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geehrter Herr Schmidt, mein Sohn (im Dezember ist er 5 geworden) näßt immer wieder über Tag als auch in der Nacht ein. Er sagt tagsüber er hätte es zu spät gemerkt und Nachts schläft er oft so tief, daß ich ihn nichts mal munter bekomme wenn das Bettchen schon klatschnaß ist. Offensichtlich scheint er damit auch nicht zufrieden zu sein. Oft versucht er zu verstecken, daß ihm diese Malleur passiert ist und oft wechselt er am Tag heimlich die Hosen damit ich es nicht bemerke. Organisch ist alles in Ordnung, das habe ich bereits beim Kinderarzt abgeklärt. Auch habe ich es Nachts schon mit einer sogenannten "Piepsmaus" probiert. Damit klappte es immer solange gut, bis er mal einen sehr anstrengenden Tag hatte und ausgesprochen tief den Warnpiep verschlief oder sich eine Krankheit anbahnte. Zur Zeit ist die Maus leider defekt. Jetzt klappt es manche Nacht und manche Nacht gar nicht. Am schwierigsten scheint mir aber das Problem am Tag zu sein. Weil er da ja bewußt erlebt, daß er es noch nicht schafft. Zum sozialen Umfeld kann ich folgendes sagen: Er hat noch einen 9jährigen dominanten Bruder mit dem er sich aber sehr gut versteht und in deren Beziehung er seinen sicheren Platz hat. Er ist ausgesprochen liebebedürftig und "kuschelig". Als er knapp 2 Jahre alt war habe ich mich von seinem Vater getrennt und lebte dann 1 Jahr mit den Jungs in der Nähe des Vaters in einer eigenen Wohnung mit regelmäßigem Kontakt. Danach bin ich zu meinem neuen Partner in ein anderes Bundesland gezogen. Hier hat er sich bisher sehr gut integriert. Sowohl vorher als auch jetzt besucht er den Kindergarten und versteht sich mit meinem Partner prima! Weiterhin können die Jungs jederzeit mit ihrem Papa telefonieren oder ihn besuchen so oft er Zeit für sie hat. In der Regel ist das 1 bis 2 mal ein WE im Monat und die Hälfte der Ferien. Dabei fahre ich die Jungs jeweils auf die halbe Entfernung entgegen und unterstütze den Kontakt, indem ich mich mit ihnen freue, wenn sie sich auf diese Besuche freuen und dies äußern. Sie können ihm Briefe und Päckchen schicken. Mein Sohn war noch nie richtig trocken...man kann es also nicht als Rückfall ansehen! Wie kann ich nun geschickt mit ihm umgehen und ihm helfen trocken zu werden? Ich denke, schimpfen ist wohl nicht der richtige Weg. |
Hallo,
ich vermute, Ihr Sohn hat Ihre Ehekrise bereits vor Ihrer
Trennung miterlebt, was sich störend auf seine
Sauberkeitserziehung ausgewirkt hat. Die allgemeinen
psychosozialen Umstände Ihrer Trennung von seinem Vater wirken
aber insgesamt nicht so gestört, dass man vermuten könnte, sein
andauerndes Einnässen hinge wesentlich damit zusammen.
Vielleicht liegt vieles daran, dass Sie ihn etwas zu
überfürsoglich behandeln? Vielleicht sind Sie eine der Mütter,
die so starke Schuldgefühle gegenüber dem Kind haben wegen der
Trennung vom Kindesvater, dass sie vor lauter Mitleid mit dem
"armen" Kind eigentlich ein wenig zu viel Verständnis
haben, wenn es Verhaltensstörungen entwickelt? Ich kann mir da
natürlich nicht sicher sein, gebe Ihnen das aber einfach mal zum
Nachdenken. Wenn ich richtig liegen sollte, müssten Sie
vielleicht ein bisschen fordernd-strenger in Bezug auf die
Sauberkeitserziehung beim Söhnchen sein. Schuldgefühle machen
Eltern meistens "zu lieb". Aber vielleicht sollten Sie
sich auch noch an Ihre Erziehungsberatungsstelle wenden.
Mit freundlichem Gruß,
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt