| Mein Problem ist das mich mein Partner über mehrere Jahre hinweg betrogen hat und ich Ihm einfach nicht mehr vertraue. Allerdings liebe ich ihn noch sehr und er sagt das er mich auch abgöttisch liebt und mit mir alt werden will, weil er seine Fehler sehr bereut. Ich kann mir aber nicht vorstellen das dies von Ihm ernst gemeint ist und mich früher oder später wieder betrügen wird. Ich fange jeden Tag wieder mit den Vorwürfen an, weil ich denke das er nicht nur telefoniert hat sondern auch über mehrere Jahre bei Nutten war nicht nur letztes Jahr im November, weil einfach so rufe ich dort nicht an. Ich möchte doch einfach nur die Wahrheit von Ihm hören. Immerhin hatte er als krönenden Abschluß noch ein Verhältnis über 4 Wochen mit einer Kollegin. Er selbst ist selbständiger Kurierfahrer und ist sehr selten daheim, also hat er freie Fahrt, er kann doch überall sein ohne das ich die Wahrheit erfahre. Mein Vertrauen ist auf dem Null Punkt!!! Er geht mittlerweile selbst in Therapie um seine Vergangenheit zu bewältigen und um unsere Beziehung zu retten. Laut der Theraeutin liegt es nicht an mir sondern an einem Fehler tief in seinem inneren. Er sagt er hätte sich nie vorstellen können das Ihn jemand so liebt wie ich es tue. Was soll Ich nur tun soll ich eine letzte Chance geben oder denken Sie auch das er mich belügt und es wieder tun wird? |
Wenn Ihr Partner
Ihnen beteuert, dass er Sie liebt und mit Ihnen alt werden
möchte, würde ich ihm das grundsätzlich glauben. Wenn er aber
daneben ein Problem damit hat, Ihnen treu zu sein und deswegen
sogar eine Therapie macht, erst Recht. Vielleicht verträgt er
seinen Beruf nicht und sollte ihn wechseln? Wenn er den ganzen
Tag im Büro säße, hätte er gar nicht so viele Gelegenheiten,
auf "dumme Gedanken" zu kommen. Fernfahrer haben ja
auch oft ihre "Raststätten", das bietet sich bei
solchen einsamen und unkontrollierten Jobs dann oft an.
Das gibt es ja oft, dass Partner sexuell die Abwechslung suchen,
ihren Lebenspartner deshalb aber trotzdem aufrichtig lieben.
Eheliche Treue über viele Jahre hinweg ist ja eine erstaunliche,
psychologisch eigentlich oft (nicht immer!) unmögliche Leistung.
Wenn dabei "Fehler" passieren (und bei manchen
Ehepartnern passieren die leider häufiger) ist es einerseits
nichts Verwunderliches, andererseits für den davon
"betroffenen" Ehepartner eine seelische Verletzung und
Vertrauenskrise.
Wie ist es dazu gekommen, dass Ihr Partner eine Therapie macht?
Ich finde das erstaunlich, denn die meisten Männer, die
fremdgehen, würden deswegen nicht in Therapie gehen. Meistens
bietet sich eher eine Paartherapie in solchen Fällen an, aber
das kann ich in Ihrem Fall natürlich nicht beurteilen. Wenn Ihr
Mann aber, wie ich vermute, wegen seiner "Fremdgeherei"
in Therapie ist, dann alle Achtung! Dann ist es ihm wohl ernst.
Fremdgehen alleine wäre aus meiner Sicht allerdings kein Grund
für eine Psychotherapie. Es müssten schon noch ernstere
seelische Probleme dazu kommen. Ist das bei IhremPartner der Fall?
Übrigens: Sind Sie beide gar nicht
verheiratet? Wenn nein, warum nicht? Wollten Sie oder er bisher nicht heiraten? Ich finde
nach wie vor, dass eine Eheschließung etwas über die
Ernsthaftigkeit der Beziehungsplanung aussagt.
Das kann ich aber, wie gesagt,
hier nicht genau beurteilen. Inzwischen sollten Sie aber
abwarten, wie sich Ihre Ehe weiter entwickelt. Ein gesundes
Misstrauen, wenn Sie es denn nicht übertreiben, ist sicher so
lange nötig, solange nicht längere Zeit ins Land gezogen ist,
in der Ihr Mann Ihnen treu war und Ihr Vertrauen zurückgewonnen
hat. Das liegt an ihm. Ob Sie Ihrer Ehe diese Zeit der Prüfung
und Ungewissheit geben wollen oder nicht, müssen Sie ganz allein
entscheiden.
Ich wünsche Ihnen, Ihrem Mann und Ihrer Beziehung jedenfalls
alles Gute!
Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt