Hallo Herr Schmidt,

ich (26) habe mich inzwischen durch einige der Briefe
auf Ihrer Homepage gewühlt aber konnte nichts so recht
finden was mir weiterhilft.

Ich bin nun fast einen Monat verheiratet und hatte bis
gestern (ja leider schon so schnell) nicht das gefühl
einen Fehler begangen zu haben.

Eigentlich verstehen wir uns sehr gut. Wir können über
alles reden und versuchen das auch meistens so
umzusetzen ohne Szene sondern sachlich, wenn es ein
Problem gibt. Aber nun zum eigentlichen Problem:

Mein Mann (28) den ich seit fast vier Jahren kenne
(wir wohnen schon 3,5 zusammen) hat eine Leidenschaft
und die heißt Computer. Bis vor einem halben Jahr
vielleicht, war das auch kein Problem für mich. Früher
hat er auch schon gespielt und sich seinen Computer
immer wieder neu zusammengebastelt. Das ist ok, geht
zwar ins Geld aber da ich auch ein Luxushobby- /tier,
nämlich ein Pferd besitze, habe ich kein wirkliches
Problem damit.

Aber nun hat er seit einiger Zeit ein neues
Computerspiel. Und das ist für mich ein Problem. Er
sitzt nur noch vor dieser blöden Kiste. Ich werde
schön wütend, wenn ich nur drüber nachdenke. Bis kurz
vor unserer Hochzeit hat er teilweise den ganzen Tag
gespielt. Natürlich habe ich dann nichts von ihm.
Nicht mal eine Unterhaltung ist möglich, weil er immer
nur mit 'mmmh' und 'aha' antwortet. Angekommen ist im
Gehirn dann gar nix.

Die ganze Sache eskalierte dann - wie erwähnt - kurz
vor der Hochzeit. Nach einer Nacht bis ca. 5Uhr vorm
Computer und der ersten Amtshandlung am nächsten Tag,
den Computer sofort nach dem Aufstehen wieder
einzuschalten bin ich ausgeflippt und hab ihm gesagt,
wenn er nicht seinen Spielkonsum einschränkt heirate
ich ihn nicht. Nun das endetet in einem SMS Krieg
(weil beide auf Arbeit). Wir einigten uns dann darauf,
dass er nicht spielt, wenn ich daheim bin oder erst
wenn ich schon im Bett bin. Gespielt wird bis max. 3
Uhr morgens.

Das hat eine Weile relativ gut geklappt.

Ich bin selbst beruflich sehr eingespannt, bin
meistens sofort nach Arbeit beim Pferd und freue mich
dann Abends, wenn ich nach Hause komme meinen Mann zu
sehen und mit ihm den Tag oder den anstehenden Umzug
im November oder andere Dinge zu bequatschen. Das ist
doch normal, oder??? Und ich dachte mein Mann freut
sich auch.

Wir hatten schon öfter das Thema, dass er eben nicht
aufhört mit spielen, wenn ich heim kam. Aber
eigentlich ist das ja seiner Meinung nach "fast nie"
(haha - fast immer) der Fall. Und ich meckere immer
nur, wenn er spielt, dass er spielt. (Einmal ist ihm
ca. 2 Stunden später aufgefallen, dass ich ins Bett
gegangen war. Er hat nicht mal gemerkt, dass ich weg
war.)

Vorgestern dann kam er von Arbeit (er ist
selbstständiger Finanzkaufmann und er kann sich seine
Arbeitszeit frei einteilen) dann erst nach 12Uhr heim,
weil er 2 Stunden zu fahren hatte. Er musste mich
22:30 unbedingt anrufen um meine Stimme zu hören. Das
ist lieb. Er tut das immer. Ich freue mich auch
darüber. Ich hab ihn schließlich wahnsinnig lieb. Ich
war allerdings schon im Bett und nach dem fünften
Anruf hab ich ihn dann halt zurückgerufen.

Gestern komme ich 20:30Uhr nach Hause, freue mich auf
meinen Mann, weil ich ihn ja am Tag zuvor nicht
gesehen habe.

Er sitzt wie gewöhnlich vorm Computer. Aber er spielt
nicht. Die Ansage: "Hast Du schon gemerkt, dass ich
gar nicht spiele? Die Anderen (besagtes Spiel ist
nämlich eih Online-Spiel) haben sich ewig nicht
ausgekaspert und jetzt sind ein paar gar nicht mehr da
und das hat mich so genervt. Jetzt hab ich keine Lust
mehr."

Ah ja. Also anstatt diese Scheiß-Kiste auszuschalten,
weil ich nach Hause komme, kommt eher die Ansage ich
spiel nicht weil ich abgenervt bin von den Anderen.
Meine Übersetzung dafür ist: Ich würde spielen, wenn
die anderen online wären - du hast also wahnsinniges
Glück heute das dem nicht so ist! Toll. Wie nett!

Und der Hammer an der Geschichte. Ich geh duschen,
pflanze mich auf's Sofa. Was macht meine Mann...surft
im Internt. Nach vielleicht ner halben, dreiviertel
Stunde fällt es ihm tatsächlich ein, dass ich ja da
bin. Er setzt sich vielleicht 10 Minuten zu mir. Dann
geht er auf's Klo. Und als er wiederkommt geht er
wieder an den Computer!!! Ich glaub ich spinne und
werde wütend. Sage also dass ich ins Bett gehe. Er
sagt tatsächlich, dass er mitkommen will (was ja auch
selten genug vorkommt) und ich antworte ihm, dass er
doch sicherlich was Besseres zu tun hat.

Er wird wütend, weil ich patzig bin und nicht versteht
was ich will. Ich sage ihm also, dass er eigentlich
den ganzen Abend wieder vor dem scheiß PC gesessen hat
und er kommt mir mit den 10 Minuten die er sich doch
tatsächlich neben mir aufgehalten hat...

Übertreibe ich etwa???

Wir haben schon so wenig Zeit miteinander und es nevt
mich, wenn ich ihn 50mal fragen muss ob er nun endlich
mal zu mir kommt und sich mit mir abgibt.

Ist er süchtig oder hat er nur einfach keinen Bock
sich mit mir abzugeben???

Leider geht das schon eine Weile so und ich weiß mir
keinen Rat mehr. Das Problem hört sich vielleicht
nicht so gravierend an wie einige andere hier die ich
gelesen hab aber irgendwie brauche ich mal einen
professionellen Rat. Vielleicht haben sie ja eine
Idee???

Vielen Dank

Hallo,
aber natürlich habe ich eine Idee! Sie nicht auch? Sie müssen sich selbst und Ihren Mann vor die Alternative stellen: Wir (ich, du und unser Kind) oder dein Computer (und mein Pferd).

In anderen Ehen heisst diese Alternative zwar meistens: Ich oder die (oder der) andere. Aber so weit ist Ihre Ehebeziehung noch gar nicht entwickelt. Bei Ihnen ist der PC wohl noch der Dritte, der stört. Ihre Ehe wirkt eben allgemein noch ziemlich unreif. Sie haben ein Pferd, Ihr Mann den PC. Schön und gut, aber wo ist Ihr Kind? Ich finde, eine Partnerschaft beweist sich erst in einem gemeinsam gewünschten und verantworteten Kind wirklich ernsthaft. Sie beide befinden sich aber wohl noch im Spielalter, nehmen Sie es mir nicht übel.

Es geht in Ihrer Ehe also darum, wie Sie beide reifen und erwachsen werden können und Ihre jetzigen Kinderrollen (Sie mit Pferdespielzeug, er mit PC-Spielzeug) im Sinne eines beiderseitigen Erwachsenwerdens und Reifungsprozesses überwinden können. Dabei müssen Sie wahrscheinlich den Anfang machen. Ihren spielsüchtigen und noch etwas kindlichen Mann müssen Sie knallhart konfrontieren, indem Sie z.B. sagen, dass Sie ihn verlassen werden, wenn er das unreife Getue mit seinem PC nicht sofort und dauerhaft abstellt. Und wenn er das nicht ernst nimmt, machen Sie es natürlich auch. Sie haben das ja schon bei der Heirat gewusst, worauf Sie sich da einlassen. Leider haben Sie nicht schon damals gemerkt, was da auf Sie zukommt, sonst hätten Sie vielleicht jemand anderes geheiratet. Es soll ja auch andere, reifere und verantwortungsbewusstere Männer (und Frauen) geben.

Glaubt Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt