| Lieber Herr Schmidt, das Leben wäre langweilig ohne Probleme, aber dieses Problem schafft mich völlig !!!! Meine Frau hat sich vor ca. 6 Monate von mir getrennt. Der Grund sie würde mich nicht mehr lieben !!!! Und nun alles der Reihe nach: Meine Frau und ich kennen uns schon 18 Jahre (sie ist 34 und ich 35 Jahre), wir sind verheiratet seit 14 Jahren verheiratet und haben 2 Kinder (11 und 13 Jahren) sind beide berufstätig (sie arbeitet halbtags und ich bin selbstständig) kurzum eine reine Jugendliebe. Wir sind beide absolute Familienmenschen, (gehen voll in der Familie auf) wir verbrachten viel Zeit miteinander, (radfahren, wandern, schwimmen, reisen etc.) trotz meiner vielen Arbeit. Ich nahm mir immer die Zeit und unterstützte meine Frau immer (kochen, Wäsche zusammenlegen, putzen) damit wir immer noch Zeit füreinander hatten. Doch sie distanzierte sich von mir und ich merkte es nicht sofort, (ich hatte mir sooo viel arbeit aufgehalst) zu bemerken ist sie hat eine neue Arbeitsstelle angefangen (60 %) und kam damit nicht zurecht und ich machte gerade eine 2 jährige Meisterfortbildung (nebenberuflich) Dann gestand sie mir einen Seitensprung im letzten Sommer und meine Welt stürzte ein. Ich gebe zu, durch die o.g. Belastungen kam der Sex zu kurz, bzw. sie lies auch keine Zärtlichkeit zu, trotz meiner Bemühungen. Wir beschlossen zusammen zubleiben, (leider wollte sie keine Eheberatung) die Familienharmonie ging weiter, aber nicht in der Partnerschaft. (Zärtlichkeit ja, Sex nein) Meine Kindheit war harmonisch, gefühls- und familienbetont, die Kindheit meiner Frau gerade das Gegenteil (das Verhältnis zu Ihren Eltern ist nicht überragend, fühlte sich vernachlässigt und Geldprobleme gabs auch ständig, geredet wurde nur oberflächlich und ihre Schwester bevorzugt (bis heute). Zu meinen Eltern hat sie auch kein besonderes Verhältnis. Es kam, wie es kommen musste, am 10.12.2002 hat sie mir die Partnerschaft gekündigt. Im Januar 2003 ist sie in eine eigene Wohnung gezogen. Und ein guter Bekannter (auch geschieden und hat zwei Kinder) ist jetzt ihr Freund. Für meine Kinder und mich begang daraufhin eine schwere Zeit, nichts war mehr so wie es mal war. Zu bemerken sein noch, wir teilen uns die Betreuung der Kinder. Zwei Wochen schlafen sie bei Ihr und zwei bei mir, im wöchentlichen Wechsel. Essen aber an verschiedenen Tagen mal bei mir oder bei Ihr. Ich merke das meine Frau verliebt ist, ist aber nicht glücklich, weil ihr alle anderen Eigenschaft fehlen. (Aussage von ihr) (sie heult jedesmal wenn sie bei mir ist oder wenn ich die Kinder hole) Sie sagt sie könne nicht alleine sein, sie sieht in mir den idealen Vater (stimmt, ich würde meine Kinder um keinen Preis hergeben) und Ehemann, aber sie liebt mich nicht mehr. (manchmal sagt sie auch ihre Gefühle sind durcheinander) Sie vermisst die ganzen Aktivitäten die wir an den Wochenenden unternommen haben, die unendlichen Kaffeepausen die wir gemacht haben, die vielen schönen Stunden die wir verbracht haben. Ich liebe meine Frau trotz allem immer noch !!! Die Kinder sind völlig am Ende mein Sohn möchte nur noch sterben oder in eine Nervenheilanstalt, meine Tochter blockt ab, Mami ist selber schuld. Unsere Kinder wollen nur noch bei mir bleiben, weil sie meine Frau zu Unternehmungen mit Ihrem neuen Freund und dessen Kinder zwingt. (meine Kinder können ihn und die Kinder nicht ausstehen, war schon immer so, auch vorher) Ich versuche mein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, unternehme nach wie vor viel mit den Kindern. (die Kinder und ich werden durch eine Beratungsstelle betreut) Aber meine Frau schafft es nicht, sie sucht den Kontakt nachwievor zu mir, hat bereits einen Autounfall gebaut, einen Reifen zerfahren, 3 Strafzettel kassiert, bekommt es mit ihrer Arbeit überhaupt nicht mehr auf die Reihe. Ich versuche Abstand von ihr zu halten, um ihr die nötige Zeit für Überlegungen über unsere Beziehung zu geben, nur an einer Freundschaft zu ihr, habe ich kein Interesse. Ich weiß nicht mehr weiter, wie lange soll ich warten, wann soll ich an mich denken, hätte eine Beziehung noch eine Chance, wenn ja mit welchen Voraussetzungen ???? Für Ihre Antwort im voraus besten Dank. M. |
Lieber M.,
vielen Dank für Ihren Brief! Das ist insgesamt eine wirklich
sehr schwere Zeit für Sie, Ihre Frau und Ihre Kinder! So, wie
Sie es darstellen, wirkt alles wie eine ganz individuelle
Lebenskrise Ihrer Frau. Es ist so ähnlich, als litte Ihre Frau
an einer körperlichen Krankheit, die es erschwert oder
unmöglich macht, ihre normale Rolle als Mutter und Ehepartner
wie gewohnt auszufüllen. Nur ist es eben keine körperliche,
sondern eine seelische Störung. Wie gesagt, die Objektivität
Ihres Berichts vorausgesetzt.
Ihre Frau befindet sich demnach in einer tiefen seelischen Krise,
in der Sie nur so helfen können, dass Sie mit sehr viel Geduld
und Liebe darauf warten, bis sie wieder "zur Vernunft"
kommt und ihre Krise überwunden hat. Dabei müssen Sie
natürlich nicht alles widerspruchslos hinnehmen. Vor allem, wenn
Ihre Kinder betroffen sind, sollten Sie knallharte Grenzen
setzen. Wenn die Kinder z.B. irgendwelche Unternehmungen mit dem
"neuen" Partner Ihrer Frau nicht mitmachen wollen,
sollten Sie sich auf die Seite der Kinder setzen und Ihrer Frau
verdeutlichen, dass dies so nicht geht. Bevor sie sich nicht
selber endgültig klar darüber ist, wie ihre Zukunft aussieht,
sollte sie die Kinder gar nicht in Kontakt bringen mit dem neuen
Partner. Das kann die Kinder doch nur in große Konflikte
stürzen.
Ihre Frau bräuchte eigentlich psychotherapeutische Hilfe in ihrer Krise. Aber, wie Sie schon richtig anmerken, wird sie das derzeit nicht selber einsehen, und damit hat eine Psychotherapie natürlich auch keine Erfolgsaussichten. Sie können mit Ihrer Frau natürlich auch eine Frist vereinbaren, indem Sie vorschlagen (nicht drohen!!!), dass sie sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt endgültig und eindeutig entscheiden muss, wie es weitergehen soll (mit Ihnen oder mit dem neuen Partner). Das können und sollten Sie verlangen, denn eine Ende mit Schrecken ist meist besser (vor allem für Kinder), als ein Schrecken ohne Ende.
Ich vermute aber (und hoffe es für Sie und
Ihre Kinder), dass Ihre Frau sich bald "ausgetobt"
haben wird und ihre Lebenskrise überwindet.
Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt