Hallo,   wir haben 2 Söhne. Unser erster ist 5 1/2 Jahre und ganz "normal". Unser 2. Sohn ist 1 Jahr alt und so ganz anders! Er findet einfach nie Ruhe, weigert sich einzuschlafen (versucht ständig aufzustehen, reißt an unseren Haaren, ist ärgerlich). Am Tag ist er unwahrscheinlich flink, er krabbelt nicht normal, sondern immer mindestens doppelt so schnell, er braucht eine ganze Person als Aufsicht, da er ständig etwas anstellt. Er ist einfach dauernd ruhelos. Er kann nicht einfach mal auf dem Schoß sitzen, ein Buch anschauen, ruhig bleiben. Man hat das Gefühl, er will ständig aus der Haut fahren. Wir lassen momentan Bioresonanztherapie bei ihm durchführen, um einen Candita-Pilz zu behandeln den er sich durch eine Antibiotika-Gabe eingehandelt hat. Der Arzt arbeitet mit verschiedenen Methoden und wir haben ihm auch geschildert, daß er äußerst unruhig ist. Er meint, daß in diesem Alter oft eine Allergie gegen Zucker vorliegt, die die Hibbeligkeit von Kleinkindern hervorrufen kann. Mit kinesiologischem Test hat er heute herausgefunden, daß er auf Zucker allergisch reagiert und daraufhin eine Bioresonanztherapie verabreicht. Eine Besserung seiner Unruhe konnten wir nicht feststellen. Wir haben gehört, daß man bei Einjährigen nicht von Hyperaktivität sprechen kann. Aber was könnte der Grund für diese totale Unruhe sein? Zur Zeit wissen wir einfach keinen Rat, er macht es uns einfach enorm schwer und wir leiden darunter. Was könnte dahinter stehen, was sollen wir untersuchen lassen?

Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Man kann durchaus schon bei Säuglingen und Kleinkindern von so etwas wie Hyperaktivität sprechen. Es gibt von Geburt an besonders unruhige und "stressige" Kinder. Die Unruhe Ihres kleinen Sohnes kann aber viele Ursachen haben. Ich kann natürlich von hier aus nicht eingrenzen, was davon in Frage kommt. Meist handelt es sich um eher unspezifische neurologische "Entwicklungs-Unreifen", die bei geschickter Erziehung und z.B. ergotherapeutischer Behandlung und Frühförderung eine sehr günstige Prognose haben. Sie sollten mit Ihrem Kinderarzt über die Überweisung in ein Frühförderzentrum oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum in Ihrer Region sprechen. Dort finden Sie erfahrene Fachleute (Ärzte, Psychologen, Heilpädagogen, Motopäden, Ergotherapeuten etc.), die auf solche Probleme spezialisiert sind, auch was die Diagnostik betrifft. Ihr Arzt scheint mir da derzeit etwas im Nebel herum zu stochern mit seiner zweifelhaften Bioresonanztherapie und Zuckerallergie. Das wirkt auf mich etwas hilflos und willkürlich. Eine qualifiziertere Diagnostik und Beratung/Behandlung wäre sicherlich hilfreicher.

Ihr nächstes Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) finden Sie z.B. unter
http://www.dgspj.de/spz.php
Frühförderstellen finden Sie z.B. unter
http://www.familienratgeber.de/ratgeber/seite__7210.html

Alles Gute, viel Geduld und Liebe, Ihr
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt