ...., meine Mann hat mich nur
unter der Auflage geheiratet, daß ich dieses Haus verkaufe und so
weiter. Wir haben bis jetzt ca.700.000.- Mark in dieses 'Haus
gesteckt und ich bekomme nur mehr einen Teil davon heraus. Jetzt
verlangen sie (Mutter und Oma) ich muß die Lagerhalle
rückübertragen (das Erdgeschoß) und darf es dem jetztigen
Pächter nicht verkaufen, da die Liegenschaft sonst für einen
Betrieb  wertlos ist. Nur meine obere Wohnung kann ich nur mit
erheblichen Wertverlust verkaufen, da unter mir ein Betrieb ist. Den
Wert bekomme ich nur wenn der Pächter alles kauft.

Meine Großmutter ruft mich an und droht sich umzubringen wenn
ich dieses Haus verkaufe und so weiter.
Ich will aber nur mehr weg damit die Einmischungen (wegen denen
wir oft streiten) endlich ein Ende haben.Wie gesagt mit meiner
Mutter kann man nicht mehr reden und ich habe Gespräche mit
angehört, das sie mir wünscht, daß meine Mann mich schlägt und
betrügt(hat er nie getan) damit es mir schlecht
 geht, weil ich so gemein bin und verkaufen will, aber ich will ja
wegen ihren dauernden Attaken verkaufen.

Ich habe das Gefühl, das sie mich richtig haßt.Sie ist übrigens
immer ihren Weg gegegangen und hat sich von ihren Kindern nicht
aufhalten lassen, auch meine Schwester wuchs bei meiner Oma
auf und auf die Enkerl hat sie nur aufgepaßt, wenn sie es gefreut
hat, sie macht zur Zeit ihr zweites Studium
 (übrigens Psychologie) und muß nach ihren Aussagen (vor diesem
Streit) auf sich schauen und ihr eigenes Leben leben. Warum darf
ich dann keine eigenes Leben in Frieden leben?

Ich fühle mich von den Selbstmorddrohnungen meiner Oma sehr
stark unter Druck gesetzt und habe gehört wie meine Mutter zu ihr
sagte, sie darf nicht mit mir streiten sondern soll ganz lieb sein,
damit ich das Haus rückübertrage.
In welchen Spiel sitze ich da drinnen????
Vielen Dank
Anrede mit Elisabeth, danke

Liebe Elisabeth,
haben Sie herzlichen Dank für die Schilderung Ihres "Kernfamilien-Problems"!
Ich finde, Sie sind eine sehr gute Tochter und eine sehr tüchtige Frau
und Mutter. Aus der nüchternen und nicht humorlosen Art, wie Sie sich
ausdrücken, sowie aus dem, was Sie bisher, ohne sich groß zu beklagen,
erlebt haben, schließe ich auf eine lebenstüchtige, rücksichtsvolle und starke Frau.
Sie fragen sich, in welchem Spiel Sie da drinnen sitzen? Nun, das Spiel scheint zu heißen:
"Machst Du, was ich will, dann dulde ich Dich. Machst Du nicht, was´ich will, dann verstoße ich Dich!"
Jetzt brauchen Sie sich nur noch Ihre Frau Mutter zu denken, die diesen Satz zu Ihnen sagt (bzw. das Spiel diktiert), dann verstehen Sie, was ich meine. Ihre Großmutter scheint das Spiel aber auch nicht schlecht zu beherrschen!
Aus meiner Sicht sind Sie (auch wegen der finanziellen Zusammenhänge) noch etwas zu stark an Ihre Herkunftsfamilie gebunden. Das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes. Aber wenn die  Bindung an die
Herkunftsfamilie ausgebeutet wird oder erpresserisch ausgenutzt wird (wenn also Ihre Oma mit Selbstmord droht oder Ihre Mutter Sie unerträglich "mobbt"), sollte man einen gesunden Egoismus an den Tag
legen und sagen: Wenn sich jemand umbringen will, kann ich es sowieso nicht verhindern! Jeder ist machmal auch für sich selbst ganz alleine verantwortlich.
Liebe Elisabeth, ich rate damit nicht zur Rücksichtslosigkeit oder zum krassen Egoismus. Ich rate nur dazu, das zu tun, was für Ihre wirkliche Kernfamilie (Sie, Ihr Mann und Ihre 2 Kinder) am besten ist.
Es kommt nicht so sehr auf Ihre Herkunftsfamilie an, sondern auf Ihre jetzige Kernfamilie. Es ist vielleicht kein Zufall, dass Sie in Ihrem Brief diese beiden Begriffe verwechselt haben. Ihre Kernfamilie, das
sind eben Sie, Ihre Kinder und Ihr Mann. Das andere ist Ihre Herkunftsfamilie. Und die sollten Sie nun langsam hinter sich lassen. Im Vordergrund muss nun Ihre Kernfamilie stehen. Gute Eltern aus der Herkunftsfamilie verstehen und unterstützen das!
Verkaufen Sie ruhig, was Ihnen gehört und investieren Sie es in Ihre Kernfamilie. Die vorübergehende gekränkte Reaktion Ihrer Mutter und Ihrer Großmutter nehmen Sie seufzend in Kauf. Ihre eigene kleine Familie ist auf Dauer eben wichtiger.
Nur Mut wünscht Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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