Sehr geehrter Herr Schmidt,

ich bin ein 28 Jahre alter Student und lebe seit 1,5 Jahren mit meiner
Partnerin in unserem gemeinsamen Haushalt. Meine Partnerin leidet unter
meinem Übergewicht, worauf hin ich schon mehrfach versucht habe, dieses
zu reduzieren, insbesondere durch Verzicht auf Süssigkeiten, einer
Ernährungsumstellungen usw. Nun ist mir aber aufgefallen, daß ich gar
nicht wirklich Verzichte, sondern den Konsum nur nicht mehr wahrnehme.
Bei Abenden mit Freunden greif ich durchaus zu, ohne daß es mir wirklich
bewusst wird, was ich da tue. Und so hab ich mir auch zuhause heute eine
Süssigkeit gegönnt (auch wenn ich gar nicht mehr sagen kann, wann und
wie). Als meine Partnerin dann nach dem Verbleib fragte, wusste ich im
ersten Moment nicht, wovon sie sprach. Nun hält sie mich für einen
Lügner, und unsere Beziehung scheint vor dem Aus zu stehen. Tatsache
ist, daß mir das zu dem Zeitpunkt gar nicht bewusst war, und ich sie
nicht beabsichtigt belogen habe.
Nun ist mir bewusst geworden, daß ich tatsächlich viele Dinge verdränge,
z.b. durch ausschweifenden Computerkonsum. Ich verdränge sowohl mein
fehlendes Durchhaltevermögen bei der Gewichtsreduzierung, als auch
sämtliche anderen meiner Probleme. (Geld, Uni...). Tatsächlich neheme
ich mir etwas vor, und schieb es dann solange vor mir her, bis es keine
Bedeutung mehr hat und unter den Tisch fällt.

Meine Partnerin ist sich dieser Probleme schon länger Bewusst und hat
diese auch angesprochen, ich jedoch habe die Situation nicht als so
ernst wahrgenommen. Nun wird mir aber bewusst, daß ich ein ernsthaftes
Problem habe, daß mich wohl auch meine Beziehung kosten wird.In den
letzen Wochen haben sich ein Teil der Probleme (z.b. Ordung im Haushalt)
Schon deutlich gebessert, aber die Gewichtsprobleme in keinster Weise.
Was kann ich tun, um zum einen diese Probleme in den Griff zu bekommen
(insbesondere die Verdrängung von Problemen und das Aufschieben
irgendwelcher (teils wichtiger) Angelegenheiten) und zum anderen meine
Beziehung "retten"?

Mit freundlichen Grüßen

H

Lieber H,
vielen Dank für ihren Brief! Sie sollten aus meiner Sicht eine Psychotherapie machen, vielleicht eine Verhaltenstherapie. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse danach oder rufen Sie zur Abrechnung mit der Kasse zugelassene Verhaltenstherapeuten an.

Dabei würden Sie lernen können, besser auf sich und Ihre Umwelt zu achten, bewusster zu leben und mehr reife Verantwortung für sich zu übernehmen. Sie verhalten sich insgesamt offenbar noch eher wie ein verwöhntes (oder vernachlässigtes?) Kind, nicht wie ein wirklich selbstverantwortlicher junger Erwachsener. Deshalb sind Sie vielleicht in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung noch nicht reif genug für Ihre Partnerin. Aber daran können Sie etwas ändern.
Ich wünsche Ihnen dabei viel Kraft und Selbstdisziplin!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt