| An meinem
3.5 Jahre alten Sohn wurden vor einem Monat beide Ohren Ohrenschmalzstöpsel entfernt. Nach Angaben des Ohrenarztes hatte er diese schon seit mehren Monaten, wenn nicht Jahren. Zum Untersuch kam es durch Anrat der Logopädistin, bei welcher mein Sohn seit ein paar Wochen in Behandlung seines wenig ausgebildeten Sprachvermögens ist. Mein Sohn wächst zweisprachig auf. Zuhause sprechen wir nur in Deutsch und im Kindergarten wird nur Italienisch gesprochen. Italienisch kann er bis heute nur wenige Wörter und Deutsch hat er seit seinen Eingriff grosse Fortschritte gemacht. Ausserdem hatte er seit Beginn im Kindergarten Probleme. Er will keine Geschichte hören, wehrt sich des öfteren an den Bastelarbeiten mitzumachen und ist ein sehr unruhiges Kind. Es musste von Anfang an eine Begleitperson bei ihm bleiben, um die Kindergärtnerin zu entlasten. Man hatte mir nahegelegt ihn in eine spezielle Schule für Kinder mit auffallenden Sozialverhalten zu bringen. Dagegen währe ich mich aber. Nach meiner Meinung nach liegt das tiefgreifende Problem im verzögerten Spracherwerb. Da aber nun das Problem entfernt wurde, und schon beachtliche Fortschritte zu beachten sind, möchte ich mein Kind in einen Kindergarten bringen, wo vorallem weniger als 26 Kinder zu finden sind. Ausserdem ist mein Kind zu Hause sehr umgänglich. Er kann ruhig für sich spielen und ist sehr lehrbegierig. Im Umgang mit anderen Kindern (Spielplatz, befreundete Kinder) ist er zwar sehr lebendig, aber nur weil er die anderen kopieren möchte. Ich möchte aber auch keinen Fehler machen und fühle mich sehr unsicher. Können Sie mir einen Rat geben und hatten Sie eventuell ähnliche Fälle? |
Hallo,
ich bin nicht sicher, ob die Ohrenstöpsel die alleinige Ursache
waren. Sicher kann das den Gehörgang verstopfen und das Hören
erschweren, aber möglicherweise hat Ihr Söhnchen doch noch eine
weitergehende Wahrnehmungs- bzw. sensumotorische
Entwicklungsverzögerung. Dies sollten Sie
kinderneurologisch-pädiatrisch noch einmal genau untersuchen
lassen (falls es noch nicht geschehen ist), am besten in einer
Kinderklinik oder in einem Sozialpädiatrischen Zentrum. Auditive
(mit dem Gehörsinn einhergehende) Wahrnehmungsstörungen haben
nichts mit dem Ohr selbst zu tun (obwohl es das auch gibt),
sondern mit der Verarbeitung der Hörempfindungen im Gehirn.
Sprachentwicklungsstörungen sind damit nicht selten verbunden.
Vielleicht liegen auch feinmotorische Schwächen vor, wenn er
nicht gerne bastelt. Bei Ihnen kommt noch die Zweisprachigkeit
hinzu, die fürein gesundes Kind kein Problem sein muss, aber
für sensumotorisch beeinträchtigte Kinder zusätzliche
Verzögerungen im Spracherwerb und im Sozialverhalten mit sich
bringen kann. Schwierigkeiten im Sozialverhalten findet man bei
Kindern mit solchen sensumotorischen Schwächen oft als Reaktion.
Meistens holen die
Kinder dies alles aber auf, besonders wenn man sie therapeutisch
(Ergotherapie, Logopädie; Motopädie etc.) fördert, so dass sie
nach einigen Jahren völlig unauffällig zweisprachig leben. Ihre
Idee mit einem kleineren Kindergarten ist sehr gut, vielleicht
finden Sie eine private Kindergarteninitiative. Die sind meist
bewusst kleiner, so dass nicht zu viel auf Ihren Sohn einstürzt
und die Erzieherinnen sich intensiver mit ihm befassen können.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt