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geehrter Herr Schmidt, Zu unserer Familie, wir sind seit 6 Jahren geschieden und leben seit sieben Jahren getrennt.Ich bin 45 Jahre alt, meine Exfrau 40, unsere Kinder Melanie(12 Jahre ) Marcel ( 10 Jahre) leben bei meiner Exfrau.Meine Exfrau hat im Sommer 2003 Ihren langjährigen Lebenspartner geheiratet. Ich lebe auch in einer eheähnlichen Gemeinschaft . Der Kontakt zwischen meiner Ex und mir, und zwischen unseren neuen Partnern ist recht harmonisch und nicht von dummen Streitereien belastet. Ich bin von Beruf Gastronom mit einem Saisonbetrieb von März bis November und habe während dieser Periode wenig Zeit für meine Kinder. Wir versuchen aber in den Wintermonaten die Zeit wieder hereinzuholen und dann vermehrt mit meinen Kindern etwas zu unternehmen. Meine Exfrau arbeitet halbtags und kümmert sich dann Nachmittags um unsere Kinder. ( Seit Anfang letzten Jahres bauen die beiden, versuchen aber die Kinder soweit es geht mit einzubeziehen und nicht zu vernachlässigen). Nun zu den Problemen, und ich weiß gar
nicht wo ich anfangen soll: 1.
Meine beiden Kinder sind übergewichtig, Marcel mit 10
Jahren wiegt 73 Kg und ist 1,62 groß, Melanie wiegt 62
Kilo bei einer Größe von 1,58. Meine Lebensgefährtin
und ich verpflegen die Kinder hier mit schmackhaften
kalorienarmen Gericht und achten darauf, das sie auch
außerhalb der Mahlzeiten nicht unkontrolliert naschen.
das hat zur Regel den Erfolg, das sie in einer Woche bei
uns ca. 1,5-2 Kg abnehmen. Dann sind sie wieder eine
Woche bei Ihrer Mutter und kommen mit 1,5-2,5 Kg mehr
wieder zu uns. Meine Exfrau kocht
aber áuch nicht so üppig, das dies davon käme, sondern
vielmehr findet sie des öfteren in den Kinderzimmern
Packungen die von reinen Freßattacken herrühren:
Puderzucker, Zuckerstreuer, Dosenfrüchte, Papiere von
Schokoriegeln, Traubenzuckerpackungen, usw.
2. Der Diebstahl von Lebensmittel ist auch
die Regel und wenn man dann die Kinder zur Rede stellt,
bekommt man nichts als Lügen zu hören. Es will keiner
gewesen sein!! Es wird alles heimlich und ohne Fragen
gemacht und man fühlt sich hintergangen und verraten.
3. Der Diebstahl von Geld. Man
bestiehlt die Eltern , deren Partner und auch Onkel oder
Tanten. Und immer wieder wird gelogen und versucht zu
vertuschen, aber dies so stümperhaft, das sich mir
der Verdacht auftut: DIE WOLLEN ERWISCHT WERDEN !!!
Beide Kinder sind eher Intelligent und
trotzdem schaffen wir es nicht mit Vernunftargumenten
durchzudringen, man redet gegen eine Wand und kommt nicht
weiter. 4. Beide Kinder
waren wegen Ihres Übergewichts in stationärer
Behandlung im Kinderkrankenhaus in L. und wurden dort
auch Psychologisch betraut um auch andere Geschichten
Behandeln zu lassen. mein Sohn leidet daran alles was
für ihn nicht die Priorität 1 besitzt zu vergessen, und
schule hat nicht die erste Priorität. Er hatte sich aber
dennoch durch gute schulische Leistungen in der vierten
Klasse für einen Besuch des Gymnasiums qualifiziert.
Doch dort wurde er wohl ein Opfer des wesentlich
zügigeren Lerntempos, und hat aus Angst zu versagen erst
einmal alles geblockt und verleugnet. Keine Hausaufgaben,
keine Mitarbeit, kein Interesse. Die ersten Noten waren
dann die Quittung und die ersten Verweise ließen nicht
lange auf sich warten. 5. Es
folgte für uns der Besuch bei jedem einzelnen
Fachlehrer, wo wir jedesmal die gleiche Einschätzung
hörten, WENN ER WOLLTE; KÖNNTE ER AUCH. darauf hin habe
ich mich mit Ihm seit November hingesetzt und versucht
den vergangenen Stoff aufzuholen, damit er wieder eine
Perspektive sieht und sich auch wieder erfolge einstellen
können. Diese trudeln nun auch langsam ein.
6. Als sie uns beide kurz vor
Weihnachten beklauten habe ich die Weihnachtsgeschenke
für beide Kinder gestrichen, bei dieser Aktion machte
meine Exfrau leider nicht mit. Die 50 Euro meiner Eltern
für Ihren Enkel nahm ich in Verwahrung und sagte ihm wir
werden bei gekommener Zeit über deren Verwendung
sprechen. 7. letzt Woche
waren meine Kinder wieder für 3 Tage bei uns. Meine
Tochter fragte mich ob sie mit Ihren Freundinnen ins Kino
dürfe und ob ich Sie dann in der Stadt abholen würde.
Nachdem ich sichergestellt hatte, das dies auch mit
meiner Exfrau abgesprochen war gestattete ich ihr dies.
Als ich sie dann abend abholte mußte ich hören das aus
vier Mädchen nur noch zwei geworden waren und das aus
dem Kinobesuch ein Stadt Bummel wurde. Meine Tochter
hatte sich eine Handtasche, eine Handyschale und eine
neue Hose gekauft, und natürlich auch zu mittag
gegessen. Wert des verbrauchten
Geldes ca. 60-70 Euro. Ich war über diese Shopping Tour
sehr sauer, hielt aber erst meinen Mund- Als ich meine
Kinder dann bei Ihrer Mutter abgeben hatte wollte ich
diese zur Rede stellen und Sie fragen wie sie es erlauben
kann das unsere Tochter so im Vorbeigehen mal eben 60-70
Euro ausgibt. Aber dazu kam es gar nicht mehr weil mir
meine Exfrau erzählte das unsere Tochter Ihr 50 Euro
gestohlen hatte und mir ebenfalls Geld gestohlen hatte.
Mein Sohn hatte sich in diesem Zug die von mir verwahrten
50 Euro dann ebenfalls wieder angeeignet und keine Ton
darüber gesagt. So das
ist so ziemlich das ganze Problem welches wir haben und
die Angst, die eigenen Kinder zu Kriminellen zu erziehen
steckt uns im Nacken. W. |
Lieber Herr W.,
vielen Dank für Ihren Brief! Ich glaube, Ihre Vermutung, dass Ihre Kinder beim Stehlen erwischt werden wollen, trifft wirklich zu. Denn erwischt zu werden und Ärger mit den Eltern zu bekommen, bringt die Eltern immer wieder irgendwie ein wenig zusammen, zwar leider nur über die gemeinsame Sorge, aber das finden die Kinder unbewusst immer noch besser als gar keine Gemeinsamkeit der Eltern. Ärger mit den Eltern ist für Kinder das kleinere Übel im Vergleich zu desinteressierten Eltern. Sie holen sich mit dem Stehlen ersatzweise Zuwendung, die ihnen ansonsten wahrscheinlich (zumindestens subjektiv) fehlt. Im Bestehlen der Eltern drücken sie wahrscheinlich auch eine gehörige Portion unterdrückter Wut, Kränkung und Bestrafungslust den Eltern gegenüber aus. Auch die Fress- und Naschsucht ist eine Ersatzbefriedigung kindlicher Zuwendungs- und Tröstungswünsche. Besonders Ihr Sohn ist besorgniserregend adipös, Ihre Tochter nur stark übergewichtig, was aber für ein Mädchen auch schon belastend genug ist.
So aus der Sicht der Erwachsenen machen Sie und Ihre Exfrau eigentlich alles ziemlich gut mit den gemeinsamen Kindern. Dennoch sieht es in den Kindern gefühlsmäßig oft ganz anders aus. Ich würde davon ausgehen, dass Ihre Kinder die Trennung ihrer Eltern nicht überwunden haben und auch in den Jahren danach nicht auf ihre Kosten kommen. Sie, Herr W, wirken auf mich zwar wie ein fürsorglicher Vater, aber viel Zeit haben Sie aufgrund Ihrer beruflichen Situation natürlich nicht für den Alltag Ihrer Kinder. Es macht einen großen Unterschied aus, ob Eltern mit ihren Kindern den regelmäßigen Alltag verleben oder ob sie von Zeit zu Zeit ausgleichen wollen, was sie inzwischen wieder versäumt haben. Viele Scheidungskinder scheinen ihren abwesenden Besuchsvater mehr zu lieben als ihre "Alltagsmutter", weil der "Wochenend-Vater" immer ein Fun-Programm für die Kinder bereithält, während sich die Mutter auch mit den vielen Problemen die ganze Woche über abplagen muss. In Wirklichkeit hat die Mutter aber genau deshalb oft doch die tiefere und alltagserprobtere Beziehung zu den Kindern, was diese aber meist erst viele Jahre später erkennen können. Ich glaube also, Ihre Kinder wollen gerade in Ihnen als dem so wichtigen Vater nicht einen "Wochenend-Vater" (der in Ihrem Fall 3 Monate im Jahr auszugleichen versucht, was er die übrigen 9 Monate versäumt), sondern sie wollen einen "Alltagsvater". Möglicherweise lässt es Ihre Exfrau auch an konsequenter Kindererziehung mangeln, wenn sie das Naschen der Kinder nicht unter Kontrolle bringt. Erleiden die KInder bei ihrer Mutter denn irgendwelche seelischen oder erzieherischen Mängel? Wie sind die Beziehungen zum Stiefvater, von denen Sie seltsamerweise gar nichts schreiben? Zu einer unverarbeiteten Scheidungsproblematik der Kinder könnten ja auch chronische Erziehungs- und Beziehungsfehler (im Sinne von Verwöhnung, Inkonsequenz oder Vernachlässigung) bei ihrer Mutter und dem Stiefvater hinzu kommen.
Warum ziehen die Kinder nicht die nächsten Jahre einmal zu Ihnen und leben und helfen ein wenig mit in Ihrem Betrieb? Haben Sie das einmal ernsthaft erwogen und mit Ihrer Exfrau und Ihrer Partnerin besprochen? Sie wären dann sicher ein guter Alltags-Vater, wären viel näher an Ihren Kindern dran, könnten ihnen konsequenter als bisher beim Abspecken und beim Nicht-Mehr-Stehlen helfen. Sie können das alle miteinander ja z.B. für eine bestimmte Zeit (so etwa 2 Jahre fürs Erste) probieren. Danach sollte man neu planen, wie das Familienleben dann weitergeht. Ich habe damit bei Scheidungskindern sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn sie mal abwechselnd bei jedem Elternteil leben können, Kooperation aller Erwachsenen natürlich vorausgesetzt.
Ich glaube, Sie würden Ihren Kindern als Vater sehr gut tun!
Mit freundlichen Grüßen, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt