Mein sohn (9) wird im sommer eine weiterführende schule besuchen. er hat es schwer gehabt im letzten jahr, durch unsere trennung. hat in der schule massiv nachgelassen, ist mit seinen gedanken ständig woanders. seine lehrerin meinte damals im 1.2. schuljahr alexander hätte das "zeug" für ein gymnasium.
heute meint sie: gesamtschule. er ist sehr intelligent, aber einfach nicht mehr bei der sache. nun erziehe ich ihn und seinen bruder (3) allein. stehe vor vielen problemen und fragen. was kann ich tun, um alexander zu helfen. er ist nicht dumm und kann auch alle aufgaben lösen. nur - er will einfach nicht
- ich will ihm helfen...weiß aber einfach nicht wie. nun muss ich
entscheiden, ob er auf eine gesamtschule geht oder direkt zur realschule (dies hält die derzeitige lehrerin noch für möglich, hat aber ihre zweifel, ob alexander es schafft, da er nicht bei der sache ist) außerdem hat der junge ca. 12 kg zugenommen, während der letzten paar monate, er ist stark übergewichtig....bitte geben sie rat und hilfe, wie ich den jungen wieder auf
die "richtige" bahn bekomme. mfg a.

Liebe A.,
vielen Dank für Ihren Brief! Es sieht so aus, als leide Ihr Sohn unter
der Trennung seiner Eltern. Besonders schlimm ist sicher für ihn, dass
Sie ihn und seinen Bruder nun angeblich "allein" erziehen. Was
bedeutet das? Muss er etwa auf seinen Vater verzichten? Das darf
einfach nicht passieren! Wenn Ehepartner sich trennen, dann müssen sie
möglichst unverändert Eltern für ihre Kinder bleiben! Ihr Mann muss
also gerade wegen der Trennung besonders für Ihren Sohn da sein. Sie
sind nicht allein erziehend, so etwas gibt es psychologisch gar nicht.
Abwesende oder sogar verstorbene Väter sind immer heimliche
Miterzieher! Also, liebe Frau A., was können Sie und der Vater Ihrer
Kinder tun, um Ihren Söhnen den Vater zu erhalten trotz Ihrer
Trennung? Darin liegt Ihre derzeitige und zukünftige Aufgabe. Kinder
können eine Trennung der Eltern nur dann einigermaßen glimpflich
überwinden, wenn sie zu beiden Eltern trotz deren Trennung einen
harmonischen Kontakt pflegen können. Ich empfehle Ihnen und dem Vater
Ihrer Söhne, eine Erziehungsberatungsstelle in Ihrer Gegend
aufzusuchen, um sich möglichst gemeinsam dabei helfen zu lassen, wie
Sie Eltern für Ihre Söhne bleiben können trotz Trennung und Scheidung.
Alles Gute, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

Zurück