Sehr geehrter Herr Schmidt,

ich möchte mich an sie wenden, weil ich mit meinen Problemen nicht mehr weiter
weis, und mich auch mit keinem darüber aussprechen kann.
Meine Frau und ich sind 25 Jahre verheiratet und haben 7 Kinder, die kleinste
ist 4 Jahre. Unser größter Sohn ist 24 und studiert.
 Die Probleme habe ich mit dem 2. Sohn R, er ist 22 Jahre alt. Nach der Zeit beim Bund begann er die
Fachoberschule, welche er jedoch nicht schaffte, da er öfter die Schule
bummelte. Nun ist er Arbeitslos, lungert nur noch zu Hause rum und es giebt
ständig Streit mit ihm. Wir wohnen in einem eigenen Haus, und da ich schwer
Herzkrank bin kann ich fast keine belastenden Arbeiten ausführen, er sieht keine
Arbeit von alleine, paßt ihm etwas im Tagesablauf der Familie nicht, brüllt er,
beleidigt seine Eltern sogar vor den kleinen Kindern, nun hat er eine
13.Jährige!!! Freundin mit der er ständig unterwegs ist und macht fast garnichts
mehr zu Hause. Aber er will seine Wäsche gewaschen haben, will sein eigenes
Zimmer haben, sein Essen und alle anderen Vorteile,(er liegt oft mal mit dem
Trabant im Graben, und möchte dann rausgezogen werden) und das möglichst alles
kostenlos, denn wenn er zum Haushalt finanziell etwas beitragen soll geht der
ganze Zoff von vorne los, dann werden wir beschimpft und beleidigt. (meine Frau
bekommt Arbeitslosenhilfe und ich wenig EU Rente).
Auch der 3 Sohn O. beleidigt und beschimpft uns vor den Kindern (dummes
Schwein, du hast doch kein Gehirn ist noch das harmloseste) außerdem Telefoniert
er Stundenlang uvm.

Nun ist der Punkt wo ich nicht mehr weis, was ich machen soll. Ich habe Rene
schon mehrmals aufgefordert sein Leben in die Hand zu nehmen, sich eine Wohnung
und endlich mal Arbeit zu suchen, aber ständig drängt sich meine Frau dazwischen
das das arme Kind alleine nicht bestehen kann und untergeht, diese übertriebene
Mütterlichkeit zeigt sie auch den anderen großen Kindern gegenüber, sie schließt
alle Versicherungen ab, läuft zum Steuerberater uvm. wohlgemerkt für die
erwachsenen Kinder, das ich aber seelisch und gesundheitlich an diesen Umständen
und ständigen Streitereien kaputtgehe scheint Sie zu übersehen.Ich liebe meine
Frau ( wir haben anlässlich unserer Silberhochzeit unsere kirchliche Trauung
nach 25 Jahren nachgeholt) bin nie fremdgegangen o.ä.,aber weis einfach nicht
mehr weiter.
Ja was nun? ich hoffe sie können mir einen Rat geben, ich habe ihr nach einem
weiteren Streit vorgeschlagen das entweder Rene geht, oder ich mir eine eigene
Wohnung suche, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, dann haben es die
großen Kinder allerdings geschafft die Ehe ihrer Eltern nach 25 Jahren zu
zerstören.
mit freundlichen Grüßen und besten Dank im vorraus : S.

Lieber Herr S.,
da haben Sie ja wirklich einige Sorgen in Ihrer Familie! Obwohl Ihnen die Söhne derzeit die meisten Probleme mit ihrem rücksichtslosen und verwöhnten Verhalten machen, liegt das Hauptproblem aber wohl bei Ihrer lieben Frau, die die Söhne zu sehr verwöhnt. Das vermuten Sie ja selbst auch, und mir kommt es auch so vor. Natürlich stellen Sie als herzkranker und frühberenteter Familienvater auch "Verwöhnungsansprüche" an die Familie, was Ihnen möglicherweise oft nicht viel Respekt bei den Söhnen einbringen mag. Für die finanziellen Probleme in Ihrer Familie sind ja nicht in erster Linie die Kinder verantwortlich.
Ich finde, es kommt wirklich darauf an, dass Sie und Ihre Frau besser zusammenhelfen, wenn es um die Söhne geht. Wenn Sie jetzt drohen, "davon zu laufen", mag das wohl einigen positiven Druck ins Familiensystem bringen. Aber ob sich dadurch auf Dauer wirklich was verbessert? Dass Sie mal ernsthaft auf den Putz hauen, ist schon richtig, aber sie sollten dabei Ihre Frau auf keinen Fall verlieren.
Ich rate Ihnen und Ihrer Frau, eine Erziehungs- und Familien- oder Eheberatungsstelle aufzusuchen. Dort sollten Sie sich als Eltern helfen lassen dabei, wie Sie die Söhne erwachsen und selbständig kriegen, ohne dass Ihre Ehe dabei noch zerbricht. Das ist nämlich durchaus machbar. Sie und Ihre Frau müssten dabei nur besser zusammenhelfen, und dabei kann Ihnen ein professioneller Familienberater gut helfen (die Beratungsstellen arbeiten kostenfrei und unter Schweigepflicht).
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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