Sehr geehrter Herr Schmidt, ich habe eine Problem mit meiner fast dreijährigen Tochter. In der Woche schlafen meine beiden Töchter (die andere ist fünf) bei den Großeltern, da ich als Lehrerin arbeite. Die Kinder freuen sich schon die ganze Wochen auf das Wochenende mit Mama (ich bin alleinerziehend). Wenn wir dann am Wochenende zusammen sind, ist es sehr schön, nur abends beim Einschlafen weint und schreit die Kleine nach Oma. Hat sie sich schon von ihrem zu Hause und von mir entwöhnt. Ich fühle mich dann entsetzlich und habe ein schlechtes Gewissen. Ich musste die Kinder abgeben und bin eigentlich auch froh, dass es mit den Großeltern so gut klappt. Jetzt habe ich eine Frau gefunden, die die Kinder Mo. und Di. von zu Hause abholt, so dass sie zwei Nächte länger bei mir schlafen können. Falls sich das Verhalten meiner Tochter nicht ändern sollte, wäre es trotzdem sinnvoll, es fortzuführen, dass sie zwei Nächte länger zu Hause schlafen oder soll ich sie dann wieder bei Oma schlafen lassen. Ich möchte meiner Tochter nicht schaden. Ich möchte nur wieder mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen. Im Moment fühle ich mich als Mutter in der zweiten Reihe und das Verhältnis zu meiner Mutter leidet auch darunter. Mit freunlichem Gruß

Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Dass Sie mehr Zeit mit Ihren Töchtern verbringen können, kann ich gut verstehen. Ihre familiäre Situation ist ja weder für Sie noch für Ihre Kinder auf Dauer besonders glücklich. Spielt der Vater der Kinder denn gar keine Rolle? Das wäre sehr schade, wenn er bei der Erziehung und Betreuung nicht mitwirken könnte. Wenn Sie Lehrerin sind, müsste es doch eigentlich kein Problem sein, die Kinder nur tagsüber oder sogar nur halbtags bei den Großeltern zu lassen. Oder zu Hause eine Tagesmutter anzustellen, so dass Sie die Kinder sofort übernehmen könnten, sobald Sie zu Hause sind? Ich kenne aber Ihre Gründe nicht, warum Sie die Kinder "abgeben mussten". Sie können doch sogar viele Jahre Erziehungsurlaub nehmen, wenn Sie Lehrerin im öffentlichen Dienst sind? Bekommen Sie vom Kindesvater denn keinen Unterhalt?
Wenn Sie sich als Mutter "in der zweiten Reihe" fühlen, dann deshalb, weil Sie sich so verhalten (müssen?). Kommen Sie doch in die erste Reihe! Das Verhalten Ihrer kleinen Tochter ist ein Alarmsignal. Sie ist Ihnen offenbar schon stärker entfremdet.
Mit den besten Wünschen, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt