| Hallo, ich brauche mal Ihren rat. Letzten Sommer hat uns der Kindergarten mitgeteilt, daß unser Sohn (einziges Kind) sehr verhaltensauffällig wäre. Wir waren sehr betroffen, weil uns das so nicht aufgefallen war. Auch konnten wir uns die Gründe hierfür nicht erklären. Jedenfalls bis zu seinem Geburtstag letztes Jahr. Wir haben stress mit den Großeltern und deshalb jeden kontakt zu ihnen abgebrochen. Hinter unserem Rücken haben sie über den Kindergarten zu unserem Sohn kontakt aufgenommen. Da unser Sohn von den Streitigkeiten weiß (leider kann man nicht immer alles vor Kindern verbergen) lag nahe, daß er sich überfordert gefühlt hat und auch deshalb agressiv reagiert hat. Nach Gesprächen mit dem Kindergarten sind wir übereingekommen, daß wir falls erneut die Großeltern kontakt aufnehmen 1. unser Sohn aus der Situation geholt wird und 2. wir davon Kenntnis erhalten. Seitdem hat unser Familienleben erheblich an Qualität gewonnen (mein Mann und ich streiten fast gar nicht mehr) dieses Positive verhalten hat sich auch auf unseren Sohn übertragen. Trotzdem haben wir mit dem Kinderarzt und mit einer Homeopathin über das agressive Verhalten (er haut schnell zu wenn er nicht weiter weiß oder bombadiert seinen "Gegner" mit Schimpfwörtern wie Arschloch) Unser Sohn hat dann eine Therapie mit Lycopodium begonnen (mittlerweile haben wir die Potenz auf LM 10 erhöht). Auch der Kindergarten hat uns beim letzten Entwicklungsgespräch mitgeteilt das er zwar immer noch agressiv sei, jedoch auf dem richtigen weg und uns seine positive Seite: sehr sozial, hilfsbereit gegenüber Erzieherin und Kindern der Gruppe aufgezeit. Nun war am Freitag Familienfest von der Kindergartengruppe. Alles war gut, bis unser Sohn (leider haben wir das nicht mitbekommen) sich mit einem anderen Kind gekabbelt hat. Was wir aber sehr wohl dann mitbekommen haben als eine Mutter unseren Sohn am Arm gepackt hat daraufhin hat er sie getreten und mit Arschloch betietelt. Darauf habe ich die Mutter sofort gebeten unseren Sohn unverzüglich loszulassen. Aus der Bewegung heraus schleuderte sie mir unseren Sohn in die Arme und sagte nur tolle Erziehung. Das diese Frau sich nicht richtig verhalten hat ist eine sache. Doch was mir zu denken gegeben hat, war das meine Freundin mir erzählte, das sich die darumstehenden Kinder emotionslos darüber unterhalten haben und meinten wieso René ist doch immer so. Hat unser Sohn nun schon einen negativen Stempel aufgedrückt bekommen? Haben die Erzieherinnen seine Agressivität herunter gespielt? Ein Vater hat mir letzte Woche berichtet, das unser Sohn durch eine banale Kleinigkeit ein anderes Kind hatte ihn aus Spaß am arm geboxt total überreagiert hat und auf den anderen losgehen wollte, was der Vater aber verhinderte indem er unserem Sohn erklärte das das von dem Kleinen Josh doch nur Spaß war und er ihm nicht wehtun wollte. Er beschrieb das Verhalten so als ob bei unserem Sohn eine Sicherung durchgegangen ist und total am ausrasten war, was er dann ja gut geschlichtet hat. Wie sollen wir uns verhalten? Sollten wir den Vorfall auf dem Fest auf sich beruhen lassen oder gemeinsam mit den Erzieherinnen aufarbeiten? Wie können wir unserem Sohn noch mehr unterstützen, das er sein Verhalten positiv verändert? Mit freundlichen Grüßen |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Ihr Sohnemann hat durch bisherige
ernste familiäre Störungen (Großeltern-Eltern-Konflikte;
Konflikte zwischen den Eltern) seelischen Schaden gelitten, was
Ihnen in seinem Umfang bisher wahrscheinlich noch nicht so
richtig klar geworden ist. Da hilft kein Bärlappkraut (Lycopodium),
da hilft nur, die Erziehung umzustellen, indem Sie die bisherigen
Erziehungsfehler und familiären Störungen, die Ihren Sohn
belasten und belastet haben, bewältigen. Und das werden Sie wohl
nicht allein schaffen, weshalb Sie am besten Ihre
Erziehungsberatungsstelle zu Rate ziehen sollten.
Viel Erfolg dabei!
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt