| Hallo Herr Schmidt, auch ich möchte einmal mein Problem schildern. Ich bin 46 Jahre alt und seit 19 Jahren verheiratet und voll berufstätig.. Mein Mann ist 49 Jahre alt und hat aus erster Ehe einen Sohn (27) und aus einer weiteren Beziehung noch einen weiteren Sohn (21). Zusammen haben wir keine Kinder, obwohl mein Kinderwunsch immer da war. Mein Mann hatte zu seinem Ältesten selten Kontakt (nur Geburtstage, Weihnachten etc.) und dieser war auch selten bei uns zu Besuch. Nach jedem Besuch des Ältesten war ich mit den Nerven fertig und habe über meine Situation geweint. Daraufhin hat mein Mann die Besuche seines Sohnes bei uns stark eingeschränkt, nur aus Rücksicht auf mich. Mittlerweile ist er ja erwachsen, kommt aber auch nur am Geburtstag seines Vaters und vielleicht noch zu Weihnachten. Unser Kontakt ist mehr als kühl, ich glaube in den ganzen Jahren hat mich noch nicht einmal mit Vornamen angeredet, bzw. sich für Bewirtung o.ä. bedankt. Beim zweiten Sohn war mein Mann bisher nur Zahlvater. Durch einen Zufall traf er die Mutter seines Sohnes und hat Kontakt zu ihm aufgebaut. Was für mich wie ein Weltuntergang war, war die Tatsache, dass er sich mit seinem Sohn getroffen, ohne mir etwas davon zu erzählen. Nach ca. 14 Tagen hat er erst von der Begegnung gesprochen. Mittlerweile habe ich den Sohn auch kennengelernt. Während unserer Ehe haben wir ein Haus gekauft, dass zu 100% auf meinen Namen geschrieben wurde und natürlich noch nicht schuldenfrei ist. Jetzt hat mein Mann durch den Verkauf seines Elternhauses Bargeld zur Verfügung und will es ins Haus investieren, natürlich nicht ohne eine (Teil-) Umschreibung auf seinen Namen. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass meine Schwiegereltern bei uns im Hause (Extra-Wohnung) gelebt haben. Schwiegermutter, zu der mein Mann ein sehr gespanntes Verhältnis hatte, ist vor 8 Jahren an Krebs gestorben, Schwiegervater habe ich dann 7 Jahre versorgt: waschen kochen, saubermachen (im letzten Jahr mit Hilfe) etc. Seit einem Jahr ist er im Altenheim. Zwischendurch gab es immer mal wieder Zeiten, in denen mein Kinderwunsch so stark war, dass es zu Streiterein kam. Es gab dann aber Aussagen wie: vielleicht geht es doch noch. Mittlerweile ist jedoch die Uhr abgelaufen und man hat auch bei mir eine Autoimmunkrankheit festgestellt, die eine Schwangerschaft schwierig gemacht hätte. Mittlerweile ist es so, dass ich in manchen Situationen sehr heftig reagiere und die Kinder für meine eigene Kinderlosigkeit verantwortlich mache. Auch habe das Gefühl, die ganzen Jahre nur Putzfrau gewesen zu sein, die auch noch Geld mit nach Hause gebracht hat. Auch unterstelle ich meinem Mann, dass er wieder eine Beziehung zur Mutter seines 2. Sohnes aufbauen will. Er hat mir vor Jahren einmal erzählt, wie gut die Beziehung im Bett lief (allerdings nur da und auch nicht von Dauer). Es hat es mir aus Ehrlichkeit erzählt, ich fasse es auch noch heute, nach 20 Jahren, als Demütigung auf. Das mein Mann keine Lust mehr hat, sich mit mir zu streiten, kann ich ja verstehen, aber ich kann einfach nicht über meinen Schatten springen. Auch er hat schließlich von meinem Kinderwunsch gewusst. Und nun die Sache mit der Erbschaft, ich habe Angst, dass er mich vor die Tür setzt, wir waren auch schon beim Anwalt. Er will mir das Haus (100% abzüglich Schulden :2) abkaufen Ich würde zwar einen finanziellen Ausgleich bekommen, aber auch ich hänge daran, zumal ich viel Arbeit in das Haus gesteckt habe. Zusätzlich müsste ich 2 Katzen zurücklassen, die für mich wie Kinder sind. Wir haben Probleme, miteinander zu reden und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Eine Eheberatung lehnt er ab und auch Gespräche mit guten Freunden haben eigentlich nichts gebracht. Ich liebe ihn noch immer, aber ich kann im Moment keine Lösung sehen. Mit freundlichen Grüßen Katzenmama |
Liebe Katzenmama,
Ihren Spitznamen finde ich rührend, weil er doch zum Ausdruck
bringt, wie sehr Sie sich eigene Kinder gewünscht hätten! Aber
Sie haben darauf verzichtet. Warum?
Ihrem Mann zu Liebe, der aus zwei verunglückten Beziehungen zwei
Söhne hat? Warum? Ihm zu Liebe hätten Sie doch nicht auf eigene
Kinder verzichten müssen. Im Gegenteil: er hätte Ihnen zu Liebe
mit Ihnen ein gemeinsames Kind haben müssen!
Überhaupt habe ich den Eindruck, Sie haben in Ihre Ehe bisher mehr investiert, als Ihr Mann. Sprich: Sie haben sich mehr an ihn angepasst, als umgekehrt. Das ist ja an und für sich nichts Nachteiliges, wenn man dafür unter dem Strich auch genügend entschädigt wird. Aber Sie merken wohl immer mehr, dass die Billanz nicht stimmt. Was Ihr Haus betrift, verstehe ich Sie nicht: Das Haus gehört doch wohl (samt der Schulden) Ihnen, oder? Könnten Sie es nicht unterhalten, wenn Sie sich trennen? Davon sagen Sie aber gar nichts. Deshalb gehe ich erst einmal davon aus, dass Sie Ihr Haus doch nicht an ihn verkaufen werden. Oder wollen Sie sich doch trennen? Auch dann müssen Sie das Haus doch nicht an ihn verkaufen, sie können es an jedermann verkaufen, wenn Sie es nicht alleine halten können. Sie können es auch vermieten, auch anteilig und selber vielleicht drin wohnen bleiben, und Ihr Mann muss ausziehen. Das Haus gehört ihm doch nicht.
Irgendwie habe ich den Eindruck, Sie lassen
sich seit Jahren von Ihrem Mann unterbuttern. Sie verzichten auf
eigene Kinder, leiden unter dem Sohn Ihres Mannes und den wohl
ungeordneten Beziehungen aus seinen früheren Verhältnissen,
versorgen Ihre Schwiegereltern, lassen sich von Ihrem Mann
demütigen, lassen sich in Bezug auf Ihr Haus einschüchtern...
Hören Sie damit besser auf! Vertreten Sie endlich selbstbewusst
Ihre Rechte, nicht nur materiell beim Haus, sondern auch
psychisch bei Ihrem Beziehungsproblem. Bestehen Sie auf einer
gemeinsamen Eheberatung, bevor Sie bereit sind, über
irgendwelche finanziellen Transaktionen beim Haus zu verhandeln.
Das Haus gehört Ihnen. Und wenn Ihr Mann noch Interesse an
seiner Ehe hat, soll er sich gefälligst ernsthaft mit den
Beziehungsproblemen mit seiner enttäuschten Ehefrau befassen.
Bleiben Sie stark,
wünscht Ihnen Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt