Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt!

Unsere Zwillinge (Katharina und Tobias) sind nun fast 31 Monate alt und bisher gab es keinerlei nennenswerte Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Beide schlafen nachts ca. 11 bis 12 Std. und nachmittags noch einmal ca. 1 ½ bis 2 Std. Seit letzter Woche Mittwoch macht Katharina plötzlich "Theater" wenn sie schlafen soll (mittags und abends). Erst hat sie nur ganz kurz geweint und ich habe nach ihr gesehen. Manchmal hatte sie auch nur ihren Schnuller "verloren". Freitagmittag, als sie schlafen sollte, fing es an zu donnern. Sie fing an zu weinen und ich dachte, sie hätte vielleicht Angst. Als ich bei ihr im Zimmer war, hörte sie sofort auf und wollte aus dem Bett. Ich ließ sie dann auch, und sie tat so, als wäre nichts passiert. Nach einer Weile ging sie dann auch wieder ins Bett, nur als ich aus dem Zimmer war, fing sie wieder an zu weinen. Das Gewitter war inzwischen vorbei. Da sie sich absolut nicht mehr beruhigen wollte, habe ich den Mittagsschlaf ausfallen lassen. Tobias konnte natürlich bei dem Theater auch nicht schlafen und war ganz verunsichert (beide schlafen in einem Zimmer). Katharina war dann nachmittags durch den fehlenden Schlaf unausstehlich und fing bei jeder Kleinigkeit an zu weinen. Abends ging sie dann zwar freiwillig ins Bett, aber als ich die Tür hinter mir zugemacht habe, fing sie wieder an zu weinen. Sie ließ sich nicht beruhigen und letztendlich hat sie sich in den Schlaf geweint. Ich habe sogar ein Nachtlicht brennen lassen. Das gleiche Spiel dann Samstagmittag und –abend und auch am Sonntag. Montag hat sie nicht geweint, dafür aber dann wieder Dienstag, als sie ihren Mittagsschlaf machen sollte und zwar fing sie immer dann an zu weinen, wenn draußen irgendein Geräusch war. Zuerst hat unser Nachbar seine Autotür laut zugeschlagen, daraufhin fing Katharina an zu weinen. Dann hatte sie sich gerade wieder beruhigt, hat unser Nachbar sein Garagentor zugeschlagen, woraufhin Katharina wieder anfing. Ich konnte sie dann auch wieder beruhigen und sie hat dann ca. 1 Std. geschlafen. Was kann das sein? Hat sie vor irgendetwas Angst, oder will sie nichts verpassen? Sie ist immer gerne ins Bett gegangen und hat manchmal noch mit ihrem Bruder rumgealbert, wenn sie nicht gleich schlafen konnte. Ich habe auch immer nach ihr gesehen, wenn sie mal geweint hat.

Letzte Nacht ist sie gegen 3 Uhr wach geworden, weil sie ihren Schnuller nicht finden konnte. Ich habe ihn gesucht und ihr gegeben, bin dann wieder aus dem Zimmer und nach ca. 10 Min. fing sie an zu weinen. Ich habe wieder nach ihr gesehen, es war aber nichts. Das hat sie dann noch zweimal wiederholt und beim 3. Mal habe ich sie dann weinen lassen, weil ich einfach nicht wußte, was sie stört. Nach ca. 15 Min. ist sie dann endgültig eingeschlafen.

Was mich noch beschäftigt ist, dass sie scheinbar plötzlich Angst vor ihrem Opa (meinem Schwiegervater) hat. Und zwar wurde beim ihm kurz nach Pfingsten Darmkrebs festgestellt. Er kam ins Krankenhaus und wurde operiert. Wir haben ihn dort auch ein paarmal besucht. Nun hat er durch die Krankheit sehr stark abgenommen und sich äußerlich sehr verändert. Vor ein paar Tagen kam er uns kurz besuchen (meine Schwiegereltern wohnen nur ein paar Straßen weiter) und als er so vor der Tür stand, hat sich Katharina hinter mir versteckt und sich an mich geklammert. Sie geht auch gar nicht mehr gerne zu Oma und Opa und wenn wir mal dort sind, beachtet sie ihren Opa kaum und scheint irgendwie froh zu sein, wenn wir wieder nach Hause gehen. Mich macht das natürlich traurig, weil ich sonst niemanden habe, zu dem ich mal gehen kann. Ich bin erst vor 5 Jahren hier in die Stadt gezogen, habe hier natürlich keine Verwandtschaft und konnte mir auch noch keinen Freundeskreis aufbauen. Ich kann sie ja nun nicht völlig von ihren Großeltern fern halten.

Mit freundlichen Grüßen
G.K.

Liebe G.K.,
ich finde, Sie sind etwas überbesorgt. Am Besten, Sie lassen den Mittagsschlaf bei Ihren Zwillingen ganz wegfallen oder verkürzen ihn, und geben die beiden dafür abends früher ins Bett. Wahrscheinlich schlafen sie derzeit einfach zu lange, so dass beim Mittagsschlaf dann die geschilderten Einschlafproblemchen entstehen.

Auch die Sache mit dem Opa solllten sie nicht so ernst nehmen. Der Opa wirkt für Ihre Tochter sicher wie ein Fremder nach seiner Krankheit, vielleicht wirkt er unheimlich und (auch auf die Erwachsenen) ein bisschen erschreckend? Das sollten Sie einfach ignorieren und ihn ganz normal weiter besuchen. Ihre Tochter wird ihre Ängste überwinden, wenn Sie ihr auf diese Weise vorleben, dass es keinen Grund zur Ängstlichkeit gibt.

Mit freundlichem Gruß, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

Zurück