| Guten Tag,
Herr Schmidt, mit Interesse habe ich die kritischen Anmerkungen zu ADS gelesen und hoffe nun auf einen Rat von Ihnen. Mein Mann hat eine 21-jährige Tochter mit ADS, welche seit Jahren eine Therapie in namhafter Praxis erfolglos durchlebt. Sie leidet an Depressionen, Sozialphobie, schneidet sich, und ähnliches, lebt aber nicht in unserem Haushalt, sondern mit ihrem Freund in der ehemaligen Familienwohnung. Nach dem Abitur im letzten Jahr wartet sie nun auf einen Studienplatz. Einer Arbeit kann sie aufgrund ihrer Erkrankung nicht nachgehen und möchte es auch nicht. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, Psychologie zu studieren und muss nun 4 bis 5 Jahre auf den Studienplatz warten, da sie den nc nicht erfüllt. Ihren Lebensunterhalt lässt sie komplett vom Vater bestreiten. Die Mutter leidet gleichfalls an ADS und ist bereits seit mehreren Jahren im vorzeitigen Ruhestand. Die Tochter mahnt den Vater dahingehend, dass es ja wohl nicht sein Wille sein kann, dass sie ihren Lebenstraum nicht verwirklicht und ihr ganzes Leben darüber unglücklich ist. Der Vater wendet den größten Teil seines Einkommens für den Unterhalt seiner Tochter auf und verzichtet auf eigene Ansprüche. Nun meine Frage: 1. Kann ich davon ausgehen, dass sich das Leid seiner Tochter zeitlich unbegrenzt fortsetzt, und somit ein Pflegefall für ihn wird? |
Guten Tag,
und vielen Dank für Ihre Anfrage! ADHS, besonders bei
Erwachsenen, ist derzeit eine absolute Modediagnose, die gar
nichts darüber aussagt, was die wirklichen psychischen Probleme
eines Menschen sind. In den offiziellen medizinischen
Diagnosekatalogen ICD und DSM existiert ADHS bei Erwachsenen überhaupt
nicht. Sie und Ihre weitere Familie sollten deshalb darangehen,
endlich herauszufinden, wie die wirklichen Probleme zu verstehen
sind, die alle Personen der früheren Ehe Ihres Mannes chronisch
zu haben scheinen. Nicht nur die Tochter und ihre Mutter, auch
Ihr Mann verhält sich nämlich aus meiner Sicht gestört, wenn
er die "Krankheit" seiner Tochter dadurch unmerklich fördert,
dass er ihre Lebensuntüchtigkeit und ihren sekundären
Krankheitsgewinn finanziell unterstützt. Warum macht er das? Aus
schlechtem Gewissen? Jedenfalls hilft er seiner Tochter doch
nicht damit, dass er sie aushält, so dass sie abhängig und
kindlich fixiert bleibt. Und was soll die sogenannte "Therapie"
der Tochter sein, die jahrelang erfolglos ist?
Mein Rat: Ihr Mann soll seiner Tochter abverlangen, dass sie jetzt für ihren eigenen Lebensunterhalt beizutragen beginnt. Die erfolglose Therapie in "namhafter Praxis" soll sie beenden und sich stattdessen einen Job suchen. Und Sie alle sollten in einer Familienberatungsstelle eine Familientherapie machen, damit man endlich gemeinsam herausfindet und aufarbeitet, was sich wirklich an seelischem Leid hinter "ADS" versteckt und seit Jahren gemeinsam verdrängt wird.
Mit freundlichem Gruß,
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt