| Hallo, mein Name ist Simone, durch Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen und ich muss sagen ich fühle mich hier gut aufgehoben, so dass ich auch mal über meine Probleme sprechen kann. Mein Sohn ist jetzt 13 Jahre alt und das beste was mir im Leben passieren konnte. Mein Sohn M. hat schon eine Menge durchgemacht. Sicher aus Unsicherheit und Fehlern seiner Mutter stammend. M. ist im Jahre 1988 geboren und wuchs eigentlich nur in der Geborgenheit seiner Mutter auf. Sein Vater wohnte zwar mit uns zusammen, war aber Alkoholiker und so waren Streit und Ängste immer unser Begleiter. Als er 5 war, entschied ich mich zur Trennung und machte den ersten großen Fehler, ich setzte ihm einen Mann vor der Nase, der jetzt sein Papa sein sollte.Der richtige Papa war in der Zwischenzeit verstorben. Ich wollte meinem Kind eine richtige Familie bieten und auf diesem Weg habe ich meinem Sohn viel abverlangt. Er verstand sich nicht mit dem neuen Mann und auch nicht mit dem nächsten, den ich nach 3 Jahren geheiratet habe. Es kam immer wieder zu Reiberein, die mich viel Nerven gekostet haben,da ich mich immer schützend vor mein Kind gestellt habe.Mag sein dass Martin nach allem hin und her keinen anderen mehr akzeptieren wollte und so manchesmal uns gegeneinander ausgespielt hat!lch weiß nur dass er unglücklich war und mit 11 immer noch Bettnässer.Seit einem halben Jahr nun wohnen wir mit der Liebe meines Lebens zusammen.Endlich kommt er zur Ruhe,hat ein treuen Freund in meinem jetzigen Partner gefunden,das Bettnässen hat aufgehört,seine Mutter fühlt sich endlich mal zuhause und alles könnte so schön sein. Der Umzug ging aber leider nicht spurlos an ihm vorbei. So sind die Schulanforderungen von Brandenburg nach NRW ganz andere .Bisher war er ein 1 Schüler Jetzt sind wir froh dass er nicht sitzenbleibt,ich weiß, dass er darunter leidet und wir sprechen viel darüber,im Englischunterricht hat er einen Nachhilfelehrer bekommen so das er die Lücke schnell aufholen kann. In der Klasse gab es erst viel Arger, aber ich glaube das hat sich nun auch gelegt,er spielt Handball und singt im Chor und das verbindet mit den Klassenkameraden. Nur zu hause gibt es gelegentlich ganz schönen Arger. Er ist immer Kontra, gibt ungezogene Antworten, hat immer das letzte Wort,die ihm gestellten Aufgaben im täglichen Bereich wie mal die Küche machen oder Flur fegen erfüllt er nur mit Murren und Knurren und nach mehrmaliger Aufforderungen, manchmal wenn im was nicht passt wird er wütend und aggressiv,ist am liebsten in seinem Zimmer und will nicht mal reden,er zieht sich förmlich zurück,manchmal denke ich er wartet nur auf eine Bestrafung obwohl ich lieber über alles reden möchte und wissen will was ihn ihm vor geht.Ich möchte nicht das es ihm schlecht geht und ich spüre wenn er Probleme hat aber er wendet sich ab, stellt irgendwas an und wartet dass ich sauer werde . So kann er wenigstens auf sein Zimmer und hat seine Ruhe. Bin ich eine Ubermutter? Mein Partner gibt sich wirklich viel Mühe mit dem Kind,er ist für ihn da wenn er Probleme hat,spielt mit ihm Computer oder anderes,er gibt im wirklich das Gefühl das er geliebt wird und ich weiß das es auch so ist. Doch manchmal reizt Martin ihn zu Weißglut und wenn er das wieder geschafft hat und ich mich dann auch noch mit meinem Partner streite sitzt er da und sagt: ja ich weiß, ich bin Schuld,hört auf Euch zu streiten,ich sag und mache ja alles was ihr wollt. Wie soll ich das verstehen,was kann ich für meinen Sohn und auch für meine Partnerschaft tun, damit es nicht immer eskaliert? Vielen Dank. |
Liebe Simone,
vielen Dank für Ihren Brief! Beim Lesen bekomme ich den
Eindruck, dass Sie Ihren Sohnemann schon recht früh ein bisschen
zu sehr (wohl auch aus Schuldgefühlen oder Mitleid wegen der
unglücklichen Familiensituation) vergöttert und vielleicht
unbewusst als Partnerersatz in Ihrer unglücklichen ersten Ehe
genommen haben. Jedenfalls scheinen Sie immer sehr stark um das
Seelenleben Ihres Sohnes bemüht gewesen zu sein. Die Beziehung
zwischen Ihnen und Ihrem Sohn war wohl immer sehr eng. Das ist ja
grundsätzlich sehr lobenswert, solange es nicht übetrieben wird
und nicht mit der Zeit immer mehr nachlässt.
Wenn diese meine Vermutung stimmt, wird das Verhalten Ihres
Sohnes verständlich: Jeder Ihrer Partner bedeutet ja dann für
ihn eine Gefährdung seiner engen Beziehung zu seiner Mutter,
deren alleiniger und ausschließlicher Prinz er doch bleiben
will. Und anstatt ihm diese "Zumutungen" guten
Gewissens zuzumuten und ganz selbstverständlich davon
auszugehen, dass er sich schon einfinden wird, hatten Sie
wahrscheinlich immer wieder Schuldgefühle ihm gegenüber, wenn
Sie einen Partner einführten.
Damit sollte nun aus meiner Sicht langsam Schluss sein.
Sie brauchen keinerlei Schuldgefühle Ihrem Sohn gegenüber mehr
zu haben. Sie haben ihm nichts Unzumutbares zugemutet. Sie
können nun langsam erwarten, dass er aus seiner Prinzenrolle
herausfindet und sich in die Rolle des Kindes/Sohnes, der es
akzeptiert, dass seine Mutter einen anderen Mann liebt,
hineinfindet. Hören Sie und Ihr Partner also langsam auf, den
Sohn zu verwöhnen, indem Sie allzu sehr auf seine Launen und
seine Ansprüchlichkeiten eingehen. Er soll nicht immer die
Nummer 1 sein.
Also: Sie sollten aufhören, sich solche Fragen zu stellen:
"Was kann ich für meinen Sohn tun?" Sie tun bereits
und schon immer sehr viel für ihn. Kümmern Sie sich stattdessen
nun ausgiebig um Ihre Partnerschaft und zeigen Sie Ihrem Sohn
manchmal, dass er erst an zweiter Stelle kommt, dass er sich
anpassen muss. Wenn er darauf mit verstärktem Eigenwillen und
"Prinzengehabe" reagiert, ignorieren Sie es einfach.
Lassen Sie sich nicht mehr auf lange und intensive Gespräche mit
ihm ein (das bindet ihn nur wieder zu eng an Sie und betont seine
Prinzenrolle). Kinder wie Ihr Sohn wollen lieber unangenehm
auffallen oder Anlass für Streit sein, als ins Glied zurück zu
treten und sich daran anzupassen, dass die Mutter und ihr Partner
eine enge Beziehung haben, zwischen die sie nicht mehr kommen
können. Aber genau das muss er mit Hilfe Ihrer Konsequenz noch
lernen.
Mit freundlichem Gruß, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt