| Hallo,
ich bin sechundzwanzig Jahre alt und habe das Gefühlt mein Leben ist schon gescheitert. Ich habe das Gefühl, alles erreicht zu haben, was ich nie erreichen wollte. Ich lebe seit einem Jahr mit einem 33 jährigen Mann zusammen. Wir kannten uns erst vier Wochen bis wir zusammen gezogen sind. Ich habe meine Wohnung aufgegeben, meinen Job wechseln müssen durch den Ortswechsel und habe im Laufe des Zusammenlebens erfahren, dass er 2 Kinder hat, geschieden ist, zu viel Alkohol trinkt, erhebliche Schulden hat und mich nach 6 wöchiger Beziehung verleugnet hat um mit einer anderen "anzubändeln". Trotzdessen bin ich geblieben. Jetzt wohne ich in einem Ort, in dem ich keinerlei Kontakte habe. Ich habe meinen Job nach 3 Monaten, in der Probzeit verloren und bin zum ersten mal Arbeitslos. Ich habe kein Auto, keinen Führerschein und habe somit auch nicht die Möglichkeit einfach mal weg zu fahren. Ich habe keine Hobbys, ich fühle mich antriebslos, ich fühle mich schwach. Mein Partner hat mich von all den vorherig erläuterten Punkten, nicht unterrichtet. Ich habe das Gefühl, seine Sklavin zu sein. Ich gehe nicht mehr raus. Ich lache nicht mehr ... ich stehe auf einem Abstellgleis. Psychopharmika habe ich verschrieben bekommen, will sie jedoch nicht nehmen. Seit 2 Monaten weiß ich, dass ich Krebspatient bin, letzte Woche hat man einen arrythmische Tachykardie (Herzrythmusstörungen) festgestellt, das liegt zudem auf meiner Seele! Wie komme ich hier raus? Wo fange ich an? Was soll ich tun? Wie finde ich den Antrieb, der mir verloren gegangen ist? Vielen Dank für Ihre Hilfe! |
Hallo,
Vielen Dank für Ihren Brief! Ich finde, Sie sollten sich nicht
länger so willenlos treiben lassen. Was ist los mit Ihnen, wo
ist Ihre Selbstachtung? So lieb- und saftlos können Sie doch
nicht länger mit sich umgehen! Geben Sie sich einen Ruck,
verlassen Sie den Partner und gehen Sie zurück "nach
Hause". Ich vermute, dass Sie eine Herkunftsfamilie haben
mit Eltern und/oder Geschwistern. Dorthin gehen Sie vorerst am
Besten zurück und fangen noch einmal neu an! Zu diesem Neuanfang
sollte gehören, dass Sie in eine Lebensberatungsstelle oder zu
einem Psychotherapeuten gehen und sich seelische Unterstützung
dabei holen, Ihre "Vergangenheit" zu bearbeiten,
verstehen und überwinden zu lernen und zu neuen Ufern aufbrechen
zu können. Suchen Sie sich eine neue Arbeit, und fallen Sie
nicht wieder sofort und unkritisch auf den erstbesten Typen
herein, der Ihnen schön kommt. Bevor man mit einem Partner
zusammenzieht oder sogar an seinen Wohnort wechselt, sollte man
sich genau kennengelernt haben, und das braucht Zeit. Auf jeden
Fall haben Sie doch einen besseren Mann verdient als den
derzeitigen.
Ich glaube, Sie neigen zur Wehleidigkeit und Abhängigkeit.
Hören Sie auf zu jammern und packen Sie Ihr Schicksal
tatkräftig an. Sie haben doch noch alles vor sich! Verändern
und verbessern Sie Ihr Leben! Es kann nur besser werden, und es
liegt allein bei Ihnen, was aus Ihnen wird. Auch Ihre Krebs- und
Herzkrankheit könnte psychisch mitbedingt sein. Wenn Sie
psychisch wieder mehr Oberwasser haben, werden Sie auch den Kampf
gegen die Krankheit viel besser bestehen können.
Ich wünsche Ihnen Tatkraft und Optimismus. In Köln nennen wir
das "Arsch huh" (Hintern hoch!)
Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt