| Sehr
geehrter Herr Schmidt, Ich hoffe, Sie können mir einen Rat geben. Ich bin 33 Jahre, habe zwei Kinder ( 4, 12) und bin verheiratet. Mein Problem ist dass mein Mann seit Jahren nicht mit mir redet.( Also über den Alltag und so ) Ich bin schon sehr lange zu Hause und kümmere mich um Haushalt und Kinder, doch ich fühle mich immer mehr nur noch als Putze. Für meinen Mann und die Kinder ist es selbstverständlich, dass ich alles wegräume und putze was sie so anstellen. Mich macht das sehr wütend und ich schreie meine Wut immer öfter raus. Ich werde teilweise so wütend dass ich meinem Mann nur noch Vorwürfe mache, mich danach aber sehr schlecht fühle und wieder versuche mit ihm zu reden. Er geht nicht darauf ein, spricht nicht ein Wort mit mir. Ich mache mir so viele Gedanken über unsere Ehe, doch was nützt es wenn ich das nur tue. Für die Kinder ist er auch nie da. Er fragt nicht mal was unser Sohn so in der Schule macht, oder ob es unserer Tochter im Kindergarten gefällt. Seit mein Sohn vor 12 Jahren geboren wurde war ich immer für ihn da. Seit dem bin ich nicht mehr ausgegangen, war nur für ihn und meinen Mann da. Ich verstehe nicht wie mein Leben so aus der Bahn geraten konnte. Ich bin oft verzweifelt und weine immer öfter, weil ich nicht mehr weiß wie es weiter gehen soll. Unser Sohn bekommt schon seit Jahren mit, was hier los ist, und ich glaube dass er deshalb solche Leistungsschwankungen in der Schule hat. Will ich mit ihm darüber reden kommt leider auch kein Wort über seine Lippen. Mein Mann fühlt sich für nichts verantwortlich, er läßt das alles an mir hängen. Ich bin so enttäuscht von ihm, dass ich ihm letzte Woche sagte dass ich mich scheiden lassen möchte und dass ich ihn nicht mehr liebe. Ich kann einfach nicht mehr, nie ist er da, wenn ich ihn brauche. Rufen andere Leute bei uns an und er soll was für sie machen startet er sofort durch. Ende letzten Jahres wurde ich schwer krank, ich wäre fast gestorben. Mein Mann blieb nicht bei den Kindern, (sie waren bei meiner Mutter und meiner Schwester ) er ging arbeiten und lebte sein Leben. Er fragte nicht mal wie es mir ging. Das öffnete mir die Augen was er für mich empfindet. Um zum Schluß zu kommen, er ist nie für mich und die Kinder da. Er kümmert sich um nichts und läßt sich nur bedienen. Zum Dank spricht er nicht mal mit mir. Bitte geben Sie mir einen Rat was ich nun tun kann! Mit freundlichen Grüßen A. |
Liebe A.,
das klingt traurig, was Sie schreiben. Irgendwie haben Sie sich
selbst in all Ihren Ehejahren fast verloren, finde ich.
Wahrscheinlich waren Sie immer schon ein sehr lieber,
anpassungsbereiter und tüchtiger Mensch. Aber nun haben Sie das
sicher berechtigte Gefühl, viel zu wenig Liebe zurückbekommen
zu haben für all das, was Sie für Ihre Familie (vor allem für
Ihren Mann) an Liebe gegeben haben. Umso verständlicher finde
ich es, dass Sie Ihrem Mann ganz klar gesagt haben, dass Sie so
nicht weiter mit ihm leben können. Leider schreiben Sie nicht,
wie er darauf reagiert hat. Ich befürchte aber fast, dass er
auch dies einfach so leugnet und wegsteckt, ohne aufzuwachen und
sich Ihrer und seiner Kinder zu besinnen. Vielleicht glaubt er
sogar, Sie meinen es nicht ernst und werden sich schon wieder
einkriegen.
Aber Sie meinen es doch ernst, nicht wahr, liebe A.? Dann werden
Sie sicher auch die nötigen Schritte einleiten, wenn Ihr Mann
Sie weiterhin nicht ernst nehmen kann. Dann werden Sie von ihm
verlangen, dass er oder Sie die Familie verlassen muss. Dann
werden Sie irgendwann auch die Scheidung einreichen. Wenn, ja
WENN Ihr Mann nicht vorher aufwacht, den Mund und seine Seele
öffnet und Ihnen beweist, dass er Sie noch lieb hat. Und Ihnen
erklärt, warum er sich so lange wie ein sturer und liebloser
Bock Ihnen und seinen Kindern gegenüber benommen hat. Wagen Sie
es und gehen Sie aufs Ganze! Sie wollen ja schließlich wissen,
woran Sie sind mit Ihrem Mann, oder? Schließlich sind Sie ja
noch eine ziemlich junge Frau, haben noch ein langes und
hoffentlich glückliches Leben vor sich, und einen liebevollen
Mann haben Sie sowieso verdient!
Das findet Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt