Hallo,
Um meine Not zu erklaeren, brauche ich nicht viel schreiben. Schauen Sie bitte auf meine Webseite: http://homepages.compuserve.de/helmarmp/sandra.html
und anschliessend auf alle seiten unter:
http://homepages.compuserve.de/helmarmp/tweety.html

Diese Seiten erklaeren fast alles von Sandras und meiner Not.
Das Ergebnis ist nun seit dem 4.9.2000 , das ich als Grossmutter an allem Schuld bin, denn das Kind kann bei mir ja nichts lernen, ich haette einen schlechten Einfluss auf das Kind, weil es sich in den 4 Monaten Klinikaufenthalt wieder rueckwaerts in ihrem Verhalten entwickelt hat und weil das ganze auf dem Web steht.
Das Kind muss in eine sozialtherapeutische Einrichtung (sprich Klinik). Auch wenn ich weiterhin alle mir zur Verfuegung stehenden Mittel hier von den Philippinen aus weiter ausnutze, so frage ich mich, ob bei der Zeitdauer die jetzt noch hinzukommt, es nicht doch besser waere,das Kind seinem Schicksal zu ueberlassen, denn wenn es sich evtl. eingewoehnt in einer neuen Umgebung, darf es nicht mehr rausgerissen werden und ich bin die letzte die dieses tun wuerde.
Meine besondere Frage ist folgende:

Was bedeutet es bei einem Kind das als Lernbehindert angesehen wird und eine Entwicklungsverzoegerung hat, wenn man bei einem Test zu folgendem Ergebnis in einem Gutachten kommt "1. das Kind steht am untersten Rand der Intelligenzminderung und kann auf den Philippinen nichts lernen, 2. das Intelligenzverfahren Harweg 3 zeigt wiederum , das Sandra eine unterdurchschnittliche Befaehigung im Bereich der Intelligenzminderung hat"

Ich kann diese Aussagen nicht nach ICD-10 einordnen. Ist sie nun nur lernbehindert oder schon geistig behindert nach Meinung des Arztes?

Fuer eine baldige Antwort waere ich sehr dankbar. Helma


Liebe Helma, vielen Dank für Ihre Anfrage und den Hinweis auf Ihre beeindruckenden websites. Ich kenne ähnliche Schicksale als Familiengerichtsgutachter nur zu gut! Wenn ich von Ihren Schilderungen ausgehen kann, dann ist es für Sandra ein großes Glück, jemanden wie Sie zu haben. Was die genaueren familiären Hintergründe angeht, weswegen alles so mit Sandra gekommen ist, kann ich Ihren websites allerdings nicht entnehmen (warum konnte sie nach der Trennung ihrer Eltern nicht bei ihrer Mutter und dem Bruder bleiben? Was ist mit ihrer Mutter? Was ist mit ihrem Vater? Fühlte er sich vielleicht längere Zeit psychologisch hintergangen und hat deshalb alle möglichen rechtlichen Schritte eingeleitet, die die Behördenmaschinerie erst in Gang brachten?) Zu Ihren konkreten Fragen: Der Begriff "Intelligenzminderung" sagt aus, dass sich eine Intelligenz im Bereich einer Lernbehinderung (also keine geistige Behinderung) befindet. Wenn es heisst, sie befinde sich am "untersten Rand  Intelligenzminderung", dann soll zum Ausdruck kommen, dass es um den Grenzbereich zwischen Lernbehinderung und geistiger Behinderung geht.

Das Intelligenztest-Verfahren, das Sie meinen, ist wohl der HAWIK III ("Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder III"), ein gängiger Test. Wenn dort das Ergebnis lautet, dass Sandra eine "unterdurchschnittliche Befähigung im Bereich der Intelligenzminderung" aufweise, so beschreibt dies eine Lernbehinderung. Ich würde aus beiden Angaben also insgesamt auf eine Lernbehinderung bei Sandra schließen (Genaueres würde immer der IQ -Intelligenzqotient- aussagen: ein IQ unter 70 Wertpunkten deutet auf eine eher "geistig" bedingte Intelligenzschwäche hin, ein IQ zwischen 70 bis 85 eher auf eine Lernbehinderung, über 85 auf eine durchschnittlich-normale Intelligenz). Erfragen Sie doch einmal den exakten IQ von Sandra. Bedenken Sie bitte, dass solche Werte immer fehlerbehaftet sind und insgesamt nicht viel bedeuten müssen. Vor allem Lernbehinderungen bei Kindern sind sehr häufig milieubedingt. Bei entsprechender Förderung und liebevoller sozialer Umwelt können diese Kinder viel (nicht selten alles) aufholen, was vorher in einem ungünstigen Milieu brachlag. Das haben Sie ja schon selbst bei Sandra erlebt, ebenso leider, dass solche Entwicklungsfortschritte auch wieder verschwinden, wenn sich das Milieu wieder verschlechtert (aber: auch das können Kinder wieder rasch aufholen bei erneutem positiven Milieuwechsel).

Sehr wichtig ist, dass die Intelligenztest-Untersuchungen Ihrer Enkeltochter möglichweise durch die psychische Ausnahmesituation, in der sich Sandra in der Klinik befand, negativ verfälscht worden sind: Tests wie der HAWIK sind nämlich auch von der seelischen Situation, in der sich ein Kind gerade befindet, stark abhängig. Sie beschreiben Sandra so, dass sie gegen die Klinik eingestellt war. Deshalb könnte der Test schlechter ausgefallen sein, als wenn Sandra freudig-aufgeschlossen mitarbeiten hätte können. Tests wie der HAWIK sind also auch situationsabhängig, was ein Gutachter berücksichtigen muss. Hat er das?     

Steht im Gutachten wirklich wörtlich, dass Sandra auf den Philippinen nichts lernen könne? Das wäre ein Skandal. Oder wird behauptet, dass es auf den Philippinen keine geeigneten therapeutischen Einrichtungen gäbe? Das stimmt sicher einerseits nicht, andererseits ist für Sandra wohl nicht so sehr das Vorhandensein therapeutischer Einrichtungen, als vielmehr eine liebevolle familiäre Umgebung ausschlaggebend. Wenn Sie ein ausführliches Kinderpsychologisches Gutachten für Sandra benötigen (Sie können dies auch beim Familiengericht beantragen), stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Ich wünsche Sandra alles Gute!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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