| Hallo Herr
Schmidt, ich habe zunächst einmal einige Beiträge auf dieser Seite gelesen und lange überlegt, ob ich Ihnen meinen Fall schildern soll, oder nicht. Vorweg noch eins, in einem Beitrag gibt Ihnen jemand eine große Anerkennung und ich möchte mich dieser anschließen. Aber nun zu meiner Situation: Ich bin männlich, 26 Jahre jung, habe seit fast genau 5 Jahren eine Beziehung mit meiner Freundin. Wir sind nicht verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn (fast 4 Jahre). Unser Sohn ist nach einem Gutachten der Uniklinik Würzburg in seiner Entwicklung, hauptsächlich sprachlich etwas hinterher. Ich bin aber der Meinung, daß dies nicht unbedingt so richtig ist. Konkret: er kann nur Sätze mit maximal 4 - 5 Worten wiederholen. Außerdem hat er die Eigenart, immer wieder auf dem Bauch liegend zu wippen. Der Professor meinte, das wäre eine Art "Selbstbefriedigung". Das ist aber nicht mein eigentliches Problem. Mein eigentliches Problem besteht nämlich darin, daß ich immer mehr das Gefühl habe, meine Freundin will mich einfach nicht verstehen. Sie übernimmt die Erziehung unseres Sohnes, will aber gleichzeitig die Verantwortung auf mich abwälzen. Sie sagt Dinge wie ich würde mich nicht um unseren Sohn kümmern, oder ich würde nichts im Haushalt machen. Sie hält mir ständig meine Schlechtigkeiten vor, sieht aber nie die guten Seiten an mir. Mir kommt es oft so vor, als wollte sie, daß ich mich nach der Arbeit um alles weitere kümmere, um sie zu entlasten, will aber nichts dafür geben. Ich bin berufstätig, habe auch oft Streß auf der Arbeit. Sie hat bis vor kurzem eine Fortbildungsmaßnahme besucht (Halbtags). Ich bin der Meinung, sie hat in der Zeit, nach dem sie nach Hause kommt bis zu der Zeit, wo ich nach Hause komme, genug Zeit für sich, das zu tun wozu sie Lust hat. Ich aber muß meine Freizeit ständig mit meiner Familie teilen. Ich brauch' auch mal Zeit für mich. Ich weiß, mein Sohn braucht mich auch, meine Freundin auch, aber ICH brauch' mich auch mal nur für mich. Seitdem ich das Gefühl habe, in unserer Familie zu kurz zu kommen, nehme ich mir einfach die Zeit, die ich für mich brauche. Ich weiß, daß dies nicht der richtige Weg ist, aber würde ich das nicht machen, würde ich wahrscheinlich über kurz oder lang seelisch zusammenbrechen. Wenn meiner Freundin irgend etwas an mir stört, soll sie es mir sagen, habe ich mal zu ihr gesagt. Wahrscheinlich hat sie das mißverstanden, denn sie sagt es mir nicht nur, sie findet auch kein Ende mehr. Sie muß (vielleicht zwanghaft?) es mir stundenlang erzählen und bei der Gelegenheit auch noch die "ollen Kamellen" der vergangenen 5 Jahre mit aufwärmen. Außerdem kann sie einfach nicht zugeben, daß sie auch mal einen Fehler gemacht hat und sich dafür entschuldigen. Wenn es offensichtlicher nicht mehr geht, lenkt sie einfach von diesem Thema ab und "denkt" sich eine andere Unart von mir aus, die ich mal hatte, nur um nicht zugeben zu müssen, bzw. mir einzugestehen, daß ich vielleicht auch mal recht hatte. Ein Beispiel: Ich habe mal in einem Bericht im Fernsehen gesehen, daß Kinder in jungen Jahren besser bei fast völliger Dunkelheit schlafen sollten, da sich selbst, wenn die Augen geschlossen sind, die Pupillen nicht völlig entspannen können. Daraus könnten später Folgeschäden entstehen. Ich habe das meiner Freundin erzählt und mit ihr vereinbart, sollte unser Sohn nicht im Dunkeln schlafen wollen, suchen wir eine andere Lösung. Da unser Sohn einmal an einem Abend ca. 10 mal wieder aus seinem Zimmer kam, weil er Angst im Finstern hatte, hat meine Freundin kurzerhand den Rollo aufgemacht und es war taghell. Ich habe ihr zwar gesagt, daß ich es nicht in Ordnung finde, aber der Rollo blieb dann die nächsten Tage offen. Ich besorgte daraufhin ein Nachtlicht und schloß den Rollo wieder. das ging dann einige Zeit wieder gut. Bei einem Streit etwas später - ich weiß nicht mehr, um was es ging, denn es geht ja bei uns immer um alles was irgendwann einmal war - hat sie mir eiskalt gesagt, wenn ich einmal eine Woche nicht Zuhause wäre, würde sie den Rollo wieder aufmachen. Was soll ich den davon halten. Ich denke mir eben, sie will unseren Sohn alleine erziehen. Wenn ich ihr sage, was ich denke, was ich fühle, ist ihr das egal. Sie geht überhaupt nicht darauf ein. Ich denke oft, sie hört mir gar nicht mehr zu. Auf der anderen Seite will sie unsere Beziehung "retten", indem sie mir immer und immer und immer wieder das gleiche Vorhält. Sie provoziert mich jedesmal so, daß ich mir oft nicht mehr zu helfen weiß und Dinge sage, die ich nicht so meine. Wie z.B. Zieh doch aus, ich liebe dich nicht mehr, kannst ja geh'n, wenn du willst, Reisende soll man nicht aufhalten...usw. Wir wissen aber beide, daß es in der Wut zustande kam und nie so gemeint war. Ihr war es aber egal. Erst heute haben wir wieder gestritten. Ich kam so gegen 15:45 Uhr nach hause, Sie war mit unserem Sohn noch bei einer Freundin und kam ca. eine Viertelstunde später, also um 16:00 Uhr. Seit der Zeit bis um ca. 1:00 Uhr konnte sie nicht mehr aufhören, mit mir zu diskutieren. Fragen sie mich nicht nach dem Thema, denn das war anscheinend Nebensache. Mir kam es so vor, als wollte sie einfach - wie immer - das letzte Wort haben. Es ging eigentlich um die Erziehung unseres Sohnes, und wie wenig ich mich um ihn kümmern würde. Sie war wahrscheinlich der Meinung, daß ich heute keine Lust gehabt hätte, mit unserem Sohn zu spielen. Das konnte sie aber gar nicht wissen, wir hatten uns schließlich erst 1 Minute gesehen. Nun genug der vielen Worte. Meine Frage an Sie lautet einfach, wie kann ich unsere Beziehung retten, denn wir wollen eigentlich beide nicht, daß sie zu Ende geht. Sie haben in einem Beitrag geschrieben ( Ich glaube es war der erste auf dieser Seite), daß jeder für sich den Anfang machen sollte "...Sie liebe junge Mutter... bzw....Sie lieber junger Papa...) Ich habe das schon versucht, aber bisher hat es noch nicht geklappt. Ich hatte Urlaub und war den ganzen Tag zu Hause. Meinen Sohn brachte ich am Morgen in den Kindergarten, meine Freundin fuhr dann zum Praktikum. Ich habe dann am Vormittag gespült und den Müll rausgebracht, mehr gab es eigentlich nicht zu tun. Am Mittag habe ich unseren Sohn vom Kindergarten geholt und wollte noch bis seine Mama kommt auf der Wiese mit ihm Fußball spielen. Aber sie war schon daheim und hat auf uns gewartet. Meine Freundin hat Heuschnupfen und es ging ihr an diesem Tag nicht besonders gut, also bin ich mit unserem Sohn für ein paar Stunden auf den Spielplatz gefahren, damit sie sich einmal etwas ausruhen konnte. Sie hat sich nur kurz bedankt, daß ich gespült hatte. Nachdem ich dann am Abend wieder mit unserem Sohn nach Hause kam, hat sie plötzlich damit angefangen, mit mir zu diskutieren, und mir wieder vorzuhalten, was ich so alles NICHT mache, konkret: ich kümmere mich nicht um meinen Sohn, ich mache nichts im Haushalt. Also wie ich es mache, mache ich es wohl falsch!?!?! Ich könnte wohl noch stundenlang so weiterschreiben, aber ich komme nun zum Ende und bedanke mich recht herzlich bei Ihnen, daß Sie dies alles gelesen, mir also Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben und hoffe, daß sie unserer Beziehung ein wenig auf die Sprünge helfen können. Bis bald, Ihr "Mac" |
Lieber Mac,
vielen Dank für die anschauliche Schilderung Ihrer
Familiensituation! Ich finde, dafür, dass Sie (beide?) noch
ziemlich junge Eltern sind, geben Sie sich redlich alle Mühe,
ihr Familienleben gut zu gestalten und sich um den kleinen Sohn
liebevoll zu kümmern. Ich glaube überhaupt nicht, dass Sie sich
zu wenig um den Sohn und um den Haushalt kümmern. Dass Sie es
Ihrer Partnerin nicht recht machen können, hat sicher andere
Ursachen. Ich vermute, es liegt alles daran, dass Sie beide
vielleicht unerwartet oder ungeplant Ihr Kind etwas zu früh
bekommen haben. Jedenfalls sind Sie sehr jung Vater geworden (ich
vermute, Ihre Freundin ist vielleicht noch etwas jünger als Sie)
und ausserdem nicht verheiratet. Wären Sie beide noch zusammen,
wenn Sie kein Kind hätten? Das scheint mir die entscheidende
Frage für Sie beide zu sein, der Sie beide nachgehen sollten.
Ich meine damit, dass Sie die Zweierbeziehung zwischen Ihnen und
Ihrer Partnerin nicht aus den Augen verlieren dürfen bei allen
Streitereien um das Kind, den Haushalt und so weiter. Ich
empfehle Ihnen beiden einen Abend oder Nachmittag plus Abend pro
Woche, an dem Sie Ihr Kind in gute Hände geben und als Paar
etwas Schönes gemeinsam unternehmen sollten (Kino, Theater,
Lesungen, Sport, Spazieren, in einer Freundesclique sein,
Essen...). Sie sind so junge Eltern, dass es ganz wichtig für
Sie beide ist, miteinander oder auch jeder für sich in der
Freizeit ohne Kind und ohne Familie Abwechslung und Erfüllung zu
finden. Sonst geht das alltägliche Familienleben sehr schnell
auf die Nerven. Sie nehmen sich ja schon solche Auszeiten, aber
offensichtlich mit schlechtem Gewissen. Das müssen Sie
überhaupt nicht haben. Je jünger Eltern sind, umso mehr
brauchen sie noch Zeit ausserhalb der Familie, entweder als Paar
und/oder einzeln. Das sollten Sie mit Ihrer Freundin vereinbaren
und sich wechselseitig gönnen. Also: Was macht Ihre Freundin
gern? Wenn Sie gern ins Kino geht, laden Sie sie noch diese Woche
in einen netten Film ein, gehen Sie hinterher etwas bummeln,
trinken zusammen in einem netten Lokal ein Glas Bier (Wein,
Wasser, Cola...), spüren Sie Ihrer Liebe zueinander hinterher,
finden Sie sich als Paar. Dann sehen die nächsten Alltage ganz
anders aus. Verstehen Sie? Übrigens: Vielleicht machen Sie ihr
dann irgendwann, wenn Sie spüren, dass wieder Liebe zwischen
Ihnen beiden fließt, einen ganz altmodischen Heiratsantrag???
Ein Happy-End wünscht Ihnen und Ihrer jungen Familie Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt