| Sehr geehrte
Damen und Herren, mein Mann und ich haben ständig Streitigkeiten wegen meinem Haushalt. Ich bin ein Messie und behaupte von mir, daß ich alles im Griff habe. Meine Wohnung ist seit mehreren Jahren ordentlich und sauber. Mein Mann hat auch noch nie die Schlimmste Phase erlebt. Ich behaupte, daß in unserem gesamten Bekanntenkreis unsere Wohnung die sauberste ist. Doch mein Mann akzeptiert das nicht. Es kommt immer wieder zu üblen streitigkeiten. Ich habe den Eindruck immer wenn er Kummer hat, wird mein Haushalt angesprochen. Dann immer gewisse Ecken, die mit einem 2 jährigen Kleinkind durchaus vertretbar sind, da sie in meinen Augen nicht schlimm sind. Er pauschaliesiert das aber alles und wirft alles über einen Kamm. Wenn mal das Geschirr vom Mittagessen noch nicht gespült ist, wenn er von der Arbeit kommt (und das kommt so gut wie nie vor) und er hat dann schlechte laune, dann wird mir vorgeworfen ich hätte den ganzen Tag nichts gemacht. Die gesamt Wohnung kann dann glänzen, das ist egal. Ich erinnere mich an eine Situation, an den er mal einen Fussel auf dem Boden "gefunden hatte". Darauf hin gab es eine Diskusion vom aller feinsten. Ich hatte an diesen Tag 4 Stunden geschrubbt. Er warf mir vor, daß das nicht stimmte. Er warf mir Dinge vor, wie ich solle die Türrahmen säubern. Ich tue das täglich, da mit einem Kleinen Kind und weißen Türen mal alles sieht. Also auf meinen Türen befand sich kein Dreck. Ich halte das auf langer Sicht nicht mehr aus. Als er mich kennen gelernt hatte, war ich sicherlich noch etwas Chaotisch. Da hatte er in meinen Augen auch Gründe sich nicht wohl zu fühlen. Ich besserte mich von Jahr zu Jahr wurde ich ordentlicher und sauberer. Doch unsere Streitigkeiten bleiben die gleiche. Ich rede sehr häufig mit einer Freundin von mir und die bestätigt mir daß er keinen Grund hat mich so zu schikanieren. Mein Mann und ich sind allerdings leider nicht in der Lage mit einander zu reden. Entweder wir reden an einander Vorbei, oder er ist so stur nichts zugeben zu wollen. Es läge alles nur an mir und wenn ich nur wollte dann.... usw. Selbst wenn wir über ein anderes Thema streiten führ es immer wieder auf meinen Haushalt. Wenn ich mich vernachlässigt fühle, liegt es an meinen Haushalt. Letzte Woche habe ich mich spontan verabredet und bin Ausgegangen. Er hatte nichts dagegen. Eine halbe Stunde bevor ich gehen wollte kam Thema Haushalt. Der macht mich wahnsinnig damit. Er stellte z. B. den Vergleich, daß es bei meiner Freundin nie so aussehen würde wie bei uns. Bei der wäre es ordentlich. Ich habe fast einen Lachkrampf bekommen. Da ihre Wohnung der reinste Saustall ist. Die Küche steht vor Dreck. Jede freie Ablagefläche ist vollgestellt mit Sachen. Und so sieht die ganze Wohnung aus. Und er behauptet, es würde aber nicht auffallen. Sie würde auf "augenhöhe" alles wegräumen. Was soll ich davon halten. Vor allem wenn es doch nicht stimmt. Er ist auch nicht einsichtig und nicht bereit irgendwas einzusehen. Der setzt mich mit seiner Einstellung so unter Druck. Ich bekomme nach solchen Streitereien ständig solch einen Wahn, daß ich bevor er von der Arbeit kommt meine Wohnung inspieziere, wo denn noch was sein könnte was er finden könnte. Ich erinnere mich, daß er in unserer alten Wohnung im Badezimmer kleine Papierkügelchen versteckt hatte um zu gucken ob ich tatsächlich sauge. Ich habe ihm mal vorgeworfen daß er ein Problem hätte. Das stimmte natürlich nicht. Er behauptet, wenn ich mich so unter Druck fühlen würde, dann nur weil ich Schuldgefühle hätte, weil er Recht hätte. Er behauptet, daß meine Freundin den ganzen Vormittag bei mir sitze und ich deshalb nichts schaffen würde. Meine Erklärung, daß ich ja mit ihm um kurz nach 5 aufstehe und direkt anfange meine Wohnung fertig zu machen und meine Freunding bis 12 Uhr schlafe und sie dann das Haus nicht verlässt, da ihr Sohn von der Schule kommt. Ich fragte dann wann sie denn zu mir kommen könne. Kein Kommentar er bleibt dabei, daß es so ist. Was soll ich denn noch machen um endlich Frieden zuhause zu haben. Er ist so stur. Diese Situation geht mir ehrlich auf die Nerven. Ihr M |
Liebe M,
vielen Dank für Ihren anschaulichen Brief! Wenn Sie sagen, Sie
seien ein "Messie", hätten aber alles im Griff, dann
vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil Sie Ihr Mann so
kontrolliert? Das geht Ihnen zwar auf die Nerven (und ihm
wahrscheinlich in Wirklichkeit auch!), aber es hilft Ihnen
vielleicht doch, nicht zu "vermüllen", oder?
Das ist die Kernfrage: Können Sie auch ohne die penetrante
Kontrolle Ihres Mannes alles einigermaßen ordentlich halten?
Oder würden Sie "vermüllen", wenn Ihr Mann Ihnen
nicht so hinterher wäre?
Können Sie diese Frage für sich ganz offen und ehrlich
beantworten? Sie haben dann zwei Möglichkeiten:
1. Wenn es so ist, dass Sie "vermüllen", wenn Ihr Mann
nicht mehr so hinterher wäre, dann sollten Sie eine
Psychotherapie machen, um sich von dieser Verhaltensstörung
befreien zu lassen.
2. Wenn Sie aber genau so ordentlich wären, auch wenn Ihr Mann
nicht mehr so hinter Ihnen her wäre, dann sollten Sie ihm eine
ganz deutliche Grenze setzen: Wenn er nicht aufhöre, Sie zu
piesacken, würden Sie sich von ihm trennen.
Sie können mit
Ihrem Mann vereinbaren, gemeinsam herauszufinden, welche dieser
beiden Möglichkeiten zutrifft. Er soll sich einmal die nächsten
3 Monate (nicht kürzer!) streng zurückhalten und keinerlei
Kontrolle mehr ausüben, damit Sie Gelegenheit haben, alleine
zurecht zu kommen. Danach setzen Sie sich beide zusammen und
ziehen Bilanz. Wenn Sie wieder "vermüllt" sind (auch
aus Ihrer eigenen Sicht!), dann gilt oben 1.
Wenn Sie aber überwiegend Ordnung halten konnten, wird es Ihr
Mann auch erleichtert feststellen, und Sie können beide dann so
weiter machen.
Wenn Sie aber Ordnung halten konnten und Ihr Mann trotzdem noch
immer herummäkelt und Sie weiterhin "schikaniert",
dann sollte ER eine Psychotherapie machen, andernfalls gilt oben
2.
Alles Gute, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt